Brau-Union-Chef Setnes: "Vielfalt belebt den Markt" [Interview]

Brau-Union-Chef Setnes: "Vielfalt belebt den Markt" [Interview]

Der gebürtige Norweger Magne Setnes ist seit Anfang 2018 neuer Generaldirektor der Brau Union.

Magne Setnes, Generaldirektor der Brau Union Österreich, über die Wirkung von Craftbieren, Radler & Co. und warum Nachhaltigkeit lokale Partnerschaften braucht.


  • Der Rekordsommer 2018 hat Umsatz angekurbelt
  • Bierkonsum sinkt, neue Trends beleben dem Markt
  • Vielfalt, Regionalität und Nachhaltigkeit geben Bier ein neues Image

trend: Der Sommer war heuer sehr heiß und lang. Gut für den Bierumsatz?
Magne Setnes: Es war sogar ein bisschen zu heiß, aber besser als zu kalt. Die Sonne ist immer noch unser bester Verkäufer. In der Hitze greifen die Konsumenten zwar weniger zu Bier, dafür nehmen jedoch die alkoholfreien Biere deutlich zu. Es sieht so aus, als ob wir unsere Ziele für heuer sogar übertreffen, aber genau wird sich das erst Ende des Jahres zeigen. Dazu tragen heuer auch wesentlich die Exporterfolge bei, vor allem nach Deutschland. Der Gösser-Radler ist dort ein echter Renner ...

Obwohl die Deutschen selbst ein Bierland mit einer langen Brautradition sind?
Setnes: Ja, die kennen sich mit Bier wirklich aus, deshalb erkennen sie Qualität. Das ist gut für uns.

Der Bierkultur-Bericht, den die Brau Union Österreich auf Basis einer unabhängigen Marktforschung heuer zum zehnten Mal herausgibt, zeigt, dass der Bierkonsum seit Jahren kontinuierlich sinkt. Beunruhigt Sie das nicht?
Setnes: Der Alkoholkonsum insgesamt geht zurück, was mit dem modernen Lifestyle, dem Fitness- und Wellness-Boom zu tun hat. Bier ist davon am wenigsten betroffen, weil es relativ wenig Alkohol hat. Außerdem gleichen alkoholfreie und -reduzierte Biere den Rückgang aus. Es sieht so aus, als würde der Biermarkt heuer sogar wieder etwas wachsen.

Worauf ist das zurückzuführen?
Setnes: Wie gesagt: Gutes Wetter hilft uns. Aber auch die gestiegene Vielfalt vom Radler bis zu den Craftbieren belebt den Markt.

Der Bierkultur-Bericht zeigt auch, dass sich das Image von Bier geändert hat. Woran liegt das?
Setnes: Die Vielfalt ist größer geworden, die Qualität der Produkte noch weiter gestiegen. Es ist gar nicht so leicht, in Österreich ein schlechtes Bier zu finden, was mich wirklich sehr freut. Mit den Craftbieren ist eine neue Kategorie auf den Markt gekommen, die Bier ins Gespräch gebracht hat. Die Konsumenten reden wieder mehr über Bier, sind informiert, wollen neue Sachen probieren. Mischgetränke wie Radler waren in vielen Ländern ein No-Go, jetzt haben sie sich als eigenes Segment gebildet. Und bei alkoholfreiem Bier hat es in der Qualität in den letzten Jahren wirklich einen großen Sprung nach oben gegeben.

Den stärksten Zuspruch hat Bier bei älteren Jahrgängen. Hat Bier ein Generationen-Problem?
Setnes: Das ist ein Thema, keine Frage. Bier muss aktuell bleiben, muss jung bleiben, das ist eine Herausforderung. Wir müssen der jungen, gesundheitsbewussten Generation die richtigen Produkte bieten wie Radler oder andere alkoholreduzierte Getränke. Dazu gehören auch Cider als neue Kategorie, das funktioniert sehr gut, gerade auch bei Frauen als Zielgruppe. Die Brau Union Österreich hat den großen Vorteil, dass wir das internationale Portfolio von Heineken nutzen können.

Ist eine neue, spezielle Marke für Junge denkbar?
Setnes: Ja, absolut. Der Stibitzer Cider ist dafür ein Beispiel, auch das alkoholfreie Zipfer Hops. Solche Line-Extensions sind Teil unserer Strategie, junge und weibliche Zielgruppen anzusprechen. Aber umgekehrt sind die Regale in den Supermärkten nicht unbegrenzt erweiterbar, der Lebensmittelhandel bremst da schon ein wenig.

Wie schätzen Sie die zukünftige Marktentwicklung ein?
Setnes: Die Nachfrage nach alkoholfreien und -reduzierten Bieren wird weiter steigen, das entspricht dem Fitness- und Gesundheitsbewusstsein. Ich gehe davon aus, dass auf diese Kategorie bald 20 Prozent aller Verkäufe entfallen.

Ein anderes großes Thema bei Lebensmitteln heißt "Nachhaltigkeit und Regionalität".
Setnes: Davon profitieren wir mit unseren regionalen Brauereien auch. Und beim Thema Nachhaltigkeit engagieren wir uns seit vielen Jahren. In Göss haben wir die erste hundert Prozent nachhaltige Großbrauerei geschaffen, ein weltweites Vorzeigeprojekt.

In welche Richtung entwickelt sich das Thema Nachhaltigkeit?
Setnes: Es zeigt sich immer mehr, wie sinnvoll und notwendig Partnerschaften sind, weil auch die Investitionen für einen alleine oft sehr hoch sind. Bei unserer Brauerei in Schwechat nutzen wir jetzt gemeinsam mit der EVN die Abwärme beim Gärprozess, um damit 900 Wohnungen zu heizen. Aber wir sind Bierbrauer, keine Energieexperten. Wir können nur unsere Prozesse analysieren und sagen, ja, hier wird Wärme frei, die sich nutzten lässt. Aber für die Umsetzung brauchen wir dann einen lokalen Partner. In Puntigam ist das die Kelag.

Gibt es noch weitere Projekte?
Setnes: In Schladming ist ein Ankoppeln an das Fernwärmenetz der Stadt geplant, über das wir Wärme liefern und auch beziehen können. Außerdem wollen wir dort 2019 in der Brauerei von Öl auf Hackschnitzel als nachhaltige Energiequelle umstellen. In Zipf suchen wir noch einen Partner für ein Geothermie-Projekt. Dort muss sehr tief gebohrt werden, entsprechend hoch ist die Investition, weshalb es einen zweiten Abnehmer für die Wärme geben muss. Da sind wir gemeinsam mit dem Bürgermeister auf der Suche.

Wieso hat Nachhaltigkeit in der Brau Union so einen hohen Stellenwert?
Setnes: Unser Produkt kommt und ist aus der Landwirtschaft, aus dem Boden. Wasser in guter Qualität ist für uns ganz, ganz wichtig. In Österreich ist das oft nicht so bewusst, aber es gibt weltweit nicht so viele Länder, in denen man Wasser einfach aus dem Hahn trinken kann. Das ist schon ein Luxus. Deshalb gehen wir sehr bewusst damit um. Gleiches gilt für den Energieverbrauch, den wir seit Jahren kontinuierlich senken. Wobei das Ziel ist, auf erneuerbare Energie umzustellen.

Tun Sie das aus gesellschaftlicher Verantwortung oder rechnen sich diese Maßnahmen auch?
Setnes: Energie kostet, daher hat ein geringerer Verbrauch auch einen wirtschaftlichen Effekt. Aber die größeren Investitionen zur Umstellung auf erneuerbare Energie rechnen sich auf den einzelnen Standort bezogen nicht. Deshalb arbeiten wir ja mit Partnern, manches ist auch von der EU gefördert. Alleine ist das nicht zu machen.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit diesen Nachhaltigkeitsprojekten?
Setnes: Wichtig ist für die Industrie eine Orientierung an Kennziffern. Nur wenn es einen definierten Standard für den CO2-Fußabdruck gibt, können wir uns selber daran messen und wissen, wo wir stehen. Hier gibt es eine entsprechende Initiative von Heineken, den ökologischen Fußabdruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erfassen, also vom Bauern bis zum Zapfhahn. Ein anderer wichtiger Aspekt ist: Man lernt vieles, indem man die Sachen einfach tut.


Zur Person

Magne Setnes , 48, ist seit Anfang des Jahres 2018 Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der Brau Union Österreich, der mit einem Umsatz von über 700 Millionen Euro stärksten Kraft am Biermarkt. Der gebürtige Norweger, der ausgezeichnet Deutsch spricht, war zuvor für das weltweite Innovationsmanagement bei Heineken in Amsterdam tätig. Von 2011 bis 2015 war er bereits als Mitglied des Managementteams für Supply Chain und Logistik und damit für die gesamte Produktion aller Standorte der Brau Union Österreich und zwei Drittel aller Mitarbeiter verantwortlich.


Das Interview ist der trend.PREMIUM-Ausgabe 50-52/2018 vom 14. Dezember 2018 entnommen.

Der bisherige Vorstand der Erste Bank: Peter Bosek, Gernot Mittendorfer, Andreas Treichl, Peter Brávek, Willivbald Cernko, Jozef Síkela (von links)

Wirtschaft

Die Erste Group baut den Konzernvorstand um

Wirtschaft

McDonald's brät nebst Fleischlaberln auch Veggie-Burger

Oberbank-Vorstandschef Franz Gasselsberger

Wirtschaft

Aufregung bei 3 Banken: Übernahme-Poker der UniCredit?