Büromöbel-Deal auf der Kippe

Büromöbel-Deal auf der Kippe

AUS VIER MACH EINS - so lautete der Plan der Bene-Eigentümer für den heimischen Büromöbelmarkt. Das dürfte aber schwierig werden.

Die Kartellwächter haben Bedenken gegen den von Erhard Grossnigg und Martin Bartenstein angemeldeten Zusammenschluss der Büromöbel-Hersteller Bene, Neudörfler, Hali und Svoboda.

Die wirklich wichtigen Termine nimmt Erhard Grossnigg immer noch selbst wahr. Und das, obwohl sich der 71-jährige Sanierer eigentlich aus dem operativen Geschäft zurückziehen wollte. Letzte Woche war so ein wichtiger Termin: beim Chef der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB), Theodor Thanner. Amikal im Ton, hart in der Sache dürfte dieser Termin abgelaufen sein, schließlich geht es um viel.

Grossnigg will nämlich gemeinsam mit Ex-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein einen großen Player am Büromöbelmarkt formen. Bene und Neudörfler gehören bereits der BGO Holding von Grossnigg und Bartenstein, Hali und Svoboda könnten noch folgen. So der Zusammenschlussplan, der Mitte Februar bei den Wettbewerbshütern angemeldet wurde.

Doch dieser Fall dürfte nicht wirklich glatt über die Bühne gehen. "Das ist so, als würden sich im Lebensmittelhandel Spar, Rewe und Hofer zusammentun", sagt ein Kartellhüter hinter vorgehaltener Hand. Wobei die BWB von einem vorwiegend österreichischen Markt ausgehen dürfte, die BGO Holding von einem europäischen. Grossnigg führt als Beleg dafür ein Gutachten eines italienischen Marktforschungsinstituts und die Tatsache an, dass das Bundesbeschaffungsamt ohnehin europaweit ausschreiben müsse.

Nach Berechnungen von BGO kämen Bene, Neudörfler, Hali und Svoboda in Österreich auf unter 25 Prozent Marktanteil. Die Kartellhüter wiederum stützen sich in erster Linie auf den Branchenradar der Firma Kreutzer Fischer & Partner, die für alle vier Büromöbelhersteller in Österreich auf knapp 70 Prozent Marktanteil kommen würde. Außerdem hat die Behörde 300 Kundenbefragungen durchgeführt und 172 Auskunftsverlangen an Wettbewerber gestartet. "Das vorläufige Ergebnis des durchgeführten Markttests zeigt, dass der geplante Zusammenschluss zur Entstehung oder Verstärkung einer marktbeherrschenden Stellung und möglicherweise zu höheren Preisen für Kunden führen würde", heißt es aus der BWB.

Die Zugeständnisse

Ohne Abstriche wird der Deal mit Sicherheit nicht über die Bühne gehen, das ist auch Grossnigg klar, weswegen er bereits Zugeständnisse gemacht hat:"Wir haben angeboten, dass alle Marken und die Standorte für drei Jahre erhalten bleiben", sagt der Sanierer zum trend. Auch von einer Übernahme von Svoboda, das insolvent ist, habe die BGO mittlerweile Abstand genommen.

Das dürfte jedoch nicht ausreichen, ist aus der Wettbewerbsbehörde zu hören. Mindestens fünf Jahre Bestandsgarantie müssten die Käufer bieten. Besonders skeptisch in dem Fall ist der im Justizministerium angesiedelte Bundeskartellanwalt, der angeblich trotz der Zugeständnisse ein "Phase 2"-Verfahren, also eine vertiefte Prüfung vor dem Kartellgericht, initiieren will.

Für Grossnigg und die BGO, die das Unternehmen zu einem Top-drei-Anbieter in Europa machen wollen, ist das aber keine Option. "Wenn der Fall vor das Kartellgericht kommt, steigen wir aus", erläutert er.

Überhaupt versteht er den übermäßigen Aufwand der Kartellwächter nicht: "Bei fast 500 Befragungen stellt sich schon die Frage der Verhältnismäßigkeit. Es handelt sich um eine Unternehmensgruppe, die in Österreich weniger als 100 Millionen Euro Umsatz macht. Ist es das wirklich wert?", fragt der Sanierer. Bis zum 12.März wird nun von den Kartellwächtern geprüft, die Frist kann aber bei größerem Prüfaufwand um weitere zwei Wochen gestreckt werden.


Der Artikel ist der trend-Ausgabe 10/2018 vom 9. März 2018 entnommen.

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