Der Brite John Cryan übernimmt das Ruder bei der Deutschen Bank

Der Brite John Cryan übernimmt das Ruder bei der Deutschen Bank

Der Brite John Cryan hat gut lachen: ab 1. Juli wird der UBS-Finanzvorstand die Geschicke von Deutschlands größtem Finanzinstitut leiten.

Die Tage der Doppelspitze bei Deutschlands größter Bank sind gezählt: Spätestens im kommenden Frühjahr wird die Deutsche Bank wieder von einem einzigen Vorstandschef regiert, dem Briten John Cryan. An der Börse wurde die Meldung positiv aufgenommen, die Aktie der Bank schoss um acht Prozent nach oben. Ein radikaler Kurswechsel sei Insidern zufolge aber nicht zu erwarten.

Nach heftiger Kritik an ihrem Kurs hatten Fitschen Jain am Sonntag ihren überraschenden Rücktritt angekündigt. Jain wird sich bereits zum 30. Juni 2015 zurückziehen, Fitschen zum Abschluss der Hauptversammlung im Mai 2016. Cryan, der bisher kaum öffentlich in Erscheinung getreten ist, wurde zum 1. Juli 2015 zum Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank ernannt. Nach Fitschens Ausscheiden soll Cryan alleiniger Vorstandschef der Bank werden.

Cryan ist seit 2013 Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Bank und hat die Funktion des Vorsitzenden des Prüfungsausschusses inne. Er ist zudem Mitglied des Risikoausschusses. Mit Amtsantritt als Co-Vorstandsvorsitzender wird er sein Mandat als Mitglied des Aufsichtsrats der Bank niederlegen. Cryan war von 2008 bis 2011 - und damit inmitten der Finanzkrise - Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS.

Investoren setzen Hoffung auf Cryan

Viele Investoren setzen darauf, dass Cryan bei der Senkungen von Kosten mehr Erfolg hat als seine Vorgänger. "Schon bei UBS hat Cryan einen starken Fokus auf Kosten gelegt", betonten die Analysten von Morgan Stanley am Montag. "Wir glauben, dass die Deutsche Bank an einem Wendepunkt steht", erklärten die Experten von Citi. Der neue Vorstandschef sei hoch angesehen und könne es schaffen, die eingeschlagene Strategie besser umzusetzen und höhere Gewinne zu erzielen.

Aktionärsschützer versprechen sich vom Chefwechsel bei der Deutschen Bank ein Ende der Skandale beim größten deutschen Geldhaus. Der Brite John Cryan müsse sich "das Thema Kulturwandel mal richtig vornehmen", forderte der Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Klaus Nieding.

"Es reicht eben nicht aus, wenn von allerhöchster Stelle gesagt wird, wir wollen einen Kulturwandel, dann aber in den einzelnen Stabsabteilungen im Bereich des Investmentbankings dieser Kulturwandel gar nicht ankommt."

Der Aufsichtsrat habe Jain gebeten, bis Jänner 2016 als Berater der Bank zur Verfügung zu stehen. Fitschen soll einen geregelten Übergang sicherstellen und bis zum Abschluss der Hauptversammlung am 19. Mai 2016 im Amt bleiben.

Jain erklärte, es sei für ihn nach der Aufstellung der neuen Strategie "zu diesem Zeitpunkt die richtige Entscheidung für die Bank und für mich, eine neue Führung zu etablieren". Das Ende April vorgestellte Konzept sieht vor allem eine Schrumpfkur im Privatkundengeschäft und eine Trennung von der Postbank vor. Cryan sagte: "Unsere Zukunft hängt davon ab, wie gut wir unsere Strategie umsetzen, unsere Kunden überzeugen und die Komplexität reduzieren."

Durchwachsene Bilanz von Jain/Fitschen

Milliardenschwere Rechtsstreitigkeiten, eine unrühmliche Vergangenheit und eine maue Aktienkursentwicklung: Das Duo Jain/Fitschen sah sich seit Jahren Kritik aus vielen Richtungen gegenüber. Bei der Hauptversammlung im Mai räumten beide auch selbst ein, dass ihre bisherige Amtszeit seit Juni 2012 keine reine Erfolgsgeschichte gewesen sei. Der Abbau von Altlasten sei teurer und dauere länger als gedacht. Zudem habe das Management die neuen Vorgaben der Aufseher weltweit unterschätzt.

Die Aktionäre überzeugte auch die neue Strategie nicht. Sie zeigten dem Führungsduo die gelbe Karte: Jain und Fitschen wurden lediglich mit jeweils 61 Prozent entlastet.

Wem gehört die Deutsche Bank?

Die Deutsche Bank gehört zu einem Fünftel Privatanlegern (Stand Ende 2014). Mit 80 Prozent halten Profi-Investoren wie Fonds, Finanzinvestoren und Versicherer die große Mehrheit am Grundkapital von Deutschlands größtem Finanzinstitut.

57 Prozent des Grundkapitals werden in Deutschland gehalten, 21 Prozent in der Europäischen Union außerhalb Deutschlands. 13 Prozent liegen bei US-Amerikanern, ein Zehntel im Rest der Welt.

Die Aktien der Deutschen Bank befinden sich fast komplett in Streubesitz. Seit der Kapitalerhöhung im Juni 2014 hat das Institut aber zwei Großaktionäre. Der strategische Ankerinvestor Paramount Services Holdings hält einen Aktienanteil von 5,83 Prozent, der US-Finanzinvestor BlackRock (New York) von 6,62 Prozent.

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