BMW-Boss Reithofer tritt zurück - der Rück- und Ausblick

Der Schritt kam schneller als erwartet. BMW-Chef Norbert Reithofer gibt seinen Posten zwei Jahre vor der Zeit ab. Er bleibt aber im Konzern und wird neuer Aufsichtsratschef. Laut Gerüchten winkt ein neuer Job bei Siemens. Wie er den Konzern in fast zehn Jahren auf den Kopf gestellt hat und wie Analysten den Abgang beurteilen.

BMW-Boss Reithofer tritt zurück - der Rück- und Ausblick

Der bisherige Chef-Kontrolleur Joachim Milberg lege sein Mandat als Aufsichtsratsvorsitzender mit Ende der Hauptversammlung nieder. Neuer Entwicklungschef wird der BMW-Manager Klaus Fröhlich. Der bisherige Amtsinhaber Herbert Diess wechselt im nächsten Jahr zu VW. Dies teilte der Konzern am Dienstag in München mit.

Abgang statt Verlängerung

Der deutsche Autoanalyst Frank Schwobe der Nord/LB zeigte sich zwar auch überrascht von dem Abgang, hatten doch nicht wenige Marktteilnehmer auf eine Verlängerung der Tätigkeit Reithofers als Vorstandsvorsitzender spekuliert. Dennoch sieht Schwobe den Wechsel an der Spitze von BMW positiv. Vor allem angesichts der Tatsache, dass Reihofer bereits 58 Jahre ist und "ein Wechsel ein klares Signal für einen Generationswechsel ist", so Schwobe.

Verjüngung des Vorstandes wichtig

BMW macht sich laut Schwobe durch den Generationwechsel auch fit für die Zukunft. So stehen in den nächsten Jahren gravierende Veränderungen für die Automobilindustrie wie neue Antriebssysteme oder die Vernetzung von Autos an. "Diese Entscheidungen sollen von jüngeren Vorstandsmitgliedern getragen werden", so Schwobe. Dennoch sieht Schwobe den Wechsel nicht nur mit einem lachenden, sondern auch mit einem weinenden Auge, hätte doch der Konzern Reithofer die gegenwärtige Stärke zu verdanken. Die Nord/LB belässt die Aktie aber auf "Kaufen".

Reithofer führte den Konzern zu neuen Rekorden

Seinen Posten als Vorstand von BMW wird Reithofer im kommenden Jahr erfolgen. Sein Vertrag wäre erst 2016 ausgelaufen. Die Leistung des seit 2006 an der Spitze des Premiumherstellers ist beachtlich. Er hat den Konzern in vielen Jahren seiner Amtszeit einen Rekordabsatz - und Gewinn melden können. BMW gelang es in den vergangenen Jahren sowohl vom Wachstum in China, den USA und Russland zu profitieren. Praktisch jede neue Baureihe, erwies sich als Erfolg. 2014 dürften erstmals mehr als zwei Millionen Autos verkauft werden.

Bayern verdienen pro Auto am meisten

Die Bayern verdienen, im Gegensatz zu so manchem Konkurrenten, auch hervorragend. Im Schnitt sind es sogar rund 1.000 Euro mehr als Erzrivale Mercedes. Selbst Cashcow Audi kann bei dieser Marge nicht mithalten.

Sechs Milliarden Euro gespart

Um dieses Ziel zu erreichen, ist Reithofer einen harten Sparkurs gefahren. Nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt, hat er 2007 eine Sparstrategie ausgerufen, durch die der komplette Konzern umgekrempelt wurde. Und das obwohl der Konzern zu dieser Zeit ohnehin auch damals Rekordabsatz-Zuwächse erzielte. Nur der Gewinn war für einen Premiumhersteller ungewöhnlich niedrig. Herbe Einsparungen bei Mitarbeitern und in der Produktion brachten Einsparungen von sechs Milliarden Euro. Dafür wurde die Leistung erhöht. Reithofer forderte eine deutlich höhere Taktzahl bei der Entwicklung und Überarbeitung von Modellen. Pro Jahr wurde die Produktion um mindestens fün Prozent erhöht.

Milliarden für erste BMWs mit Elektroantrieb

Zu den riskantesten Strategien Reithofers zählt den Elektroantrieb extrem zu forcieren und mit dem i3 und dem i8 zwei von Grund auf neue Autos dafür zu entwickeln. Denn auch wenn die Batterientechnik zu den besten auf diesem Gebiet zählt, wie Experten versichern, ist es fraglich, wie stark dieser Antrieb langfristig tatsächlich bei den Kunden anklangen finden wird. Laut Insidern sollen, laut Angaben des Handelsblatts, drei Milliarden Euro für die Entwicklung und die komplett neuen Produktionsstandorte geflossen sein.

Große Ziele für 2020

Doch mit dieser Leistung hat sich Reithofer nicht begnügt. Sein ehrgeiziges Ziel war und ist es den Konzern zur Nummer eins im Premiumsegment zu machen. Doch dieser Kampf ist so alt wie es Daimler, Audi und BMW gibt. Ob es gelingt, wird sich 2020 zeigen. Geht es nach Reithofer soll dann dieses Ziel erreicht sein. Doch bald muss ein anderer die ehrgeizigen Pläne vorantreiben.

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