Billigflieger Wizz Air hebt aus Wien in 17 Destinationen ab

Billigflieger Wizz Air hebt aus Wien in 17 Destinationen ab

Wizz Air CEO József Váradi will mit seiner Billigairline hoch hinaus. Österreich ist das 44. Land, das die Airline in ihr Netzwerk integriert.

Die ungarische Billigfluglinie Wizz Air wird bis Jahresende von Wien aus 17 Städte in 15 Ländern Europas anfliegen. Der erste Flug startet im April. Die Airline will massiv wachsen - dank Kampfpreis-Strategie. An Niki war die Airline nicht interessiert.

Wenn Peter Stöger, Neo-Trainer von Borussia Dortmund, Ende November 2018 noch Fußballtrainer des Ruhrpott-Klubs sein wird, hat er von seiner Heimatstadt Wien aus eine neue, Billigflugvariante, um direkt nach Dortmund zu fliegen. Der in Ungarn im Jahr 2004 gegründete Billigflieger wird von Wien aus bis Jahresende 2018 gleich zu 17 neuen Destinationen abheben - darunter auch Dortmund, das derzeit auch von der Eurowings angeflogen wird. Die Billigtochter der Lufthansa fliegt allerdings nur sporadisch Dortmund an.

Im April will Wizz Air von Wien aus durchstarten. Ab dem 27. April will der bisher auf Osteuropa fokussierte Billigflieger von Wien aus Danzig (Polen), Tuzla (Bosnien und Herzegowina) und Varna (Bulgarien) zwischen zwei und vier mal pro Woche anfliegen. Bis Jahresende will die Airline insgesamt 69 Flüge pro Woche von Wien aus in die 17 Destinationen in 15 Ländern Europas durchführen.

"Wir wollen uns auch nach Westeuropa orientieren", betont Wizz Air CEO József Váradi. Österreich ist das 44. Land im Netzwerk der Low Cost-Fluggesellschaft. Insgesamt 145 Destinationen wird die Airline somit bis Jahresende somit anfliegen.

Ab 14. Juni folgen mehrere Flüge pro Woche in die Destinationen Bari (4), Malta (3, ab November 4), Rom (7), das übrigens von Austrian nicht mehr angeflogen wird, Tel Aviv (4, ab November 7 Flüge pro Woche) und Valencia (3, ab November 4 Flüge). Im November fliegt Wizz Air von Wien aus nach Billund (Dänemark) und Bergen (Norwegen), Kutaissi (Georgien), Larnaca (Zypern), Nis (Serbien), Ohrid (Mazedonien), Teneriffa (Spanien) und Thessaloniki (Griechenland) - jeweils drei bis vier Mal pro Woche. Peter Stögers neues deutsche Domizil Dortmund wird ab 25. November von Wizz Air gleich 7 Mal pro Woche angeflogen. Die billigste Hinflug kostet - abhängig von der Destination - 19,99 Euro.

Bei der Streckenauswahl ist die Airline höchst flexibel. So wurden im Vorjahr 100 neue Destination dazugenommen, gleichzeitig wurden rund 40 wieder abgestoßen, sagt Wizz Air-Chef Váradi. Hatte die Airline im Gründungsjahr 2004 noch 700.000 Passagiere befördert, waren es im Jahr 2017 28,2 Millionen Fluggäste, die in 88 Flugzeugen befördert wurden. Bis Ende März 2018 hat Wizz Air rund 30 Millionen Fluggäste kalkuliert.

Ab Juni wird die Airline einen Arbus A320 am Wiener Flughafen stationieren, im November werden noch weitere zwei Airbus zur Flotte in Wien dazukommen. Auf rund 331 Millionen Euro wird von Wizz Air-Chef Váradi das Investment in Wien beziffert. Etwa 120 neue Jobs würden mit den neuen Standort n Wien direkt und indirekt geschaffen, so Váradi. Die Rekrutierung des Personals sei in Wien bereits angelaufen.

Die Billigairline hat im vorigen Jahr einen Umsatz in Höhe von rund zwei Milliarden Euro erzielt. Unterm Strich schreibt die seit dem Jahr 2015 an der Börse in London notierte Airline einen Gewinn (Netprofit) in Höhe von 230 Millionen Euro.

Die an der London Stock Exchange börsenotierte Billigairline (Börsenkürzel WIZZ) mit Sitz in Budapest hat bisher seinen Fokus vor allem auf Osteuropa gelegt. Neue Destinationen in Westeuropa werden aber geprüft. Langstrecke ist für die Billigairline derzeit kein Thema. Die Hauptaktionäre sind laut Wizz Air-CEO Váradi hauptsächlich US-amerikanische Fonds. Seit 2015 ist die Company an der LSE gelistet.

Insgesamt bietet Wizz Air für die Flüge von Wien ab sofort rund 450.000 Tickets zum Verkauf an. "Die Tickets werden ausschließlich über unsere eigene Buchungsplattform via Internet verkauf", sagt Váradi.

Das Durchschnittsalter der Flugzeugflotte beläuft sich laut Wirzz Air-Chef Váradi auf rund vier Jahre. Pro Tag sind die Flugzeuge ausschließlich der Marke Airbus (A320 und A321) 12,2 Stunden im Einsatz. Pro Maschine stehen 180 Sitzplätze zur Verfügung.

No Fight gegen die Großen

Auf einen Fight mit der Lufthansa auf den Strecken von Wien nach Deutschland will sich Wizz Air-Chef noch nicht einlassen. "Wir schauen uns das genau an", so Váradi. Die unter anderem von Geschäftsleuten stark frequentierten Verbindungen von Wien/Frankfurt oder Wien/Stuttgart, wo die Lufthansa mit ihren Töchtern AUA und Eurowings eine Monopolstellung hat, sei derzeit für Wizz Air kein Thema.


Wir sind nicht Austrian Airlines.

Mit der Pleite der Air Berlin ist es genau auf diesen Strecken im abgelaufenen Jahr zu massiven Preissteigerungen gekommen. Alleine von Wien nach Frankfurt fliegt die Lufthansa mit ihren Töchtern pro Tag zehn Mal. Wer nicht Wochen vor dem Reisetermin bucht, muss nun im Vergleich zum Vorjahresquartal je nach Flugzeit bei der Lufthansa zwischen 25 und 35 Prozent höhere Ticketpreise zahlen.

Die große Rechnung

Die Wachstumsstrategie von Wizz Air sieht vor bis in zehn Jahren die Umsätze zu verdoppeln. Um das Wachstum zu stemmen, hat Wizz Air bei Airbus eine Bestellung über die Lieferung von 240 Flugzeugen für die kommenden zehn Jahre vereinbart. Gleichzeitig bietet Wizz Air Pilotenschulungen an. Die Nachfrage nach Piloten und Flugzeugen zählen in der Luftfahrt zu den derzeit beiden wichtigsten Schlüsselfaktoren, um überhaupt wachsen zu können. Sowohl bei Piloten als auch bei Flugzeugen gibt es derzeit große Nachfragen.

Bis zum Jahr 2027 rechnet Váradi mit einem Wachstum von heuer 30 Millionen auf über 100 Millionen Fluggäste. Voraussetzung dafür sei, dass genügend Flugzeuge zur Verfügung stünden, so Váradi.

Die Finanzierung erfolgt laut Wizz Air-Chef Váradi aus dem Cash. Das Unternehmen hat seinen Angaben zufolge keine Bankkredite. "Wir sind nicht die Austrian Airlines", konnte sich der Wizz Air-Chef einen Seitenhieb auf die österreichische Lufthansa-Tochter nicht verkneifen. Wizz Air zählt derzeit rund 88 Flugzeuge. Insgesamt beschäftigt die Airline rund 3500 Mitarbeiter. Auch hier hat die Airline große Pläne: bis 2027 soll die Belegschaft auf 10.000 Mitarbeiter verdreifacht werden.

Um die in die Insolvenz geschlitterte Air Berlin-Tochter Niki hat sich Wizz Air nicht weiter bemüht. "Wir haben uns das angeschaut, aber das Geschäftsmodell hat für uns keinen Sinn ergeben", sagt Váradi. "Zu teuer, vor allem die Crew ist überzahlt." Und auch die Assets waren für den Wizz Air-Chef zu wenig attraktiv, um an Niki mitbieten zu wollen.

Fünf neue Destinationen

Bei der Flughafen Wien AG freut man sich über die neue Airline. Mit der Aufnahme des Flugbetrieb am Wiener Flughafen bringt Wizz Air heuer zusätzlich über 300.000 Fluggäste, schätzt Flughafen-Vorstand Julian Jäger. Vor allem freut den Flughafen-Vorstand die fünf neuen Destinationen Danzig, Nis, Tuzla, Ohrid sowie Kutassi, die von Wien aus erstmals angeflogen werden sowie acht weitere Rotuen, die von Wien zulezt nicht oder nur teilweise bedient wurden.

Trotz Niki-Pleite kann sich Flughafen-Vorstand Jäger über Anfragen von Airlines, die von Wien aus tätig werden wollen, nicht beschweren. "Es gibt viele Airlines, die nach der Air-Berlin-Pleite interessieren." Eine Prognose, wie es nun nach der Zurückweisung der Niki-Insolvenz vom Landgericht Berlin ans Landesgericht Klosterneuburg wohl mit Niki und dem Käufer IAG weitergehen wird, wollte Jäger nicht abgeben. "Da fragen sie drei Rechtsanwälte und bekommen vier Meinungen", meint Jäger. Eines sei jedoch sicher: "Es muss rasch eine Entscheidung her, damit Vueling (Anm. Tochter von IAG) starten kann." Jede weitere Verzögerung würde zudem zu einem weiteren Wertverlust führen.

Apropos Dortmund: Den Wiener Peter Stöger wird's freuen, nachdem er im Dezember die unzureichende Flugverbindung urgierte. Wizz Air fliegt übrigens bereits ab 19,99 Euro nach Dortmund. Wer einen Hin-und Rückflug zum Wochenende bucht zahlt derzeit 59,98 Euro.

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