Blockchain und der Weg zurück zum Faser-Ursprung

Mit Hilfe von Blockchain sollen Kunden künftig die gesamte textile Wertschöpfungskette nachvollziehen können.

Blockchain und der Weg zurück zum Faser-Ursprung

MUSTER. Nach dem Scan des QR-Codes erscheinen Basisinfos zur Lieferkette.

Was bei Lebensmitteln das Prinzip "vom Stall bis zum Regal" ist, soll nun auch verstärkt in der Mode- und Textilbranche Einzug halten: die Rückverfolgbarkeit der im Shop gekauften Produkte bis zu ihrem Ursprung. Rund 80 Prozent der Konsumenten wollen laut Daten des in Hongkong beheimateten Technologieunternehmens TextileGenesis wissen, woher ihre T-Shirts, Möbelbezüge oder Bettlaken kommen. Um die gesamte Wertschöpfungskette so transparent wie möglich zu machen, hat die Lenzing AG deshalb mit TextileGenesis ein Projekt gestartet.

Das Prinzip ist einfach. Der Modekäufer entdeckt im Geschäft ein Kleidungsstück, in dem die Lenzing-Lyocellfaser Tencel verarbeitet ist, zückt sein Smartphone und scannt den am Kleidungsstück befestigten QR-Code ein. Am Display erfährt er, wer es hergestellt hat, wo das Garn fabriziert wurde, wer der Faserhersteller ist - und sogar welchen Ursprungs das verwendete Holz bei holzbasierten Fasern ist, zum Beispiel Buche aus Österreich oder Eukalyptus aus Brasilien.

Physisch gibt es solche Rückverfolgbarkeitssysteme bereits, etwa bei der Lenzing-Viskosefaser Ecovero. Nun wird es erstmals eine digitale Lösung auf Blockchain-Basis geben, die 2020 fertig sein soll. Die Blockchain-Technologie liegt zum Beispiel Kryptowährungen wie Bitcoin zugrunde. Sie gilt als besonders fälschungssicher und erlaubt es, die einzelnen Produktionsschritte detailliert nachzuvollziehen. Statt Bitcoins soll die Blockchain bei TextileGenesis sogenannte Fibercoins abbilden. Auf diese Weise könne ein "bisher unerreichtes Maß an Transparenz" geschaffen werden, hofft Lenzing-Chef Stefan Doboczky. Erwünschte Nebenwirkung: maximale Fälschungssicherheit in einem Markt, der mit Fake-Produkten geflutet wird.

Weil Lenzing am Beginn der Wertschöpfungskette steht, will der Faserhersteller möglichst viele andere Unternehmen der Branche dazu bewegen, mitzumachen. Deshalb ist die von TextileGenesis entwickelte Plattform unabhängig und offen für Dritte. Das Lenzing-Pilotprojekt läuft vorerst nur für Tencel, das Prinzip ist aber künftig auf alle anderen Faserarten anwendbar. So können auch Hersteller von Baumwolle, Kaschmir, Seide oder Wolle problemlos andocken. Wird die Idee angenommen, ist es somit nicht nur für die Oberösterreicher eine Chance, mit ihren Marken noch stärker und direkt beim Endkonsumenten präsent zu sein.

Schon vor zwei Jahren ist der Industriekonzern in der Modewelt durch eine spezifische Innovation aufgefallen. Mit der Technologie Refibra können Fasern hergestellt werden, bei denen neben dem bewährten Rohstoff Holz Zuschnittreste aus der Baumwollproduktion verarbeitet werden. Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft: Der Abfall wird Rohstoff für neue Produkte und Prozesse. Derzeit forschen die Lenzinger Entwickler daran, inwieweit auch bereits vom Konsumenten getragene Textilien zum Recycling im Faserbereich taugen.


Linktipp

Lenzing-CEO Doboczky: "Wenn wir nichts tun, wer dann?"


Der Artikel ist der trend-Ausgabe 27-28/2019 vom 5. Juli 2019 entnommen.

Skigebiet Ötscher wird eingestellt

Die Corona-Pandemie hat dem Skigebiet Lackenhof am Ötscher den Todesstoß …

Corona-Kurzarbeit wird bis Ende März 2022 verlängert

Die Bundesregierung stellt sich auf anhaltende Corona-bedingte …

Interview

"Die Welt ist nicht schwarz-weiß"

Die berühmte Naturforscherin Jane Goodall und Axel Kühner, Chef des …

E-Autos laden: Streit um Abrechnung nach Zeit oder kWh entbrannt

Die Bundeswettbewerbsbehörde hat Mitte November 2021 mit der Prüfung von …