Manfred Bodner: „Ich wollte eine zweite bwin im Cannabis-Markt“

Manfred Bodner, bwin-Gründer und Cannabis-Investor

Manfred Bodner, bwin-Gründer und Cannabis-Investor

bwin-Mitgründer Manfred Bodner über seinen millionenschweren Exit am Cannabis-Markt, die Chancen für Europa und seine Konsumgewohnheiten.

trend: Sie haben bwin mitgegründet, später verkauft und betreiben heute Biolandwirtschaft in Spanien. Wodurch wurde Ihr Interesse an Hanf geweckt?
Manfred Bodner: Das Interesse an der Pflanze begleitet mich fast mein ganzes Leben. Es ist mir fast peinlich, aber mit 22 Jahren war ich Spätstarter, als ich das erste Mal auf einer Party konsumiert habe – und extrem positiv überrascht war vom Effekt, vor allem im Vergleich zu Alkohol. Ich habe mich viel mit Geschichte und Forschung beschäftigt, und hatte auch meinen Hausgebrauch in Töpfen auf der Dachterrasse in der Taborstraße. Bei den Erntedankfesten kam die Polizei immer nur wegen der lauten Musik, damals noch in den grünen Jacken, das war süß. Was mich aber immer geärgert hat, ist die Kriminalisierung eines jahrtausendealten Naturgeschenks. Ich wollte in den 90er Jahren dann einen Pilotshop machen, da ich finde, dass das medizinische und assoziative Erkenntnispotenzial der Pflanze viel größer ist als es nur in Hanfhosen zu verwenden.

Aus dem Shop wurde dann ja wohl nichts. Warum?
Den Aha-Moment hatte ich vor wenigen Jahren beim Schifahren mit Freunden in den USA und Kanada. In den USA war die Legalisierung am Anfang, etwa in Colorado. Wir waren dort in einem Shop und ich dachte mir nur, wir Europäer sind so deppert. Die Parallelen zwischen Online-Gaming und Cannabis waren frappant, wo Europa und speziell Österreich wirtschaftliche Entwicklungschancen verschlafen hat bzw. wird. Amerika war damals schnell unterwegs und Kanada am Weg, als erstes G20-Land, eine nationale Regulierung zu machen. Gemeinsam mit meinem bwin Partner Norbert Teufelberger haben wir Freunde in Kanada kontaktiert und gesagt: Ihr seid die ersten, die eine 360-Grad-Wendung vollziehen, lasst uns etwas machen.


Wir haben ein 800 Millionen Dollar Übernahmeangebot bekommen.

Und das ging dann Dank Ihrer Kontakte und Erfahrung im Aufbau von Firmen ziemlich schnell.
Im März 2017 haben wir selbst mit 80 Millionen kanadischen Dollar gegründet und begannen mit der Strukturierung, also Mitarbeiter und Produktion zu organisieren. Nuuvera fokussierte zunächst auf Lizenzanträge in allen regulierten oder kurz vor der Regulierung stehenden Märkten. Kanada, Israel, Kolumbien, aber auch Deutschland, wo die medizinische Nutzung überraschend 2018 freigegeben wurde. In Kanada begannen wir mit dem Aufbau einer 100.000 m² Indoor-Produktion für Blüten und Öl. Im November 2017 haben wir dann eine erste 20 Millionen Kapitalrunde gemacht. Wir hatten schon eine 250-Millionen-Dollar-Bewertung, Kanada war in dieser Vor-Regulierungsphase in einem echten Hype.

Was war Ihr Ziel?
Ich wollte eine zweite bwin im Cannabis-Markt machen: Eine starke globale Marke, die diese Kriminalisierung auflöst, die mich seit 30 Jahren verfolgt. Im Februar 2018 haben wir „leider“ ein 800 Millionen Dollar (kanadische Dollar) Übernahmeangebot bekommen. Ich wollte das eigentlich nicht akzeptieren. Aber die Kanadier waren begeistert von dem schnellen Exit. Was soll ich sagen. Wir dachten, wir stellen den CEO und haben starke Präsenz im Board. War dann nicht ganz so, ich habe daher relativ schnell meine Aktien verkauft. Wirtschaftlich war es sehr erfolgreich.


Die Situation in Europa ist unheimlich dynamisch.

Sie haben eine schöne Ernte eingefahren. Ist Ihr Cannabis-Engagement damit beendet oder investieren Sie weiter?
Nein, ich habe ein neues Cannabisprojekt, auf Europa fokussiert, mehr möchte ich noch nicht verraten. Die Situation in Europa ist unheimlich dynamisch, außerhalb von Österreich jedenfalls. Hier scheint sich die Geschichte zu wiederholen: Die AGES hat Cannabis angebaut für die deutsche Bionorica anstatt in Österreich den Markt zu öffnen. Bionorica haben dann vor kurzem ihre Sparte für 230 Millionen Euro an die Kanadier (Anm. Canopy Growth) verkauft. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Kanadier in Österreich Produkte kaufen, geht damit gegen null. Die gehen wahrscheinlich nach Portugal.

Slideshow: Canna-Business

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Für medizinische Zwecke ist Cannabis bereits in 55 Ländern der Welt legal.

Die Investitionen in die Cannabis-Industrie haben sich von 2017 auf 2018 vervielfacht.

Kanada und die USA teilen sich den westlichen Weltmarkt auf. Gilt das schon als ausgemacht?
Kanada hat ein extrem starkes Wachstum. Die können den eigenen Bedarf kaum befriedigen. Die USA blockieren sich selbst noch durch die Siloregulierung und Konflikte mit Bundesbehoerden, das beschert uns Europäern noch eine kleine Chance, denn, wären die USA einheitlich aufgestellt, würden die uns ausradieren. Einen Cannabis-Weltmarktführer aufzubauen geht aber noch immer. Ich würde sogar sagen, jetzt ist der perfekte Zeitpunkt dafür. Es geht erst los. Die Regulierung ist weltweit noch sehr verhalten. Wir sind heute etwa da wo der Online-Gaming-Markt Mitte der 2000er Jahre war - und der wächst ja noch immer zweistellig. Wenn ein G20-Land startet, folgen die anderen peu à peu. Und das geht schneller als beim Online-Gaming. Das Gute: Beim Cannabis – anders als bei Spielen – gibt es keine Negativeffekte durch Sucht. In den USA verdrängt Cannabis den Alkohol immer stärker im Freizeitkonsum.


Das Investment kann nur dorthin, wo es eine vernünftige Regulierung gibt.

Was bedeutet das für den europäischen Markt?
Am meisten profitieren die Länder, die den Konsum klar regeln. Die profitieren von den Investitionen an den Kapitalmärkten. In Kanada und USA gibt es sehr viel Kapital, das investiert werden muss. Die Länder in Europa, die eine Regulierung hinbekommen, bekommen das Geld und die Arbeitsplätze. Das Investment kann nur dorthin, wo es vernünftige Regulierung gibt, in Europa etwa Luxemburg, das 2020 legalisieren wird, und nach Portugal und Holland, die wahrscheinlich noch früher dran sind.

Wie sieht Ihr Cannabis-Konsum heute, mit über 50, aus?
Ich konsumiere Gras oder Haschisch so alle zwei Wochen, früher war das regelmäßiger. Rauchen ist mir aber wohl aus alter Gewohnheit lieber als Kekse oder Tropfen. Ich nutze den Erkenntniswert der Pflanze mit großer Genugtuung. Das ist wie ein Prisma für mein Gehirn. Eigentlich sind fast alle meine guten Projekte und Entscheidungen beim Brainstorming an solchen entspannten Abenden entstanden.


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