Billigflieger setzen Reiseveranstalter massiv unter Druck

Billigflieger setzen Reiseveranstalter massiv unter Druck

Wizzair, Level sowie Ryanair und seine Tochter Laudamaotion, AUA, Easyjet und Vueling setzen nun die Reiseveranstalter unter Druck.

Wegen Flugüberkapazitäten musste Rewe Austria Touristik Urlaube im Sommer teils zu Schleuderpreisen anbieten - Lage 2020 weiter angespannt - Thomas-Cook-Pleite bringt aber Zusatzgeschäft

Wien/Wiener Neudorf. Zuletzt machte den Reiseveranstaltern eine Reihe von Airline-Pleiten zu schaffen, jetzt sind es die Billigflieger. "Vor einem Monat haben wir die Flugeinkäufe für nächstes Jahr abgesichert - wir kaufen zu Preisen ein, wo ich heute schon weiß, dass sie die Wizz, Lauda und AUA dann günstiger anbieten werden", skizzierte Rewe-Austria-Touristik-Chef Martin Fast im Gespräch mit der APA das Problem.

Heuer waren in Österreich extrem viele Flugüberkapazitäten am Markt. Das ruiniert die Preise und erschwert das Wirtschaften. "Wir mussten auch in der Hochsaison, also im Juli und im August, zu deutlich geringeren Preisen verkaufen", sagte der Geschäftsführer des zweitgrößten Reiseveranstalters in Österreich (hinter der TUI) zur APA. "Da wird Geld verbrannt", kritisierte Fast. Das Taxi zum Flughafen koste mehr als der Flug. Urlaubsprodukte würden zum Teil "zum Schleuderpreis verramscht".

Der extreme Preiskampf, den sich Low-Cost-Carrier wie Laudamotion, Ryanair, Wizz, Level und auch Easyjet derzeit im Ringen um Marktanteile in Österreich liefern, bringt Reiseveranstalter und Reisebüros wirtschaftlich unter Druck. "Das, was da jetzt passiert, das ist nicht nachhaltig", betonte Fast. Ein einfacher Flug nach Kreta koste die Airline beispielsweise etwa 100 Euro. "Die können nicht um 30 Euro fliegen." Die Billig-Airlines würden "mit aller Gewalt in den Markt hereinpreschen". "Teilweise werden dadurch gesunde Unternehmen zugrunde gerichtet."

Verschärfter Wettbewerb geht weiter

Dass sich derzeit extrem viele Billigfluganbieter in Österreich tummeln, war vor allem am Flughafen Wien zu spüren. Dieser verzeichnete heuer im Sommer einen Passagierzuwachs um knapp 25 Prozent. Auch für nächstes Jahr ortet Fast beim Preiskampf unter den Airlines keine Entspannung: "Das wird jetzt 2020 sicher noch weitergehen." Wenn sich dann der eine oder andere aus dem Markt verabschiede, dann würden die Flugpreise aber wieder deutlich nach oben gehen. "Ich hoffe, dass sich das 2021 reguliert, dass sich einer aus dem Markt und vor allem vom Flughafen Wien zurückzieht."

Nach der Pleite des in Österreich drittgrößten Reiseveranstalters und ehemaligen Mitbewerbers Thomas Cook, zu dem auch die Veranstaltermarke Neckermann gehörte, sei heuer im September "ein Loch aufgegangen". Nun werde versucht, "dieses Tortenstück aufzuteilen". Die Rewe Austria Touristik mit den Veranstaltermarken ITS Billa Reisen und Jahn Reisen habe "relativ rasch" ihre Flugkapazitäten "um 25 Prozent deutlich aufgestockt".

"Wir haben Teilkontingente von Thomas Cook und Neckermann übernommen", berichtete Fast. Ende Oktober habe der Insolvenzverwalter alles freigegeben. "Damit konnten wir die Flüge neu einbuchen." Parallel dazu habe er "eine neue Marke hereingeholt" - unter dem Namen "ITS" würden nun die Produkte auf dem ehemaligen Neckermann-Niveau angeboten, das höherpreisiger ist als Billa.

Weiters sind nun Thomas-Cook-Hotels wie etwa Casa Cook, Sentido und Aldiana bei der Rewe Austria Touristik buchbar - zum teil "komplett exklusiv". "Wir haben insgesamt 300 Häuser aus dem Thomas-Cook-Portfolio übernommen und erwarten uns dadurch im Tourismusjahr 2019/20 (1. November 2019 bis 31. Oktober 2020) ein Umsatzwachstum von 25 Prozent", so Fast.

Die ersten Buchungen sind vielversprechend: "Die Wocheneingänge sind deutlich über 10 Prozent im Plus". Die stärksten Zuwächse für den Winter 2019/20 seien mit rund 40 Prozent mehr Umsatzvolumen in Richtung Mauritius verbucht worden. Die Nachfrage nach Kuba-Reisen verdopple sich derzeit, nachdem das Geschäft im Vorjahr mangels Kapazitäten infolge der starken Präsenz amerikanischer Urlauber "sehr schwach" war. Auch die ehemaligen Neckermann-Kunden suchten Alternativen. "Wir spüren auf jeden Fall, dass es Neckermann nicht mehr gibt."

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