Facebook-Datenskandal zieht seine Kreise bis nach Österreich

Facebook-Datenskandal zieht seine Kreise bis nach Österreich

Der Druck auf Facebook-Gründer und Chairman Mark Zuckerberg steigt.

Der Datenskandal bringt Facebook-Chef Mark Zuckerberg immer mehr unter Druck. Es sind wesentlich mehr Menschen von der illegalen Weitergabe der Daten an Cambridge Analytica betroffen als zunächst bestätigt wurde. 33.555 Menschen sollen in Österreich betroffen sein. Facebook wird viele Jahre brauchen, um das Problem in Griff zu bekommen.

Menlo Park/London/Wien Der Datenskandal bei Facebook hat deutlich größere Dimensionen als bisher angenommen. Und zieht seine Kreise bis nach Österreich. In Österreich sollen bis zu 33.555 Personen von der illegalen Weitergabe der Daten an das britische Unternehmen Cambridge Analytica betroffen sein. Facebook hatte erst in der Nacht bestätigt, dass die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern "unzulässig" mit der britischen Datenanalysefirma Cambridge Analytica geteilt worden. Bisher war von rund 50 Millionen betroffenen Nutzern ausgegangen worden.

Bei dem Datenskandal hatte der Entwickler einer Umfrage-App ("thisisyourdigitallife") Informationen von Nutzern an die Analysefirma Cambridge Analytica weitergereicht, die unter anderem für das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump gearbeitet hatte. Dabei geht es nicht nur um die Daten der Umfrage-Teilnehmer, sondern auch um die ihrer Facebook-Freunde. Das erklärt die hohe Zahl der betroffenen Nutzer.

In Österreich hätten 13 Personen diese Umfrage-App installiert, teilte der Sprecher der APA mit. Die Zahl der potenziell weiteren Betroffenen - "also Personen, deren Daten möglicherweise mit der App geteilt wurden, weil Freunde sie installiert hatten" - liegt demnach bei bis zu 33.555. Insgesamt, rechnet der Sprecher vor, könnte es demnach in Österreich möglicherweise 33.568 Betroffene geben.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat sich am Mittwoch einmal mehr für den Datenmissbrauch entschuldigt und eine Reihe von Reformen in dem Onlinenetzwerk angekündigt. In einem Interview sagte er aber auch, es werde "einige Jahre" brauchen, um die Probleme mit dem Schutz von Nutzerdaten zu beheben.

Die App, die alles abgräbt

Cambridge Analytica hatte mit der Umfrage-App die Daten insgesamt 270.000 Menschen abgefischt und somit auch den Zugriff auf die Daten von Facebook-"Freunden" der Testteilnehmer abgeholt, was die enorme Zahl der Betroffenen erklärt

Der Zugriff von Apps auf solche Nutzer, die das Miniprogramm gar nicht selbst heruntergeladen haben, ist seit 2014 bei Facebook nicht mehr möglich. Das Unternehmen räumte jedoch ein, dass Nutzer weiterhin nicht ausreichend gegen missbräuchliche Zugriffe auf ihre Daten geschützt sind.

Mark Zuckerberg sagte dem US-Nachrichtenportal "Vox", er wünschte, er könnte alle diese Probleme in drei oder sechs Monaten lösen. Es sei jedoch eine "längere Zeitspanne" nötig. Facebook werde sich aus "diesem Loch herausgraben", doch werde diese einige Jahre dauern.

Zuckerberg hat eine Reihe von Reformen in dem Onlinenetzwerk angekündigt. Die Nutzer sollen sich unter anderem einfacher einen Überblick darüber verschaffen können, welche ihrer persönlichen Daten von Facebook gespeichert worden sind. Auch soll es ihnen erleichtert werden, solche Daten zu löschen. Ein neues Menü soll es ihnen ermöglichen, rasch die Sicherheit ihres Accounts zu erhöhen.

Behörden in den USA wie in Großbritannien haben wegen dem Datenskandal nun Ermittlungen eingeleitet. Auch laufen beiderseits des Atlantiks parlamentarische Untersuchungen. Auch in Indien wollen die Ermittler den Mißbrauch der Daten genauer unter die Lupe nehmen.

Facebook-Chef Zuckerberg willigte ein, am kommenden Mittwoch im US-Kongress zu dem Skandal auszusagen. Seine Anhörung findet vor dem Handelsausschuss des Repräsentantenhauses statt, wie der republikanische Ausschussvorsitzende Greg Walden und der Vertreter der oppositionellen Demokraten, Frank Pallone, mitteilten. Durch die Befragung sollten die US-Bürger besser verstehen, "was mit ihren persönlichen Daten online geschieht".

Mark Zuckerberg soll zurücktreten

Indes mehren sich auch Stimmen, dass Mark Zuckerberg die Leitung des Unternehmens abgeben müsse. Der Chef eines New Yorker Pensionsfonds, der rund eine Milliarde in Facebook-Aktien investiert hat, hat den Facebook-Chef zum Rücktritt aufgefordert. Zuckerberg soll von seinem Posten als Chairman zurücktreten. Sein Aufgabenbereich soll zudem von drei neuen Direktoren ausgeführt werden, die Erfahrung im Datengeschäft und mit Ethik haben.

"Es ist das achtgrößte Unternehmen in der Welt, sie haben zwei Milliarden Kunden und steuern offenbar in unbekannten Gewässern", sagt Scott Stringer vom Pensionsfonds von New York City. Facebook habe sich nicht so verhalten, dass sich die Nutzer sicher fühlen können, dass ihre Daten gut aufgehoben sind. Der Skandal zeigt auf, dass er ein "Risiko für die Demokratie ist", so Stringer.

Das Argument der Lernkurve

Facebook-Mastermind Zuckerberg sieht das freilich anders. Er halte sich aber nach wie vor für den Richtigen, um das Unternehmen zu führen, sagte Zuckerberg am Mittwoch auf eine entsprechende Frage von Journalisten.

Im Leben gehe es darum, "aus Fehlern zu lernen und herauszufinden, wie man weitermachen kann". "Wenn man so etwas wie Facebook aufbaut, das weltweit beispiellos ist, dann gibt es Dinge, die man falsch macht", sagte Zuckerberg. "Ich denke, die Leute sollten uns daran messen, dass wir aus unseren Fehlern lernen." Der Facebook-Chef versicherte erneut, "es in Zukunft besser machen zu wollen", räumte aber zugleich ein, dass "keine Sicherheitsmaßnahme perfekt" sei.

Brigitte Ederer

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