Bonus ade: Wenn Manager den Gürtel enger schnallen

Bonus ade: Wenn Manager den Gürtel enger schnallen

VW-CEO Matthias Müller will freiwillig auf ein Drittel seiner erfolgsabhängigen Bezüge verzichten.

Volkswagen will wegen der Folgen des Abgas-Skandals die erfolgsabhängigen Bonuszahlungen für das Top-Management massiv beschneiden. Laut Medienberichten peilt Vorstandschef Matthias Müller eine 30-prozentige Kürzung der Boni für sich und seine Kollegen im Top-Management an. Details sollen bei der Bilanzvorlage am 28. April veröffentlicht werden.

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Führungsetage eines Dax-Konzerns in einer Krise einen finanziellen Beitrag leistet - und das nicht nur bei der variablen Vergütung, sondern zum Teil auch beim - allerdings oft geringeren - Fixgehalt. Für Michael Kramarsch, Mitgründer der Frankfurter Vergütungsberatung hkp, ist das konsequent: "Vergütungssysteme sollten so ausgestaltet sein, dass sie in guten Zeiten ebenso funktionieren wie in schlechten. Wenn es gut läuft, muss der Bonus nach oben gehen - wenn nicht, muss er auch sinken."

Ein Überblick über die vergangenen Jahre:

DEUTSCHE BANK 2008:

Vor dem Hintergrund der globalen Finanzkrise verzichtet der damalige Vorstandschef Josef Ackermann auf den vom Erfolg der Bank abhängigen Teil seines Gehalts. Das dadurch eingesparte Geld solle verdienten Mitarbeitern zugutekommen, "die das Geld nötiger haben als ich", sagt Ackermann damals. Die übrigen Mitglieder des Vorstands schließen sich an. Durch den Verzicht sinkt das Gesamtgehalt des Bankvorstands im Jahr 2008 auf rund 4,5 Millionen Euro. Im Jahr zuvor hatten Ackermann und seine Kollegen zusammen noch 33,2 Millionen Euro bekommen. Ackermanns eigener Gehaltsscheck fällt von 13,9 auf 1,4 Millionen Euro.

DAIMLER 2009:

Im Krisenjahr 2009 kürzt Daimler die Grundgehälter seiner Vorstände um 15 Prozent - laut Vergütungsbericht zusammen fast 400.000 Euro - und beteiligt sie damit an einem Sparprogramm der gesamten Belegschaft, mit dem die Arbeitskosten um zwei Milliarden Euro gesenkt werden sollen. Auch die langfristigen Boni sinken, die kurzfristigen steigen allerdings. Unter dem Strich streicht Vorstandschef Dieter Zetsche damit rund 600.000 Euro weniger ein.

VOLKSWAGEN 2009:

Der wie Daimler von der Wirtschaftskrise schwer gebeutelte Wolfsburger Autobauer kappt die Vorstandsvergütung um 60 Prozent, bei einem gleichzeitigen Gewinnrückgang um 80 Prozent. Dadurch reduziert sich das Gesamtgehalt (fix und variabel) des damaligen Vorstandschefs Martin Winterkorn und der übrigen vier Top-Manager im Jahresvergleich von 45,3 auf 18,7 Millionen Euro.

INFINEON 2009:

Angesichts des Konjunktureinbruchs verzichtet der Vorstand des Halbleiterkonzerns auf einen Teil des Fixgehalts. Der damalige Vorstandschef Peter Bauer bekommt deshalb ein Fünftel weniger Geld ausgezahlt, die übrigen Top-Manager erhalten eine um zehn Prozent reduzierte feste Vergütung. Erfolgsabhängige Boni zahlt Infineon seinem Spitzenpersonal 2009 überhaupt nicht.

VOLKSWAGEN 2012:

Der Autokonzern justiert sein Vergütungssystem für die oberste Führungsebene neu. Im Ergebnis führt das zu einer Deckelung der Boni für den Vorstand, nachdem diese bedingt durch den Erfolg des Konzerns in den Vorjahren massiv gestiegen waren - vor allem das Gehalt Winterkorns. Mit der Neufassung der Regeln wird der maximal erreichbare jährliche Bonus des Konzernlenkers auf 6,75 Millionen Euro begrenzt, der der übrigen Vorstandsmitglieder auf jeweils 2,5 Millionen Euro.

COMMERZBANK 2012/13:

Vorstandschef Martin Blessing verzichtet auf den ihm zustehenden Bonus für 2012 und 2013, weil ihm der Gewinn der zweitgrößten deutschen Bank nicht hoch genug ist. So lange das Institut keinen dreistelligen Millionenbetrag erwirtschaftet, will er keine Sonderzahlungen annehmen. "Wenn es keinen Gewinn gibt, finde ich es nicht richtig, wenn der CEO, also ich, eine variable Vergütung erhält." Sein Fixgehalt ist wie das der übrigen Top-Manager der Bank seit dem Einstieg des Staates in der Finanzkrise auf 500.000 Euro pro Jahr gedeckelt.

RWE 2014/15:

Die Vorstände des kriselnden Energiekonzerns verzichten freiwillig auf zusammen eine halbe Million Euro. Vorstandschef Peter Terium lässt sich 180.000 Euro weniger überweisen. Seine Begründung: "Das Unternehmen ist in einer überaus schwierigen Lage. Da ist es für uns selbstverständlich, dass auch wir einen Beitrag leisten." Obwohl RWE 2015 unter dem Strich mit einem Verlust von 170 Millionen Euro schlechtere Zahlen vorlegt und die Dividende weitgehend streicht, steigt die Vergütung des Vorstands wieder etwas an.

K+S 2015:

Bei dem Salz- und Düngemittelhersteller verzichten Vorstandschef Norbert Steiner und seine Kollegen auf Teile des ihnen zustehenden Gehalts. Steiner streicht 25.500 Euro weniger ein, Finanzchef Burkhard Lohr 17.250 Euro, die übrigen Top-Manager müssen ein Minus von 15.000 Euro schlucken. Unter dem Strich steigen die Gesamtbezüge der Vorstände allerdings.

DEUTSCHE BANK 2015:

Angesichts eines Verlusts von fast sieben Milliarden Euro fällt der Bonus für den neuen Bankchef John Cryan und seine Vorstandskollegen komplett aus. Das Gesamtgehalt des obersten Führungsgremiums sinkt damit von 35,3 auf 22,7 Millionen Euro. Vergütungsexperte Kramarsch findet das richtig: "Die Zahlen gaben einfach keinen Bonus her."

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