Bilfinger will als Prozessoptimierer Austro-Firmen sparen helfen

Bilfinger will als Prozessoptimierer Austro-Firmen sparen helfen

Bilfinger: Der Spezialist für Verfahrenstechnik bietet sein Know How nun am Weg zur autonomen Fabrik an.

Bilfinger, der deutsche Industriekonzern und Spezialist für Verfahrenstechnik, bietet sein Know How nun österreichischen Industriebetrieben an. Sie wollen dabei helfen Prozesse bei Produktionsabläufen bis hin zur autonomen Fabrik zu optimieren.

Die Digitalisierung wird die Welt noch auf den Kopf stellen“, glaubt Franz Braun, Chief Digital Officer bei Bilfinger. Der deutsche Konzern möchte seinen Beitrag dazu leisten. Der Industriespezialist ist auf die Optimierung von Prozessen spezialisiert und will so erreichen, dass Firmen zwischen ein bis zehn Prozent ihres Aufwandes in diesem Bereich sparen können. „Bei kleineren Firmen wird der Prozentsatz im höheren Bereich liegen, bei großen ist dieser meist geringer, aber dafür ist der Einspareffekt größer“, so Braun.

Ziel ist die autonome Fabrik
Durch die Optimierung von Abläufen in der Produktion könnte so der Deckungsbeitrag um bis zu einer Million Euro im Jahr gesenkt werden. Das Potential hängt auch vom Grad der Vernetzung ab. „Ziel ist die autonome Fabrik“, so Braun. Aber auf dem Weg dahin gibt es verschiedene Levels.“ Seine Dienste bietet Bilfinger Digital Next, eine Tochter von Bilfinger und Spezialist für digitale Transformation in der Prozessindustrie, Unternehmen ab einer Größe von rund 50 Millionen Euro Umsatz an. Dieser Service will der deutsche Industriedienstleister nun in Österreich mittelständischen und großen Unternehmen offerieren.


Setzen unser Wissen in der Verfahrenstechnik ein

Künstliche Intelligenz (KI) ist ein noch relativ junges Geschäftsfeld, in dem aber bereits viele Firmen ihre Dienste anbieten und um das sich sowohl Start ups als auch größere Unternehmen aus der Automatisierungsbranche bemühen. „Wir sind jedoch einer der wenigen, die nicht wie Softwareunternehmen oder Datenanalysten nur mit Hilfe von Algorithmen Prozesse verbessern. Wir setzen auch unser Wissen in der Verfahrenstechnik des jeweiligen Industriezweiges ein“, argumentiert Braun.

So setzt Bilfinger sein Know How für die Prozessoptimierung ein
Die Industrie-Experten von Bilfinger lassen im Vorfeld ihr Know-How einfließen und testen die für Kunden entwickelten Lösungen auch auf Plausibilität. Industriedienstleister Bilfinger ist unter anderem in den Bereichen Chemie, Öl und Gas und Pharma tätig. So entwickelte das Unternehmen etwa ein Verfahren, wodurch mit Hilfe von Kohlendioxid das Pflanzenwachstum stimuliert wird, nutzt Industrie-Drohnen für schwierige Einsätze, etwa um auf Ölplattformen schwer zugängliche Teile wie Fackeln zu kontrollieren. Aufwendige Gerüste und gefährliche Kletterarbeiten sind so nicht mehr nötig.

In der Metallurgie, eine wichtige Branche in Österreich, ist Bilfinger auf die Reduktion von Schadstoffemissionen etwa in der Stahl-, Eisen- und Aluminiumindustrie fokussiert. Weiterer Schwerpunkt sind Sensoren. Diese werden beispielsweise für die Überwachung des Zustandes von Brücken eingesetzt.

Preise für Sensoren deutlich gesunken
Für die Überwachung von Prozessen oder Bauteilen notwendige Sensoren, darunter auch solche die rein virtuell funktionieren, sind längst nicht mehr so kostspielig wie noch etwa vor fünf Jahren. „Die Kosten sind in etwa um den Faktor zehn gefallen“, schätzt Braun. Das dafür nötige Datenvolumen für KI hält sich je nach Anwendung auch in Grenzen. Oft würden für die Optimierung von Prozessanlagen historische Daten, etwa die der letzten sechs Monate reichen, um so das Verhalten der Maschinen zu analysieren und vorherzusagen. Durch die Analyse der Daten sollen mögliche Anomalien im laufenden Betrieb erkannt werden. Das System schlägt in solchen Fällen Alarm und bietet, je nach Anwendungslevel, auch Lösungen an. Letztes passiert allerdings noch selten. „In jedem Fall muss der Mensch bei Fehlfunktionen oder Abweichungen im Ablauf selbst entscheiden, welche Maßnahmen letztlich getroffen werden sollen“, stellt Braun klar.

Datenpunkte für KI maßgeblich
Ob die Voraussetzung für die Implementierung künstlicher Intelligenz gegeben ist, hängt laut Braun davon ab, wie viele Datenpunkte ein Unternehmen elektronisch verfügbar hat. Diese können sich beispielsweise aus Daten von Messfühlern, Pumpen und Ventilen ergeben. „Wir können schnell sagen, wie viele solcher Punkte in einem Unternehmen vorhanden sind.“ Vor allem Betriebe, die mit SAP arbeiten, können Datenpunkte, die als Liste verfügbar sind, leicht abrufen. Bilfinger macht sich dann daran sämtliche Daten zu einer Plattform zusammenzufügen, vom Engineering bis hin zu Instandhaltung und allen anderen Unternehmensbereichen.

Cloud-Risiko beherrschbar
Die gesammelten Informationen wandern in die Cloud. Bedenken, Hacker könnten auf diese zugreifen, zerstreut der Digital-Experte. „Es gibt weltweit nur eine Handvoll Unternehmen, die wie Amazon oder Microsoft solche Dienste anbieten können. Diese investieren Milliarden, um die Daten sicher zu machen und das Risiko von Angriffen zu minimieren.“ Viele Unternehmen sind mittlerweile mit ihrem ERP-System, wie SAP, in der Cloud, eine Alternative dazu werde es in der Zukunft ohnehin nicht mehr geben. SAP hat etwa angekündigt, ab 2025 sämtliche Daten nur noch in der Cloud zu verwalten.

Know-How älterer Mitarbeiter in kurzen Video-Sequenzen festhalten
Unternehmen rät der Bilfinger-Experte auch das Know-How älterer Mitarbeiter in elektronischer Form festzuhalten, speziell wenn demnächst ein Heer von gut ausgebildeten Arbeitskräften in der Industrie wegfällt, wenn nämlich die Babyboomer-Generation in Pension geht. Bilfinger hat deshalb eine Art YouTube für Firmen entwickelt in denen Arbeitnehmer in jeweils 10 bis 20 Sekunden-Sequenzen jeweils über ihre verschiedenen Arbeitsbereiche sprechen und so ihre Erfahrungen an die nächste Generation weitergeben. Mit Stichwörtern und Keywords versehen, können diese Informationen – auch im Text – leicht wiedergefunden werden. Als geschlossener virtueller Raum definiert, soll der Zugang für Außenstehende und damit Betriebsspionage, verhindert werden.

Risiken in Form von Datenklau sind jedoch nie ganz anzuschließen. Jeder Server sei schließlich angreifbar. „Da reicht oft schon, wenn ein externer Monteur seinen Laptop an ein firmeninternes System ansteckt und so die Firewall übergeht“, so der Digital-Manager. Sich deshalb aber künstlicher Intelligenz und damit auch der Vernetzung des Internets mit Maschinen zu verweigern, würde am nächsten Level der Industrialisierung vorbeiführen.

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