A-Tec: Kovats muss Geld zur Sanierung beisteuern. Doch die wird schwierig

Um Privatvermögen zu retten, zog sich A-Tec-Boss Mirko Kovats aus seiner Privatstiftung zurück. Gläubiger fordern, dass er zur Sanierung der A-Tec Geld einschießt – und die Führung abgibt.

Wenige Tage vor der A-Tec-Pleite beteuerte deren Gründer Mirko Kovats, dass die Insolvenz unerwartet komme und vornehmlich auf den Ausfall eines chinesischen Kunden in Australien zurückzuführen sei. Tatsächlich wusste der Industrielle offenbar schon Wochen davor, was auf ihn zukommen könnte. So hat sich Kovats laut FORMAT-Recherchen im September 2010, also kurz vor dem Offenbarungseid, als Begünstigter seiner Privatstiftung M.U.S.T. austragen lassen, wo seither nur noch die Familie aufscheint. Wohl eine Vorsichtsmaßnahme, um abgesichert zu sein, sollte im Fall einer A-Tec-Insolvenz versucht werden, auf sein Privatvermögen zuzugreifen. Kovats wollte die Vorgänge um seine Stiftung nicht kommentieren.

Bei Aktionären und Banken werden sie für Wirbel sorgen. Denn ohne Beitrag des Hauptaktionärs wird die Rettung des Industriekonzerns nicht gelingen. Und Kovats hat sich schon in anderen Fällen geweigert, Kapital zuzuschießen. So ließ er etwa mehrere Diskotheken in die Pleite schlittern. Laut Lucona-Aufdecker Hans Pretterebner meldeten bereits 36 Firmen aus Kovats’ Einflussbereich Konkurs an.

Bei der A-Tec, nun die drittgrößte Pleite in der österreichischen Geschichte, hat Kovats auf Druck der Banken und der Gläubigerschutzverbände einen „substanziellen Beitrag“ angekündigt. Noch wird aber hart gepokert. Und eine Garantie für die Rettung ist auch ein Einlenken von Kovats nicht.

Die Verhandlungen mit den Banken sind kompliziert. Die Verbindlichkeiten der A-Tec-Gruppe belaufen sich auf 677 Millionen Euro, inklusive Haftungen. Insgesamt sind 15 Banken involviert, zu den größten Gläubigern gehören die belgische KBC Bank (über 300 Millionen Euro), die Commerzbank (150 Millionen), BNP Paribas, die UniCredit (80 Millionen) sowie Raiffeisen International, die RLB OÖ und die Volksbanken. Zieht ein Institut nicht mit, wackelt die gesamte Sanierung.

50 Millionen braucht der Anlagenbauer A-Tec sofort, um begonnene Projekte fertig stellen zu können, denn die Garantielinien der Banken sind ausgeschöpft. Die Projekte (z. B. in Australien) werden jetzt genau darauf geprüft, ob sich das zusätzliche Risiko auszahlt. Die Banken wollen Sicherheiten. Die Zeichner einer Anleihe der A-Tec-Holding wiederum nehmen die – von Kovats sehr niedrig angesetzten – Werte der operativen Gesellschaften unter die Lupe. Nur wenn sie realistisch erscheinen, werden sie der angebotenen 30-Prozent-Quote zustimmen. Die erste Verhandlung mit den Anleihegläubigern ist am 5. November.

Gläubiger machen Druck

„Das Problem ist Mirko Kovats, nicht die A-Tec. Wenn er geht, kann der Konzern viel eher mit Unterstützung der Banken rechnen“, sagt ein in die Sanierung Involvierter. Doch Kovats will bleiben, wie er zuletzt betonte. Deshalb ist er wohl bereit, Geld lockerzumachen.

Den Großteil von Kovats’ Vermögen stellt die 67-prozentige Beteiligung an der A-Tec dar, wobei die Aktie massiv verloren hat: Im August 2009 lag der Wert seiner 18 Millionen A-Tec-Aktien bei 161 Millionen Euro, heute sind es 46 Millionen.

Die Mehrheit davon liegt in der M.U.S.T. Privatstiftung, daneben haben Kovats und seine Frau Ulrike 2006 die TOSE Privatstiftung gegründet. In den Stiftungen hat der 62-Jährige auch seine Hotelgruppe Artis gebunkert, darunter Schloss Krumbach. Auf vielen Liegenschaften haben aber Banken Pfandrechte.

Kovats’ Laufbahn als Industrieller begann 1997 mit dem Erwerb einer 50-Prozent-Beteiligung am insolventen Salzburger Maschinenbauer Emco. Es folgten der steirische Elektromotorenhersteller Austria Antriebstechnik (ATB) sowie der Anlagenbauer AE&E und die Montanwerke Brixlegg. Mit seinem früheren Partner Ronny Pecik kaufte er sich 2003 bei der VA Tech ein, der Weiterverkauf an Siemens brachte Kovats 50 Millionen Euro.

So rasch er zum Multimillionär aufstieg, so schnell könnte er einen Teil des Vermögens jetzt wieder los sein.

– Silvia Jelincic

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