3...2...1...: Weltraum für Alle

Mit dem letzten Flug des Spaceshuttle endet eine Ära. In Zukunft fliegen Astronauten nicht mehr mit NASA-Raketen ins All, sondern als zahlende Passagiere von Privatunternehmen.

Der Mann hat Humor. „Viel Glück, gute Reise, und habt ein bisschen Spaß da oben“, wünschte Mike Leinbach, legendärer NASA-Startdirektor der Crew des Spaceshuttles „Atlantis“ auf dessen letzter Reise zur Raumstation ISS. Damit endet nach 40 Jahren die Ära der bemannten Raumfahrt in den USA.

Was mit dem Mercury-Programm und den Mondmissionen in den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts begonnen hat und im 175 Milliarden Dollar teuren Shuttleprogramm endete, soll jetzt, so der Wunsch von US-Präsident Barack Obama, von Privatunternehmen fortgesetzt werden. Und zwar zu einem Bruchteil der heutigen Kosten.

Unglaubliche 1,5 Milliarden Dollar verschlingt der letzte Flug der „Atlantis“. Um dieses Geld können rund 4.000 Passagiere von Virgin Galactic des britischen Multimilliardärs Richard Branson das „bisschen Spaß da oben“ erleben. Und zwar schon bald.

Die ersten Testflüge hat Bransons „Space Ship Two“ bereits erfolgreich über der kalifornischen Mojavewüste absolviert. Das Trägerflugzeug „White Knight Two“ brachte die Raumkapsel in 14.000 Meter Höhe. In dieser Höhe wird sie ausgeklinkt und zündet die Raketentriebwerke. Mit 4.000 km/h fliegt sie in 110 Kilometer Höhe.

Im sogenannten Suborbitalraum erleben die Passagiere fünf Minuten lang die Schwerelosigkeit und können das Panorama der Erdoberfläche genießen, bevor es im Gleitflug zurück zum von Stararchitekt Norman Foster designten Weltraumbahnhof geht. 200.000 Dollar soll der zweieinhalbstündige Weltraumtrip kosten.

Anmeldungen für den Jungfernflug hat Virgin Galactic bereits zur Genüge, darunter auch von Motorsportlegende Niki Lauda, dem Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher, dem Physiker Stephen Hawking und dem Schauspieler-Ehepaar Angelina Jolie und Brad Pitt.

Zukunftsvision: In einer Stunde von Frankfurt nach Sydney

Aron Lentsch, Chef des österreichischen Raumfahrt-Ingenieursbüros Orbspace, hält den suborbitalen Weltraumtourismus für einen der Erfolgsfaktoren der privaten Raumfahrt: „Investoren wollen mit Allflügen Geld verdienen. Die Technologie für Suborbitalflüge ist ungleich kostengünstiger als die für die orbitale Raumfahrt. Daher ist ein Engagement in diesem Bereich für Investoren in einem ersten Schritt erfolgversprechender.“

Die dabei zum Einsatz kommende Technik ist nicht nur zur Befriedigung der Astronautenträume einer reichen Spaßgesellschaft gedacht. Aus den Weltraumausflügen soll in 15 bis 30 Jahren die Luftfahrt der Zukunft entstehen. Mit Raketenflugzeugen, die Passagiere in eine Höhe von rund 100 Kilometern befördern, soll ein Nonstop-Flug von Frankfurt nach Sydney nur noch eine Stunde und 20 Minuten statt derzeit 18 Stunden dauern, ein Flug von London nach New York ist in 20 Minuten erledigt. Gelingt hier der technologische Durchbruch, stehen die beteiligten Firmen vor einem Milliardengeschäft. Lentsch: „Diese Flüge wären nicht nur unglaublich schnell, sondern würden weniger Energie benötigen als heutige Interkontinentalflüge.“

Orbspace arbeitet derzeit gemeinsam mit anderen europäischen Raumfahrt-Start-ups und Luftfahrtkonzernen an der Entwicklung des „Fast20XX“ genannten Suborbitalfliegers. Damit wollen die Europäer den inzwischen schon groß gewordenen Entwicklungsabstand zu US-Firmen verringern.

In den Vereinigten Staaten arbeiten Unternehmen wie die Sierra Nevada Corporation am „Dream Chaser“, einem privaten Weltraumgleiter, der es bis in die Erdumlaufbahn schaffen soll. Erste Tests und das Konzept haben sogar die NASA überzeugt, die das Projekt mit 80 Millionen Dollar fördert. Sieben Personen haben im „Dream Chaser“ Platz. Die hier entwickelte Technologie wollen Firmen wie Boeing beim Bau ihres Supersonic-Hyperschallfliegers verwenden.

Diskont-Raketen

Einen Schritt weiter geht der US-Milliardär Elon Musk. Der durch den Verkauf der Internetfirma Pay-Pal reich gewordene gebürtige Südafrikaner will mit seiner Weltallfirma SpaceX dem russischen Sojusprogramm und der europäischen Ariadne-Rakete private Konkurrenz machen.

Im Dezember 2010 gelang es SpaceX als erstem Privatunternehmen, eine Weltraumkapsel auf der selbst entwickelten Trägerrakete „Falcon 9“ in den Orbit zu schießen. Die „Dragon“ genannte Kapsel umrundete dabei wie vorgesehen zweimal die Erde in 300 Kilometer Höhe und landete plangemäß sicher im Pazifik.

Das ist bislang nur den staatlichen „Sojus“-, „Mercury“- und „Apollo“-Missionen und dem chinesischen Taikonautenprogramm gelungen – allerdings zu wesentlich höheren Kosten. Schon 2012 soll eine unbemannte „Dragon“-Kapsel sechs Tonnen Versorgungsgüter zur Weltraumstation ISS schleppen. Der erste bemannte Flug ist für 2014 geplant.

Und das zu einem Zehntel der Kosten, welche staatliche Raumfahrtprogramme pro Start verschlingen. Möglich wird das durch ein sparsames, technisch einfaches, aber höchst robustes Triebwerkssystem. Raumfahrtexperte Lentsch: „SpaceX fliegt mit einem soliden 2,5-l-Dieselmotor anstelle eines überzüchteten 12-Zylinder- Ferrari-Motors, denn der reicht völlig aus, um in den Orbit zu kommen.“

Das sehen auch andere Unternehmen so. Erst vor einem Jahr hat Elon Musk einen 492-Millionen-Dollar-Deal unterschrieben, um Satelliten der Kommunikationsfirma Iridium ins All zu befördern. Auch das thailändische Unternehmen Thaicom vertraut beim Satellitentransport auf die „Falcon 9“.

Der Flug zum Mars bleibt eine Staatsmission

Während Privatunternehmer wie Musk in Zukunft bis zum Mond fliegen wollen, bleiben Fernmissionen auch künftig die Spielwiese für staatliche Weltallbehörden. So arbeitet die NASA an der Entwicklung der Raumkapsel „Orion“, die Astronauten in den nächsten 15 Jahren zum Mars befördern soll.

– Christian Neuhold

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