Brexit rüttelt weiterhin die britische Wirtschaft durch

Brexit rüttelt weiterhin die britische Wirtschaft durch

Die Folgen des Brexit sind auf dem Arbeitsmarkt und Immoblienmarkt stärker als erwartet.

Nach dem Austritts-Votum Großbritanniens aus der EU am 23. Juni kämpft das Land mit den wirtschaftlichen Folgen. Zusätzlich zu dem Rekordtief bei Renditen von Anleihen sind auch andere Bereiche und Märkte des Landes stärker davon betroffen, als zuvor erwartet wurde.

Arbeitsmarkt stark betroffen

Der britische Arbeitsmarkt ist einer Studie zufolge nach dem Brexit-Votum eingebrochen. Die Zahl der neu ausgeschriebenen unbefristeten Stellen sei im vergangenen Monat so stark zurückgegangen wie zuletzt während der Rezession 2009, teilte der Berufsverband für Personalvermittlung (REC) am Freitag zu einer Studie mit.

"Der Arbeitsmarkt hat im Juli einen dramatischen freien Fall erlebt", sagte REC-Chef Kevin Green. "Die wirtschaftlichen Turbulenzen nach dem Votum für ein Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen sind zweifelsohne der Grund." Viele Unternehmen stellten wegen der erhöhten Unsicherheit neue Mitarbeiter nur noch befristet ein.

Rendite der Staatsanleihe gefallen

Außerdem ist die Rendite der britischen 10-Jahres-Staatsanleihe auf ein neues Rekordtief gefallen. Mit 0,638 Prozent war der Wert so niedrig wie noch nie und damit auch für die Refinanzierung Londons der bisher günstigste.

Keine Furcht vor Kreditaufnahme

Trotz der wirtschaftlich turbulenten Zeiten nach dem Brexit-Votum droht Großbritannien Notenbankchef Mark Carney zufolge keine Kreditklemme. Die Briten müssten sich keine Sorgen über die Vergabe von Darlehen machen, betonte der Gouverneur der Bank of England (BoE) am Freitag im Hörfunksender LBC: "Es ist nicht wie nach der Finanzkrise oder während der Euro-Krise", sagte der Zentralbankchef. Der "moderne Finanzsektor" funktioniere.

Die BoE hatte am Donnerstag das Leitzinsniveau halbiert. Mit 0,25 Prozent liegt es so tief wie nie zuvor seit Gründung der altehrwürdigen BoE vor mehr als 320 Jahren.

Förder-Programm für die Wirtschaft

Zudem wurde das Staatsanleihenprogramm zum Ankurbeln der Wirtschaft um 60 Milliarden Pfund (rund 70,79 Milliarden Euro) aufgestockt sowie ein Anreizprogramm zur Förderung der Kreditvergabe aufgelegt. All dies soll dazu beitragen, die Wirtschaft zu stabilisieren. Auf der Insel herrscht Unsicherheit, ob Großbritannien künftig noch Zugang zum EU-Binnenmarkt haben wird. Dies trübt die Konsumlaune der Verbraucher und hemmt die Investitionsbereitschaft der Unternehmen.

Zudem geht in der Finanzmetropole London die Furcht um, dass Geschäftsfelder und Arbeitsplätze nach einem Brexit an Standorte in der Europäischen Union verlagert werden.

Preis bei Wohnimmobilien gefallen

In Großbritannien sind die Preise für Wohnimmobilien im Juli unerwartet deutlich gesunken. Sie fielen zum Vormonat um ein Prozent und damit fünfmal stärker als von Ökonomen angenommen, wie das Hypothekenunternehmen Halifax am Freitag mitteilte.

" Insgesamt ist es aber noch zu früh, um zu sagen, ob es Einfluss vom Brexit-Votum im Juni auf den Häusermarkt gegeben hat", sagte Halifax-Experte Martin Ellis.

Die Referendumsentscheidung der Briten für einen EU-Austritt sorgt für Unsicherheit bei Politik, Wirtschaft und Verbrauchern. Erst kürzlich hatte eine andere Studie ergeben, dass die Häuserpreise im exklusiven Zentrum Londons im Juli so stark sanken wie seit fast sieben Jahren nicht mehr.

Geldpolitische Maßnahmen

Die britische Notenbank senkte am Donnerstag den Leitzins auf das historische Tief von 0,25 Prozent und stockte ihr Wertpapier-Kaufprogramm auf. Damit stemmt sie sich gegen die drohende Rezession in dem Land. Derzeit herrscht auf der Insel Unsicherheit, ob Großbritannien künftig noch Zugang zum EU-Binnenmarkt haben wird. Dies drückt auf die Konsumlaune und lastet auf der Investitionsbereitschaft der Firmen. Die Londoner Währungshüter haben die Hoffnung auf Wachstum in diesem Jahr bereits weitgehend begraben.

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