500 bis 600 Telekom-Beamte müssen Anfang Dezember gehen

Die TA-Spitze zieht trotz Drohungen der Gewerkschaft ihre Sparpläne durch – und fordert Beamtenagentur.

Telekom-Chef Boris Nemsic macht jetzt mit jener Ankündigung Ernst, mit der er Ende August in FORMAT für Aufsehen gesorgt hatte: Zwischen 500 und 600 Mitarbeiter müssen bereits ab Dezember zuhause bleiben. Bis Ende 2009 werden es 1.250 sein, bis 2011 noch einmal so viele. Das ist dann mehr als ein Viertel der aktuellen Belegschaft im Festnetz. Betriebsratschef Michael Kolek ruft in einem offenen Brief an SPÖ-Chef Werner Faymann und ÖVP-Chef Josef Pröll um Hilfe. Darin fordert er „einen Telekom-Gipfel, die Ablöse des unfähigen ÖIAG-Vorstands und eine neue Perspektive für das Festnetz mit echten Fachleuten und einer Anschub­finanzierung“.

Die Gewerkschaft sieht sich durch gute Zahlen bestätigt: Nach ihrer ­Rechnung werde die Telekom heuer eine knappe Milliarde Euro Gewinn erwirtschaften. Die Zahlen würden durch die Kosten für den Personalabbau viel schlechter aussehen, als sie tatsächlich sind.

General Nemsic hält diese Argumentation für eine „bodenlose Frechheit und Vermischung der Tatsachen“. Das Betriebsergebnis im Festnetz wird 2008 rund 120 Millionen Euro betragen, um 14 Prozent weniger als im Vorjahr. Der geheim gehaltene Nettogewinn im Festnetz erreicht heuer 30 Millionen. Im nächsten Jahr werde das Festnetz ohne Maßnahmen negativ sein, heißt es aus der TA-Führung. Nemsic sagt: „Wir sind noch kein Sanierungsfall, müssen aber rechtzeitig reagieren.“

Sollte die Politik die vom Aufsichtsrat abgesegneten Personalmaßnahmen blockieren, könnte der Vorstand sogar zurücktreten, heißt es aus TA-Kreisen.
630 Millionen Euro werden für den Abbau rückgestellt, 500.000 Euro pro Person. Die enorme Summe ist nötig, da die betroffenen Mitarbeiter unkündbare Beamte sind und im Schnitt noch 19 Dienstjahre vor sich hätten. Gerechnet wird, dass nur 400 Leute einen ­Sozialplan annehmen und ausscheiden werden. Die anderen müssen weiter bezahlt werden, wobei die Einsparung nur zehn Prozent beträgt. Nemsic verteidigt die Vorgehensweise dennoch: „Es gibt die Arbeit nicht mehr. Punkt. Ich will nicht, dass die Leute ohne Arbeit im Büro herumsitzen und die anderen ­aufhalten. Außerdem sind zehn Prozent Ersparnis auch wichtig.“

Hoffnung auf Beamtenagentur
Außer­­dem hofft der Telekom-Vorstand noch ­immer, die neue Regierung von der Notwendigkeit einer Beamtenagentur zu überzeugen. Eine solche würde die Per­sonalreduktion für den Konzern billiger machen. Vorgeschlagen wird nun, vorerst ein Pilotprojekt mit 1.000 Leuten starten. Pro Person würde das Unternehmen 250.000 Euro beisteuern, weitere 100.000 Euro soll die ÖIAG aus der TA-Dividende zahlen. Ziel ist es, die Beamten umzuschulen und am Arbeitsmarkt weiterzuvermitteln.

Sollte das Projekt erfolgreich sein, könnte die Beamtenagentur ausgeweitet werden und in der Folge auch Personal der Post aufnehmen. Post-Chef Anton Wais hat in seinen ­Plänen 3.000 Postler dafür vorgesehen.
Das ist derzeit aber noch Wunschdenken der Manager. In der SPÖ steht man der Konstruktion einer Beamtenagentur noch sehr reserviert gegenüber. Der de­signierte Kanzler Faymann soll den Gewerkschaften zugesichert haben, dass das Thema vom Tisch ist. Die ÖIAG ­hingegen will die Beamtenagentur ins Koalitionsübereinkommen reklamieren.

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