Brexit: Industrie bereitet sich auf harte Trennung vor

Die Brexit-Chefverhandler, der Brite David Davis (li) und der EU-Beauftragte Michel Barnier.

Die Brexit-Chefverhandler, der Brite David Davis (li) und der EU-Beauftragte Michel Barnier, sind sich bisher kaum nähergekommen.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) rüstet sich mit einer Einsatzgruppe rund um Branchengrößen wie Airbus, Siemens und die Deutsche Bank für einen harten Brexit. Die bisherigen Verhandlungsfortschritte seien "unzureichend".

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), das Pendant zur heimischen Industriellenvereinigung (IV), hat angesichts der bisher schleppenden Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien eine Einsatzgruppe eingerichtet, die sich mit einem harten EU-Ausstieg der Briten auseinandersetzt.

Der holprige Start der Austrittsverhandlungen hat die Firmen alarmiert: "Wir arbeiten mit der Hypothese, dass es einen harten Brexit geben wird", sagte Markus Becker-Melching aus der Führungsetage des deutschen Bankenverbands BdB, der in der im Juni eingerichteten Einsatzgruppe mitmischt. Sie soll jedoch erst Anfang Oktober und damit nach der Bundestagswahl offiziell vorgestellt werden.

Die in der Gruppe vertretenen Konzerne, darunter Airbus, Siemens und die Deutsche Bank, sind demnach auf das Schlimmste gefasst. Etwa darauf, dass nach dem britischen EU-Ausstieg wieder Zollgrenzen hochgezogen werden und der Zugang zu den Londoner Finanzmärkten verloren gehen könnte.

"Bürokratisch und praxisfern"

BDI-Präsident Dieter Kempf fordert zu Beginn der dritten Brexit-Verhandlungsrunde von der britischen Regierung endlich klare Aussagen zu den Austrittsmodalitäten: „Der britischen Regierung fehlt weiterhin ein klarer Kurs. Trotz Einheitsbekundungen britischer Kabinettsmitglieder ist eine abgestimmte Linie der Regierung nicht zu erkennen. Das sind schlechte Voraussetzungen für die dritte Verhandlungsrunde." Nennenswerte Fortschritte seien kaum zu erwarten. Die britischen Vorschläge zur Zollabwicklung wären überdies mit unverhältnismäßig hohem, bürokratischem Aufwand verbunden. Kempf: "Diese Ideen sind für Unternehmen praxisfern. Das Vereinigte Königreich muss endlich klare Aussagen zu den Austrittsmodalitäten treffen.“

Der BDI bündelt verschiedene Branchen unter einem Dach und vertritt die Interessen von etwa 100.000 Unternehmen mit rund acht Millionen Beschäftigten. Die schleppenden Brexit-Verhandlungen haben bereits andere Verbände aus Großbritannien und Deutschland auf den Plan gerufen: Sie forderten in einem gemeinsamen Appell an London und die EU-Kommission, Klarheit und Planungssicherheit für Unternehmen zu schaffen. In einer Erklärung von Britischer Handelskammer (BCC) und Deutschem Industrie- und Handelskammertag (DIHK) wurde etwa die Behandlung von Zöllen und Steuern als dringlich bezeichnet. Großbritannien ist der drittgrößte Exportmarkt für deutsche Waren. Deutschland wiederum ist für das Vereinigte Königreich der zweitwichtigste Absatzmarkt für Güter und Dienstleistungen.

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