"Ein Börsenrückzug ist überhaupt kein Thema"

Der neue Telekom-Boss Thomas Arnoldner und sein Vorgänger Alejandro Plater im trend-Interview über die ungewöhnliche Situation, jetzt im Vorstand zusammenzuarbeiten, über ihre Aufgaben und Gerüchte rund um die Telekom Austria.

Telekom Austria COO Alejandro Plater (li.) und CEO Thomas Arnoldner

Telekom Austria COO Alejandro Plater (li.) und CEO Thomas Arnoldner

trend: Es ist ungewöhnlich, dass ein CEO im Unternehmen bleibt, nachdem ein anderer diese Position übernommen hat. Wie gehen Sie mit dieser Situation um?
Plater: Ich hatte ja vorher zwei Rollen: Chief Operating Officer und CEO. Jetzt konzentriere ich mich auf erstere. Ich habe kein Problem damit, wenn sich Führungsstrukturen auch einmal ändern. Frischer Wind tut oft gut.

trend: Auf der anderen Seite ist auch ungewöhnlich, dass ein Shareholder, in diesem Fall América Móvil, die operative Führung innehat, aber ein anderer, die Republik Österreich, den CEO bestellt. Was heißt das für Ihren Entscheidungsspielraum?
Arnoldner: Der wird groß genug sein. Wir haben fast 20.000 Mitarbeiter in der Gruppe und sind in zahlreichen Ländern tätig. Keiner von uns hat die Sorge, dass ihm die Arbeit ausgeht.

trend: Wer macht beispielsweise den Aufsichtsratsvorsitzenden der A1 Österreich, der mit Abstand wichtigsten Tochtergesellschaft in der Gruppe? Derzeit sind Sie das, Herr Plater ...
Plater: Das haben wir bisher noch nicht diskutiert, daher gibt es dazu noch keine Entscheidung. Wenn sie fällt, wird sie von allen Beteiligten akzeptiert werden.


Arnoldner: Wir haben quasi als erste Amtshandlung an meinem ersten Arbeitstag gemeinsam die Entscheidung getroffen, den interimistischen A1-CEO für Österreich, Marcus Grausam, in seinem Job zu bestätigen. Das zeigt, wie wir uns in Zukunft Teamwork vorstellen.


Plater: Ich habe keinerlei "bad feelings"

trend: Der Wechsel an der Spitze der Gruppe erfolgte auf Veranlassung der neuen österreichischen Regierung. Können Sie dieses Vorgehen verstehen und akzeptieren?
Plater: Ich habe gerade meinen Vertrag bei der A1 Telekom Austria Group um fünf Jahre verlängert. Das ist eine klare Antwort. Ja, ich akzeptiere das und habe keinerlei "bad feelings".

trend: Die guten Beziehungen des neuen Generals in die österreichische Politik, speziell zur aktuellen Regierung, waren ein ausschlaggebender Punkt. Aber was können diese Kontakte dem Unternehmen bringen?
Arnoldner: Die A1 Group hat viele Berührungspunkte zur öffentlichen Hand in Österreich, was Eigentümerfragen, die Regulierung oder standortrelevante Infrastruktur betrifft. Die Republik ist auch selbst ein großer Kunde. Daher glaube ich, dass mein Netzwerk einen zusätzlichen Wert für die Weiterentwicklung des Unternehmens darstellt.

trend: Wie genau werden Sie sich denn die Aufgaben innerhalb des Konzerns aufteilen?
Arnoldner: Das legt die Geschäftsordnung fest. Zu meinem Bereich gehören Strategie, Legal, Human Resources, Mergers &Acquisitions, externe und regulatorische Angelegenheiten und die Kommunikation.


Plater: Ich werde mich um den kommerziellen Teil und die Operations kümmern, also um Marketing, Sales, Technik, Netzwerk, IT, Einkauf und digitale Transformation. Wenn Sie so wollen, werde ich mehr nach innen wirken und den operativen Betrieb führen. So steht es in den Management Guidelines. Wir wollen keine Königreiche regieren, sondern Teams führen.


Arnoldner: Bei der 5G Auktion dürfen nicht möglichst hohe Einnahmen aus Frequenzauktionen das Ziel sein.

trend: Wohin bewegt sich denn die Telekommunikationsindustrie?
Plater: Es geht in erster Linie um drei Bereiche: um die Frage, wie wir Daten verwenden können, um unseren Kunden noch bessere Services bieten zu können; um die "Cloudification" der Netzwerke, also die Verschiebung von Services in die Cloud; und darum, welchen Content wir im Programm haben müssen, weil er für unsere Industrie relevant ist.

trend: Ganz entscheidend für Ihr Geschäft wird die 5G-Mobilfunktechnologie sein. Wie schauen da die Expansionspläne aus?
Arnoldner: Details können wir aus rechtlichen Gründen nicht nennen. Aber ganz klar wird uns 5G neue Anwendungsbereiche erschließen, etwa beim autonomen Fahren oder in der Echtzeitsteuerung von Robotern. Ich glaube, die öffentliche Hand versteht, dass nicht möglichst hohe Einnahmen aus Frequenzauktionen das Ziel sein dürfen, sondern die Chancen, die diese Technologie dem Wirtschaftsstandort eröffnet. Wir werden mit unseren 5G-Ausbauplänen jedenfalls die digitale Roadmap der Regierung unterstützen.

trend: Besteht völlige Übereinstimmung zwischen den beiden Großaktionären América Móvil und ÖBIB in Bezug auf Investitionsstrategie und internationale Expansion?
Plater: Investitionen werden vom Vorstand vorgeschlagen und im Aufsichtsrat gemeinsam entschieden und genehmigt.


Arnoldner: Mir sind keine groben Meinungsverschiedenheiten bekannt. Die beiden Haupteigentümer ziehen an einem Strang.


Plater: Ein Börsenrückzug der Telekom Austria ist überhaupt kein Thema.

trend: Man hat in der Vergangenheit aber immer wieder Gerüchte über Auseinandersetzungen gehört. Die Mexikaner sollen - nicht zur Freude der Österreicher - einen Börsenrückzug der Gruppe in Erwägung gezogen haben. Ist das vom Tisch?
Plater: Die Börsennotierung der Telekom Austria ist eine Vereinbarung in den Syndikatsverträgen. Das ist überhaupt kein Thema. Generell hat sich kein einziges der vielen Gerüchte jemals materialisiert.

trend: Auch Überlegungen der ÖBIB, die österreichische A1 aus der Gruppe herauszulösen, sind also Schnee von gestern?
Arnoldner: Da müssten Sie eigentlich die ÖBIB fragen. Aber meines Wissens wurde so etwas nicht einmal diskutiert.

trend: Ist América Móvil mit dem Engagement in der A1-Gruppe vollauf zufrieden?
Plater: Die Zahlen sind gut: also ja. Aber Eigentümer sind eben sehr fordernd und wollen immer mehr. Das ist überall so.


Der Interview ist der trend-Ausgabe 36/2018 vom 7. September 2018 entnommen.

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