10 Jahre Gemeinschaftswährung: eine durchaus gemischte Bilanz

10 Jahre Gemeinschaftswährung bringen eine zwiespältige Bilanz. Aber die gefühlte Inflation ist höher als die tatsächliche Preissteigerung.

Diesen Spitznamen wird die EU-Gemeinschaftswährung wohl nicht mehr los. Als kurz nach der Einführung des neuen Zahlungsmittels vor zehn Jahren die ersten Meldungen über Preissteigerungen auftauchten, war ein Begriff rasch zur Hand: Teuro. In der Tat erlagen zahlreiche Kaufleute und Gastronomen der Versuchung, sich mit der Euro-Umrechnung ein schnelles Körberlgeld zu holen. Dabei war in Österreich der Umstand hilfreich, dass die neuen Beträge verhältnismäßig klein aussahen. In Frankreich, wo ein anderes Umrechnungsverhältnis zum Franc galt, war dieser Effekt kaum zu beobachten.

Doch selbst heute rechnen viele Österreicher bei größeren Anschaffungen noch in Schilling um und verdrehen dann erschrocken die Augen. Selbst Arbeiterkammerpräsident Herbert Tumpel gesteht: „Obwohl der Euro heute für mich eine Selbstverständlichkeit geworden ist, ertappe ich mich hin und wieder dabei, dass ich auch bei kleinen Preisen noch umrechne. Manchmal muss ich dann über das Ergebnis doch den Kopf schütteln.“ Vergessen wird dabei, dass das Umrechnungsergebnis nicht mit den damaligen Preisen verglichen werden kann. Denn die kumulierte Inflation beträgt über die Jahre über 20 Prozent.

Auf den Weltmärkten wurden zudem Rohstoffe und Energie massiv teurer. Zuletzt wurden bei uns Strom und Gas um 26 bzw. 25 Prozent teurer. Das schlägt sich klarerweise auch in der Alpenrepublik nieder, findet in vielen Waren seinen Niederschlag und belastet die Haushalte. Und die jüngsten Entwicklungen auf europäischer Ebene zeigen, dass die Inflation durch einen erhöhten Geldumlauf, wie er immer nachdrücklicher von der Europäischen Zentralbank gefordert wird, weiter steigen könnte.

Preis-Check

FORMAT geht mit einem umfassenden Preisvergleich dem Phänomen Euro/Teuro auf den Grund. Als Basis dienen die in Euro umgerechneten Preise zum Jahresende 2001. Die se werden den Verkaufspreisen von Mitte Dezember 2011 gegenüber- gestellt. Das Ergebnis ist teilweise ernüchternd. Einzelne Produkte und Dienstleistungen wurden bis zu über 100 Prozent teurer. Die Ausreißer: das Kunsthistorische Museum in Wien, Kaffee im Supermarkt und manche Kekse und Alkoholika. Doch selbst die öffentliche Hand verteuerte ihre Dienstleistungen eklatant. Gebühren, Strafend Fahrscheine wurden massiv teurer. Dass im Gegenzug einige Waren billiger wurden, wird dabei gerne vergessen.

Im FORMAT-Preisvergleich zeigt sich eine deutliche Verbilligung bei Hightech-Geräten aus der Unterhaltungselektronik und bei manchen Lebensmitteln.

Bei technischen Geräten ist aufgrund der Weiterentwicklung und neuer Modelle ein seriöser Vergleich allerdings nur sehr eingeschränkt möglich. Hinzu kommt, dass der Eigenmarken-Boom in den Supermärkten erst nach der Euro- Einführung voll einsetzte und hier für ein moderates Preisniveau sorgt.

Auch verstärkter Wettbewerb sorgt für positiven Preisdruck. So sind gerade im Dezember Bahnkarten durch den Start der neuen Westbahn preismäßig stark abgestürzt. Die AK hat für die Konsumenten nicht umsonst den Tipp: Preise vergleichen, wo es nur geht. Positiv ist zu erwähnen, dass Wechselspesen beim Geldumtausch von Nachbarländern völlig weggefallen sind.

Teuerungsmotor

In den Geldbörsen machen sich natürlich häufig gekaufte Artikel, die teurer wurden, stärker bemerkbar als billigere Dinge, die selten gekauft werden. Dem Preisschub bei Treibstoffen steht so die Einmalersparnis bei vielen Elektronikgeräten gegenüber.

Der Euro ist in vielen Bereichen ein Teuro. Dennoch überwiegen die Vorteile, und eine Rückkehr zum Schilling ist illusorisch.

Kleines Detail: Vor zehn Jahren wurde vielfach die Einführung einer Zwei- Euro-Note gefordert, um mehr Bewusstsein für den Wert des Geldes zu schaffen. Passiert ist das allerdings nicht. Verbraucherschützer und Euro-Skeptiker werten dies als Zeichen, dass auf europäischer Ebene noch viel mehr an Information für die Konsumenten nötig ist.

Nicht nur in Bezug auf die Preise, sondern auch für das europäische Gemeinschaftsgefühl und eine starke gemeinsame Wirtschaft. Denn eine Währung ist nur so viel wert, wie die Menschen ihr an Vertrauen entgegenbringen.

– Florian Horcicka

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