Breitband-Internet: Auch T-Mobile entdeckt das Festnetz

T-Mobile Österreich CEO Andreas Bierwirth

T-Mobile Östereich CEO Andreas Bierwirth bei der Präsentation der Breitband/Festnetz-Offensive.

Österreichs Mobilfunker auf Abwegen: Nur wenige Tage nach "Drei" hat nun auch T-Mobile eine neue Breitband-Offensive angekündigt, bei der das Festnetz eine tragende Rolle spielt. Freilich mit etwas anderen Vorzeichen.

Wer braucht noch das Festnetz? Die Zukunft gehört dem Mobilfunk - nicht nur bei der Telefonie, sondern auch beim Breitband-Internet. Seit vor 15 Jahren (2002) mit UMTS das mobile Internet in Schwung gekommen ist, spätestens aber seit mit dem iPhone auch das erste Smartphone in den Handel gekommen ist, mit dem das mobile Internet auch entsprechend einfach genutzt werden konnte, trommeln die heimischen Mobilfunkanbieter - etwas verhaltener A1 (früher Mobilkom), dass die Tage des Festnetzes praktisch gezählt sind.

Jetzt aber, da in Österreich der Start der fünften Mobilfunkgeneration vorbereitet wird und erste 5G-Testnetze in Betrieb genommen werden, schlagen zwei der drei großen Player am Mobilfunkmarkt, T-Mobile und Drei, andere Töne an. Erst vor wenigen Tagen hat Drei (Hutchison 3G Austria) nach der Übernahme von Tele2 angekündigt, in Zukunft verstärkt als Festnetz-Anbieter auftreten zu wollen und eine Preisschlacht in Aussicht gestellt. Nun setzt auch T-Mobile auf das gleiche Pferd und erklärt, ein Festnetz-Anbieter zu werden.

Die beiden Netzbetreiber schlagen dabei allerdings ganz unterschiedliche Wege ein. Während Drei mit seinen Angeboten vor allem die Business-Kunden ansprechen will, sieht T-Mobile das Festnetz vor allem im städtischen Raum als Notwendigkeit, um den Kunden auch in Zukunft Breitband-Internet mit all seinen Facetten und den benötigten Übertragungsraten zur Verfügung stellen zu können. Im ländlichen Bereich erachtet CEO Andreas Bierwirth das Festnetz hingegen weiterhin als "maximal ineffizient - es sei denn, es geht darum, Gewerbegebiete anzuschließen."

Vom Mobilfunker zum "Festnetz-Unternehmen"

Mit der aktuellen, vierten Mobilfunkgeneration LTE sei es, so Bierwirth, zwar gelungen, Daten mobil in einer ähnlichen Qualität zu übertragen, wie im Festnetz über Glasfaserkabel. Der rasant steigende Datenverbrauch von rund 70.000 Terabyte im Jahr 2015 auf geschätzte 340.000 Terabyte im Jahr 2017 mit einer erwarteten weiteren Verdoppelung im Jahr 2018 zeige jedoch Grenzen auf. Die Folge: Man besinnt sich auf das alte Kabel. "T-Mobile wird zu einem Festnetz-Unternehmen", sagt Bierwirth und kündigte mit "mit HomeNet Hybrid" für den Jänner 2018 ein erstes konkretes Angebot an, das ab Jänner 2018 verfügbar sein wird.

Im Kern handelt es sich bei dem neuen Produkt um einen Router, der sowohl mobiles Breitband-Internet als auch eine DSL-Verbindung nutzen kann, was eine schnelle und gleichzeitig stabile Datenübertragung sicherstellen soll. Für das Angebot kooperiert T-Mobile mit dem ewigen Konkurrenten A1 und kauft die benötigten Festnetz-Kapazitäten zu. Allerdings schließt Bierwirth nicht aus, selbst oder mit anderen Partnern ein eigenes Festnetz weiter auszurollen. Schon sei das eigene Glasfasernetz das zweitgrößte im Land.

Klassische Telefondienste spielen in den Festnetz-Überlegungen von T-Mobile Österreich übrigens keine Rolle. Man denkt alleine an die Daten, das neue Gold und die eigentliche Währung in der Branche. Es sind vor allem die Video-Dienste, die mobile Netze an ihre Kapazitätsgrenzen bringen. Rund ein Drittel der im Netz von T-Mobile transportierten Daten entfällt auf YouTube und Streaming-Dienste wie Netflix oder Amazon Prime. In Hochhäusern mit 200 Einheiten bestehe daher die Notwendigkeit, als Infrastruktur-Provider den "richtigen Cocktail" zu mixen.

Breitband auf den Straßen

Mehr in das traditionelle Produktsortiment von T-Mobile passt das ebenfalls angekündigte CarConnect Angebot, bei dem Autos ab dem Baujahr 2006 mit Hilfe eines speziellen Sticks, der an den ODB-Port, den On-Board-Diagnose-Port der Fahrzeuge angeschlossen wird, zu vernetzten Fahrzeugen werden

CarConnect Stick

CarConnect macht Autos zu fahrenden WLAN-Hotspots und liefert Telemetrie-Daten.

In Kombination mit einer SIM-Karte, einem speziellen CarConnect Tarif und einer App wird das Auto zu einem fahrenden WLAN-Hotspot, der den Insassen monatlich 6 GB Daten (davon 3 GB in der EU) zur Verfügung stellt. Der CarConnect Stick kann jedoch noch mehr: Via App liefert er dem Besitzer wichtige Fahrzeuginformationen, Telemetrie-Daten, die direkt aus dem Diagnoseportal des Autos gezogen werden. Vom Aktuellen Standort über ein Fahrtenprotokoll, den Stand diverser Flüssigkeiten bis hin zu Hinweisen auf technische Gebrechen.

Im Falle eines Unfalls kann man über den CarConnect Stick auch Hilfe herbei rufen. Nur für die Ortung nach einem Fahrzeugdiebstahl scheint die Praxistauglichkeit des Sticks nicht wirklich gesichert zu sein. Auch wenn über den Stick die Ortung des Autos eigentlich möglich ist: So schnell und einfach dieser eingesteckt und aktiviert ist, so schnell ist auch wieder abgesteckt und aus dem Fenster geworfen.

Mit Bindung bietet T-Mobile CarConnect um 8,99 € monatlich an. Für HomeNet Hybrid wurden vorerst noch keine Preise genannt.

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