Die 3 politischen Treiber der Brexit-Befürworter – und die 3 größten Gefahren

Die 3 politischen Treiber der Brexit-Befürworter – und die 3 größten Gefahren

Am 23. Juni stimmen die Briten über ihren Verbleib in der EU ab. Was sind die wichtigsten politischen Treiber der Brexit-Befürworter? Und was wären die Auswirkungen? Experten der Bank ING geben Antworten.

Am 23. Juni wird die britische Bevölkerung darüber abstimmen, ob ihr Land in der Europäischen Union bleibt oder die EU im Rahmen eines „Brexit“ verlässt. Während 15 bis 20 Prozent der britischen Wähler noch unentschlossen sind, debattieren Ökonomen über die möglichen Auswirkungen eines britischen Ausstiegs. Experten der niederländischen Bank ING haben die treibenden politischen Faktoren und die möglichen Risiken zusammengefasst.

Die treibenden Argumente der EU-Gegner

1. Migration

Eines der Hauptmotive der Brexit-Befürworter ist die mangelnde britische Kontrolle über die Immigration und die Auswirkung der Einwanderer auf das Lohnniveau und die Staatsfinanzen. Allerdings machen Bürger anderer EU-Staaten weniger als die Hälfte aller Einwanderer nach Großbritannien aus, die meisten Immigranten kommen aus Drittstaaten – ein Verlassen der EU und somit ein Eliminieren des freien Personenverkehrs zwischen Großbritannien und den anderen EU-Staaten hätte somit nur einen bedingten Effekt. Hinzu kommt, dass Großbritannien auf Grund seiner stabilen Märkte zwar stets ein beliebtes Ziel für Wirtschaftsmigranten war, die Arbeitslosigkeit innerhalb Europas jedoch schrumpft – die Experten von ING gehen daher davon aus, dass die Zahl der Migranten in den kommenden drei bis fünf Jahren ohnehin sinken wird.

2. Kosten für den Steuerzahler

Gerne wird von Brexit-Befürwortern auch angeführt, dass die EU das britische Staatsbudget und somit den Steuerzahler belastet. Großbritanniens Netto-Einzahlungen in die Europäische Union belaufen sich auf 8,5 Milliarden Pfund (10,9 Milliarden Euro). Das klingt nach viel, ist in Wahrheit aber nur ein Bruchteil des gesamten britischen Staatsbudgets. Zum Vergleich: Die Ausgaben für staatliche Pensionen sind zwölf Mal so hoch wie jene für die EU.

3. Souveränität

Brüssel gilt für die Bürger vieler EU-Staaten als Synonym für Bürokratie und strenge, unnötige Regeln. Von einem Ausstieg aus der Europäischen Union erwarten sie sich, die Gesetze ihrer Staaten wieder selbst bestimmen zu können. Vergessen wird dabei aber, dass britische Exporteure sich trotzdem an die Regeln aus Brüssel halten müssten, wenn sie mit den verbleibenden EU-Staaten Handel betreiben. Und derzeit macht die EU etwa die Hälfte des britischen Exportaufkommens aus.

Download: Länderprofil Vereinigtes Königreich der Außenwirtschaft Austria

Die möglichen Folgen eines Brexits

1. Währung

Den Experten zufolge könnte ein Brexit-Szenario den Pfund unter Druck setzen, die britische Währung würde um weitere 10 bis 15 Prozent fallen – der Wechselkurs EUR/GBP läge dann bei 0,90. Bliebe Großbritannien hingegen in der EU, dann würde der Kurs auf 0,76 zurückpendeln.

2. Handel und Wirtschaftsstandort

Ein Austreten aus der EU würde zähe Neuverhandlungen von Handelsabkommen zwischen Großbritannien und der verbleibenden EU nach sich ziehen. Hinzu kommt ein unmittelbarer Effekt auf Direktinvestitionen und Arbeitsplätze im austretenden Land: In den meisten Ländern machen Investitionen aus dem Ausland nur fünf bis zehn Prozent der gesamten Investitionen aus, in Großbritannien sind es 20 Prozent – damit ist die britische Wirtschaft anfälliger für die Stimmung ausländischer Investoren, die sich durch Brexit-Ängste deutlich verschlechtern dürfte. Ein besonderes Augenmerk gilt auch dem Finanzsektor: Mehrere Banken haben angekündigt, ein Verlassen des Standorts London im Fall eines Brexits ins Auge zu fassen – und das würde entsprechend viele Jobs in der Londoner Finanzbranche vernichten.

Mehr dazu: Brexit bedroht Londons Status als Europas Finanzmetropole

3. Auswirkungen auf andere EU-Staaten

Schließlich sollte noch betrachtet werden, was ein Brexit für die restlichen EU-Staaten bedeutet. Denn anti-europäische Parteien gewinnen in vielen europäischen Staaten an Beliebtheit und könnten im Fall eines erfolgreichen Brexits weiteren Rückenwind bekommen. Dies könnte das politische Risiko eines Austritts anderer EU-Staaten erhöhen, was für die Europäische Union als Ganzes eine ungewisse Zukunft bringen würde.

Siemens Österreich Vorstandschef Wolfgang Hesoun

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