Brennerbasistunnel wird erst 2032 betriebsbereit und viel teurer

Das Jahrhundertprojekt Brennerbasistunnel verzögert sich weiter. Der Tunnel kann voraussichtlich erst im Jahr 2032 in Betrieb genommen werden. Auch die Kosten laufen aus dem Ruder. Die Tunnelgesellschaft BBT SE geht von bis zu 500 Millionen Euro Mehrkosten aus.

Brennerbasistunnel: Das Projekt zur Entschärfung des Transit-Problems zwischen Österreich und Italien verzögert sich weiter.

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Der Brennerbasistunnel wird voraussichtlich erst 2032 in Betrieb gehen, bestätigte die österreichisch-italienische Brennerbasistunnelgesellschaft BBT SE. Zuvor hatte das Südtiroler Nachrichtenportal "salto.bz" unter Berufung auf Protokolle des BBT-Aufsichtsrates von einer Verzögerung bis 2032 oder sogar 2034 berichtet. Vor allem die Auflösung des Bauvertrags mit dem vom Porr-Konzern angeführten Konsortium des Bauloses Pfons-Brenner dürfte den Zeitplan zurückwerfen.

Der BBT-Aufsichtsrat soll am 15. April das "Bauprogramm 2021" genehmigt haben. In dem Beschluss, der von "salto.bz" veröffentlicht wurde, ist zu lesen: "(...) das den Abschluss der Arbeiten des Brennerbasistunnels im März 2031, sowie die Inbetriebnahme im März 2032 bzw. im März 2034 unter der Berücksichtigung der in der Risikoanalyse 2021 ermittelten Risiken vorsieht."

Kosten steigen weiter

Auch bei den Kosten gibt es erhebliche Korrekturen nach oben. Die BBT SE geht einem Bericht der Tiroler Tageszeitung (TT) zufolge mittlerweile von einer Kostensteigerung zwischen drei und fünf Prozent aus. Damit würde sich der Bau um bis zu 500 Millionen Euro verteuern - auf 9,8 statt 9,3 Milliarden Euro. Das Land Tirol übernimmt Kosten in der Höhe von 190 Millionen Euro. Die Politik dränge nun die Eigentümer der Basistunnelgesellschaft, die Österreichischen Bundesbahnen und italienischen Staatsbahnen , so die TT, auf mehr Kommunikation mit dem Bundesland Tirol und mit Südtirol. Eine begleitende Arbeitsgruppe soll offenbar eingerichtet werden. Tirols Landeshauptmann Günther Platter und sein Südtiroler Amtskollege Arno Kompatscher hatten zuletzt scharfe Kritik an der Verzögerung der Inbetriebnahme des Megaprojekts geübt.

Neuer Plan: Inbetriebnahme 2032

Seitens der BBT SE hieß es, dass in den vergangenen Monaten die Projektrisiken und Chancen sowie deren Eintrittswahrscheinlichkeit analysiert wurden. "Durch diese eingehende Prüfung konnten wir nun ein realistisches Bauprogramm für den Brennerbasistunnel erstellen", erklärten die BBT SE-Vorstände Martin Gradnitzer und Gilberto Cardola. Das neue Bauprogramm sehe die Fertigstellung für 2031 und die Inbetriebnahme der Eisenbahnanlage für Anfang 2032 vor. "Dieses Bauprogramm spiegelt ein realistisches Szenario wieder, insbesondere in Bezug auf die Planungs- und Bauleistungen", so die beiden Vorstände.

Die Komplexität dieses bilateralen Infrastrukturprojekts berge viele Unwägbarkeiten, hieß es seitens der BBT SE. Der Brennerbasistunnel sei ein grenzüberschreitendes Projekt und das Projektmanagement sei mit zahlreichen länderspezifischen Normen und Gesetzen konfrontiert. Diese Rahmenbedingungen seien bei früheren Prognosen unterschätzt worden, weshalb unter anderem die vormaligen Bauzeiten zu optimistisch geplant worden seien. Neben der Vertragsauflösung des Bauloses Pfons-Brenner seien auch die Coronakrise sowie unter anderem geologische und baugrundtechnische Ereignisse für die Verzögerung verantwortlich.

"Mangelnde Koordination"

Das frühere Baulos Pfons-Brenner wurde in mehrere Baulose neu aufgeteilt. Ein Teil davon - Baulos Hochstegen H52 - wurde im April ausgeschrieben. Die Bauarbeiten sollen im Herbst 2021 wieder aufgenommen werden. Die verbleibenden Arbeiten zwischen Pfons und Brenner werden derzeit neu geplant und zum Jahresbeginn als Baulos "Pfons-Brenner H53" ausgeschrieben, hieß es.

Bereits vor etwa einem Jahr hatte der Rechnungshof eine mögliche Verzögerung der Inbetriebnahme des BBT von Ende 2028 auf Anfang 2030 in den Raum gestellt und auch die Brennerbasistunnelgesellschaft BBT SE hatte eine solche angedeutet. Wenig später kritisierte der EU-Rechnungshof Verzögerungen und mangelnde Koordination beim BBT. Die Prüfer zweifelten bereits damals eine Inbetriebnahme bis 2030 an. Zuletzt hatte der italienische Verkehrsminister Enrico Giovannini bei einer Online-Veranstaltung davon gesprochen, dass der BBT nicht vor dem Jahr 2031 fertig sein werde.

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Agatha Kalandra ist seit 2016 Partnerin und Leiterin des Management-Consulting-Teams von PwC Österreich und Member of the Management Board. Sie verfügt über einen MBA in Controlling und Finance und mehr als 25 Jahre Berufserfahrung. Ihr Fokus liegt auf Finance-Transformation, HR-Transformation und Sustainability.

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