Feuerwehrausrüster mit Brandherden an mehreren Stellen

Feuerwehrausrüster mit Brandherden an mehreren Stellen

Andreas Klauser, CNH-Präsident für die Marken Case und Steyr sowie Aufsichtsratschef von Magirus. registriert klar Zuwächse. Der Markt bei den Feuerwehrausrüstern ist heiß umkämpft.

Nicht nur Marktführer Rosenbauer erwartet 2017 einen Gewinneinbruch. Die Bilanzen vieler anderer Feuerwehrausrüster-Rivalen sind überhaupt blutrot. Eine Marktbereinigung steht bevor.

Selbst in brandgefährlichen Zeiten ist Rosenbauer-Chef Dieter Siegel zu Scherzen aufgelegt: "Wenn Sebastian Kurz Bundeskanzler werden sollte, schaut unser Vorstand ganz schön alt aus." Der Feuerwehrausrüster mit Sitz in Leonding bei Linz hat eben mit Daniel Tomaschko und Sebastian Wolf zwei 34-Jährige in die Chefetage berufen, den einen als Technikvorstand, den anderen ab Anfang 2018 als neuen Finanzboss.

Beide Personalia kamen extrem überraschend, und nur zehn Tage nach Wolfs Ernennung folgte Ende Juli zudem eine Gewinnwarnung fürs Jahr 2017: Statt eines Ergebnisses in Höhe des Vorjahresniveaus von 47 Millionen Euro werde es dieses Jahr eine "merkliche" Abschwächung geben.

Rosenbauer-Aktie (ISIN AT0000922554); 2-Jahres-Entwicklung. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Rosenbauer-Aktie (ISIN AT0000922554); 2-Jahres-Entwicklung. Für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Was hat sich aber seit Mai, als der trend (21/2017) bereits über die herausfordernde Situation beim Weltmarktführer berichtete, noch einmal verschlechtert?

Siegel, ein Enkel des früheren Rosenbauer-Chefs und Gesellschafters Fritz Heiserer, begründet die Warnung primär mit der zwischenzeitlichen Abschwächung des US-Dollars, die sich negativ auf die Konzernbilanz auswirkt. Auch ein Softwareprojekt habe gestoppt werden müssen, "das hat uns zu einer Abschreibung von zwei Millionen Euro gezwungen". Und die Anlaufkosten für ein Werk in Italien, in dem Hebebühnen gefertigt werden, seien wegen eines zu knapp kalkulierten Erstauftrags deutlich höher als gedacht. Der Abgang des bisherigen CFO, Günter Kitzmüller, stehe mit diesen Faktoren aber "in keinerlei Zusammenhang".

Die Konkurrenz dagegen will wissen, dass die erfolgsverwöhnten Oberösterreicher auch auf dem Heimmarkt unter Druck gekommen sind. Durch die verstärkte Bündelung der Einkaufsmacht von Gemeinden ist es in den letzten Jahren zu einer stärkeren Standardisierung der ausgelieferten Produkte gekommen. Früher bekam Rosenbauer mit einem günstigen Einstiegspreis für das Basisfahrzeug den Fuß in die Tür, machte aber durch viele teure Extras erst so richtig Gewinn.

Mit dieser Hochrüstungs- und Individualisierungsstrategie gelang es, pro Fahrzeug im Schnitt um 25.000 Euro über dem Listenpreis zu erlösen. Diese goldenen Zeiten sind jedoch vorbei. Immer mehr Mannschaftsgerät und Feuerwehrautos werden über Rahmenverträge der Bundesbeschaffungsgesellschaft (BBG) gekauft.

Rosenbauer-Chef Dieter Siegel

Rosenbauer-Chef Dieter Siegel will "weder Marktanteile noch Margen eingebüßt" haben. Sein Konkurrent und Magirus-Aufsichtsratsboss Andreas Klaus registriert klar Zuwächse in Österreich.

Tendenzieller Gewinner dieses Systems ist Magirus Lohr mit Sitz im steirischen Kainbach, die Österreich-Tochter des zur Fiat-Industriesparte CNH Industrial gehörenden deutschen Rosenbauer-Konkurrenten Magirus. "Wir sind in Österreich in den letzten Jahren um 30 Prozent gewachsen", sagt der Oberösterreicher Andreas Klauser, CNH-Präsident für die Marken Case und Steyr sowie Aufsichtsratschef von Magirus in Ulm. Ein neuer Servicestützpunkt für die CNH-Konzernmarken und Iveco in Hörsching, wenige Kilometer von der Rosenbauer-Zentrale entfernt, habe das Vertrauen in die Nummer zwei zudem entschieden gestärkt, behauptet Klauser.

Löscheinsatz

Siegel dagegen dementiert einen Zusammenhang zwischen dem erwarteten Ertragseinbruch bei Rosenbauer und den verschärften Bedingungen im Geschäft vor der Haustür: "Wir haben in Österreich weder Marktanteile noch Margen eingebüßt." Das Österreich-Geschäft beträgt rund sechs Prozent am Gesamtumsatz von Rosenbauer, der zuletzt bei 870 Millionen Euro lag.

Tatsächlich ist es vor allem die globale Lage, die derzeit fast alle großen Feuerwehrausstatter ins Schwitzen bringt. Die Nachfrage der Länder aus dem arabischen Raum ist eingebrochen, seit der Ölpreis eingebrochen ist und die politischen Spannungen wachsen. Die Abnehmer aus dem Nahen und Mittleren Osten, für die teure Zusatzausstattung bisher eine selbstverständliche Prestigesache war, fallen zunehmend aus; um 18 Prozentpunkte ist der Umsatzanteil aus diesen Ländern in den letzten drei Jahren zurückgegangen. Für Rosenbauer bedeutet das, dass die Werke in Leonding nicht voll ausgelastet werden können. "Die Unsicherheit hat deutlich zugenommen", sagt Siegel.

Auch Magirus, weltweit die Nummer vier, kämpft abseits von Österreich mit Verlusten. "Magirus Lohr bilanziert positiv", beteuert Klauser, bestätigt jedoch erstmals auch Verluste des Gesamtunternehmens in der Höhe von jeweils über 50 Millionen Euro in den Jahren 2013 und 2014 -bei einem Magirus-Gesamtumsatz von rund 300 Millionen Euro. Auch in den letzten beiden Jahren sind die Drehleiterspezialisten aus Ulm noch nicht in die schwarzen Zahlen gekommen.

Eine Marktkonsolidierung scheint in den nächsten Jahren deshalb unausweichlich. Am exponiertesten sind die mittelgroßen Anbieter, die weder in größere Konzerne eingebunden sind wie Magirus oder Topweltmarktpositionen wie Rosenbauer haben noch regional verankert sind -wie Seiwald in Salzburg oder Empl in Tirol. Mit besonderer Spannung blickt die heimische Branche deshalb auf Gimaex.

Die französische Gruppe ist vor vier Jahren in Österreich gestartet -unter der Leitung von Franz Lohr, dessen vorherige Firma 1997 von Iveco-Magirus übernommen worden war. Fast 100 Fahrzeuge hat er inzwischen in Österreich, Südtirol und der Schweiz an den Feuerwehrmann gebracht, sagt Lohr, laut Angaben der Konkurrenz "extrem preisaggressiv".

Brand aus

Das hat sich jedoch auch in den Bilanzen der neuen Lohr-Firma mit Produktionssitz in der Steiermark niedergeschlagen: 6,6 Millionen Euro Verluste haben sich dort seit dem Start angehäuft. Dass Gimaex demnächst den kontrollierten Rückzug antrete, wie in der Branche kolportiert wird, bestreitet Lohr jedoch, wenn auch etwas kryptisch: "So etwas ist derzeit nicht geplant. Und einen Lohr wird es immer geben." Das steirische Urgestein befindet sich seit Jahren zudem in einem Rechtsstreit mit Magirus Lohr wegen angeblichen Datendiebstahls im Zuge des Ausscheidens aus seiner ehemaligen Firma.

Magirus-Aufsichtsratschef Klauser stellt sich schon einmal darauf ein, dass auch die nächsten Jahre zäh und knochenhart sein werden. Selbst wenn es respektable Zuwächse in seinem Heimatland gibt, bleibt die Situation in den internationalen Märkten schwierig. Eine Lektion hat der im Konzern auch für die Performance der Steyr-Traktoren zuständige CNH-Mann jedenfalls in seiner Zeit bei Magirus schon gelernt: "Löschfahrzeuge sind komplexer als Traktoren."


Die Geschichte ist im trend 35/2017 erschienen

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