Billigflieger Ryanair kämpft an mehreren Fronten

Billigflieger Ryanair kämpft an mehreren Fronten

Ryanair will sein Geschäftsmodell teilweise umstellen. Und hat mehrere Probleme damit - nicht nur mit den Gewerkschaften.

Das zweite Handgepäckstück an Bord der Ryanair soll künftig extra kosten. Der irische Billigflieger hat aber derzeit mehrere Probleme, unter anderem Personal zu finden, die unter den derzeitigen Bedingungen arbeiten wollen. Die Gewerkschaft Ufo in Deutschland will Tarfiverhandlungen führen. Der irische Billigflieger sieht sich als selbsterklärter Feind der Gewerkschaften.

Dublin. Der irische Billigflieger Ryanair führt einen Teil seiner neuen Gepäckbestimmungen erst im kommenden Jahr ein. Ab dem 15. Jänner kostet es extra, ein zweites Handgepäckstück mit an Bord zu nehmen, wie Ryanair am Dienstag mitteilte.

Eigentlich war die Änderung bereits für Anfang November vorgesehen, den Kunden solle jedoch "insbesondere in der hektischen Weihnachtszeit" mehr Zeit gegeben werden, sich auf die Neuerungen zu gewöhnen.

Ziel von Ryanair ist es, die Zahl der Handgepäckstücke zu verringern und mehr Kunden dazu zu bewegen, ihr Gepäck aufzugeben. Dazu hatte Ryanair bereits Anfang September das zulässige Gewicht für Aufgabegepäck von 15 auf 20 Kilogramm erhöht und gleichzeitig die Gebühr dafür von 35 auf 25 Euro gesenkt.

Im Gegenzug können künftig nur Passagiere mit der Option "Priority-Boarding", die ab fünf Euro zu haben ist, zwei Handgepäckstücke mit an Bord nehmen - also etwa einen kleinen Koffer und eine Handtasche. Alle weiteren Passagiere dürfen nur ein kleines Gepäckstück mit an Bord nehmen - das zweite müssen sie aufgeben.

Der Kampf des selbsternannten Feindes gegen Ufo

Indes wächst der Widerstand gegen die Arbeitsbedingungen des irischen Billigflieger. Die deutsche Gewerkschaft Ufo hat Ryanair nach eigenen Angaben am Dienstag zu Tarifverhandlungen für die 700 bis 1.000 in Deutschland stationierten Flugbegleiter aufgefordert. Auch mit den Piloten ist der Billigflieger in Auseinandersetzungen um Gehälter und Arbeitsbedingungen.

Die Gewerkschaft Ufo bezeichnete die gegenwärtigen Arbeits- und Vergütungsbedingungen der Ryanair als "in Deutschland schlicht illegal". "Mit Bruttolöhnen von rund 1.200 Euro im Monat bei ständiger Schicht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit ist es ohnehin schon schwer, in Deutschland über die Runden zu kommen. Dass Ryanair allerdings ihre Kabinencrews zudem in jedem Winter für mehrere Wochen unbezahlt freistellt, schlägt dem Fass den Boden aus", erklärte Ufo-Chef Alexander Behrens in Frankfurt.

Ryanair bezeichnet sich selbst als Feind von Gewerkschaften. Die irische Airline beschäftige Flugbegleiter nach irischem Recht, das kürzeste Kündigungsfristen, weniger Urlaubstage und vor allem die dauerhafte Anstellung in Leiharbeit ermögliche. Die günstigen Ticketpreise dürften nicht länger zulasten der Beschäftigten gehen, erklärte Tarifvorstand Nicoley Baublies. Ryanair verschaffe sich durch Lohndumping und Umgehung gesetzlicher Bestimmungen unfaire Wettbewerbsvorteile. Insofern seien auch die Beschäftigten der insolventen Air Berlin Opfer von "Konkurrenten, die Arbeitnehmerrechte mit Füßen treten".

In einer Stellungnahme lehnte Ryanair-Sprecher Robin Kiely ein Treffen mit der Ufo ab, weil diese falsche Aussagen verbreite. Ryanair-Flugbgeleiter könnten bis zu 40.000 Euro im Jahr verdienen und müssten nach irischem Recht in Irland ihre Einkommenssteuer zahlen. Ufo solle die Zeit besser investieren, "um gegen die Arbeits-, Renten- und Lohnkürzungen vorzugehen, die aktuell dem Air-Berlin-Personal als Ergebnis der Lufthansa-Übernahme widerfahren."

Bisher hat Ryanair Tarifverhandlungen mit Gewerkschaften strikt abgelehnt und stattdessen mit lokalen Betriebsvertretungen gesprochen.

Das Unternehmen steht unter Druck, für seine ehrgeizigen Wachstumsziele ausreichend Personal zu rekrutieren und musste aus Pilotenmangel bis zum Frühjahr rund 20.000 Flüge absagen. Wie einige Piloten suchen auch Kabinenmitarbeiter die Unterstützung von Gewerkschaften. Die Mitgliederzahlen der Ufo seien in den letzten Monaten sprunghaft angestiegen, teilte Behrens mit.

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