Bundesforste-Vorstände kritisieren EU-Waldstrategie 2030

Die Bundesforste-Vorstände stellen die Waldstrategie 2030 der EU infrage. Sie sehen die Errichtung neuer großflächiger Schutzzonen als "zu eindimensional".

Österr. Bundesforste-Vorstände Georg Schöppl (li) und Rudolf Freidhager

Österr. Bundesforste-Vorstände Georg Schöppl (li) und Rudolf Freidhager

Die neue EU-Waldstrategie für 2030 ist eine der Leitinitiativen des europäischen Grünen Deals, die auf der EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 aufbaut. In ihr werden die vielfältigen Funktionen der Wälder einbezogen, um das Ziel, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 % zu senken und bis 2050 klimaneutral zu sein, zu erreichen.

Zur Strategie gehört unter anderem ein Fahrplan für die Anpflanzung von mindestens drei Milliarden zusätzlichen Bäumen in der EU bis 2030. Außerdem sollen Waldbesitzer Teile ihrer Wälder ruhen lassen - also nicht mehr bewirtschaften und für den Erhalt der Biodiversität unter Schutz gestellt werden.

Nachdem im Herbst bereits Wald- und Forstbesitzer sowie Forstminister waldreicher europäischer Staaten eine Korrektur des Plans gefordert hatten, haben nun auch die Bundesforste-Vorstände Rudolf Freidhager und Georg Schöppl große Bedenken daran geäußert.

Feilschen um Schutzzonen

Zwar haben die Bundesforste selbst schon neun Prozent ihrer Flächen und damit gut 76.000 Hektar unter Schutz und würden diese auch in gewissen Maße erweitern, so die Unternehmenschefs. Zudem gelten für weitere 40 Prozent der ÖBf-Flächen naturschutzfachliche Bestimmungen. Aber: Man sorgt sich, dass die Bundesforste große Teile der neu dazu kommenden Schutzflächen übernehmen müssten. "Und dann können wir die Waldbewirtschaftung, wie wir sie in unserer Strategie 2100 angepasst ans Pariser Klimaabkommen vorhaben, vergessen", sagte Schöppl.

Die Bundesforste betreuen insgesamt 850.000 Hektar Naturfläche in Österreich. Den EU-Plänen zufolge sollen zehn Prozent der österreichischen Waldfläche, 400.000 Hektar, sich selbst überlassen werden, damit dort wieder naturnahe Ökosysteme entstehen können. "Das macht uns unrund, weil diese konservierende Strategie der EU zu eindimensional ist", sagte Freidhager. Man wolle den Wald nicht in zu großen Maße sich selbst überlassen, weil verrottendes Holz das vorher gespeicherte CO2 wieder freigibt. Lieber wolle man langlebige Produkte aus Holz herstellen um das CO2 zu speichern, wurde argumentiert. In Brüssel werde massiv in Richtung Konservierung lobbyiert.

Klimafaktor Wald

"Wir wollen den Wald naturnäher, integrativ bewirtschaften", sagte Freidhager. Die Bewirtschaftung zahle sich aus: Die stärkste CO2-Bindung erfolge in der Lebensphase mit höchstem Zuwachs. Werde Holz im Alter von 100 bis 140 Jahren geerntet, könnten junge Bäume nachwachsen und erneut CO2 binden. Holz sei außerdem der einzige Rohstoff, der in Österreich in industriellem Maße vorhanden sei. Sein intelligenter, innovativer Einsatz von Holz trage zur Dekarbonisierung bei. Holz sei Substitut für Produkte, Materialien, Energieträger, die nicht erneuerbar sind, aus fossilen Quellen stammen und/oder bei ihrer Förderung/Produktion viel CO2 verursachen.

"Wälder sind wichtige Verbündete im Kampf gegen die Klimakrise - sie speichern CO2, liefern uns den nachwachsenden Rohstoff Holz, der in der Bioökonomie intelligent eingesetzt wird. Wälder schützen vor Naturgefahren, sind Lebensraum und gleichzeitig auch Freizeit- und Erholungsraum", so Freidhager. Alle diese Leistungen könnten sie nur für die Menschen erbringen - wenn auch weiterhin "nachhaltig und naturnah" bewirtschaftet. "Wichtig ist und bleibt dabei aber, dass wir alle zusammenhelfen und unseren CO2-Ausstoß deutlich reduzieren - denn sonst kann uns auch der Wald nicht mehr retten", appellierte der ÖBf-Vorstand.

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Norbert Grill ist seit 2008 technischer Geschäftsführer der ORS. Er hat das Studium Regelungstechnik und Automatisierung an der TU Wien absolviert und war zuvor beim ORF in leitenden Funktionen für Digitalisierungsprojekte verantwortlich.
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