Acht Toshiba-Top-Manager treten nach Bilanzskandal zurück

Acht Toshiba-Top-Manager treten nach Bilanzskandal zurück
Acht Toshiba-Top-Manager treten nach Bilanzskandal zurück

Die Entschuldigung "von Herzen" im Blitzlichtgewitter: Konzernchef Hisao Tanaka (Mitte) und Aufsichtsratschef Masashi Muromachi (li.) und Executive Vice President Keizo Maeda (re.)

Die Toshiba-Konzernführung hat über sechs Jahre die Bilanzen geschönt. Einmal mehr hat Tohsiba-Chef Hisao Tanaka in gebückter Haltung die Schmach eingestanden und sich "von Herzen" entschuldigt. Nun ist er zusammen mit sieben hohen Managern zurückgetreten, darunter sind auch seine beiden Vorgänger. Es geht um Bilanzfälschung in der Höhe von immerhin 1,13 Milliarden Euro.

Tokio. Entscheidungen der Chefs wurden nicht infrage gestellt - so konnten beim japanischen Elektronikkonzern Toshiba über Jahre hinweg die Bilanzen frisiert werden. Am Dienstag trat Konzernchef Hisao Tanaka deshalb zurück, mit ihm seine Entourage von sieben Managern - alle haben von den Fälschungen gewusst.

War es nun Show, Kultur oder Scham oder alles drei zusammen, wie die Schmach der Öffentlichkeit mitgeteilt wurde? Konzernchef und CEO Tanaka und seine beiden Kombattanten Aufsichtsratschef Masashi Muromachi und Executive Vice President Keizo Maeda verneigten im Blitzlichtgewitter vor den anwesenden Jorunalisten, um ihr Versagen einzugestehen. Für Tanaka ist das bereits das zweite Mal binnen drei Monaten. Im April hatte er bereits eingestanden, dass die Bilanz nicht stimmt. Rund 406 Millionen Euro Korrekturbedarf hatte Tanaka die Schmach eingestanden und sich verbeugt.

Frisierte Gewinne

Eine interne Untersuchung hatte ergeben, dass Toshiba für die Geschäftsjahre von April 2008 bis März 2014 seinen Gewinn vor Steuern um mindestens 152 Mrd. Yen (1,1 Mrd. Euro) zu hoch ausgewiesen hatte. Für das Jahr bis Ende März 2015 liegen noch immer keine Ergebnisse vor. Im Jahr 2014 hat Toshiba einen Umsatzzuwachs von 13 Prozent auf 6502 Billionen Yen (48,2 Milliarden Euro) angegeben. Toshiba will die neue Bilanz 2015 im September präsentieren. Danach soll eine außerordentliche Hauptversammlung einen neuen Chef absegnen.

Im größten japanischen Bilanzskandal seit Jahren habe der Technologiekonzern vorsätzlich gehandelt, schrieben unabhängige Gutachter in einem am Montagabend veröffentlichten Bericht. Es sei daher schwierig für Wirtschaftsprüfer gewesen, die überhöhten Zahlen zu entdecken.

CEO Tanaka persönlich habe angeordnet, die Verluste zu schönen, heißt es in der AFP vorliegenden Zusammenfassung des Berichts.

Das wies Tanaka am Dienstag während einer Pressekonferenz zurück. "Ich habe keine unsachgemäße Buchführung angeordnet", sagte er. Sein Vorgänger Norio Sasaki, von Juni 2009 bis Juni 2013 die Nummer eins und damit einen großen Teil der Zeit, in der die Bilanzen geschönt wurden, erschien nicht vor der Presse. Tanaka entschuldigte sich "von Herzen" für den Skandal. Es sei der schlimmste Schaden in der 140-jährigen Unternehmensgeschichte von Toshiba entstanden.

"Wir entschuldigen uns bei den Aktionären und Investoren für die Regelwidrigkeiten in der Buchhaltung", teilte Toshiba am Dienstag eine halbe Stunde nach Börsenschluss mit. Im Lichte der Tatsachen seien der Konzernchef, der Vize-Chef des Verwaltungsrates und der Sonderberater zurückgetreten - die letzteren beide ehemalige Unternehmenschefs. Zudem mussten weitere fünf hohe Manager gehen. Insgesamt sind nun rund die Hälfte der Posten im Verwaltungsrat neu zu vergeben.

Die Schinder im Management

Mit unrealistischen Vorgaben habe das Management seine weltweit 200.000 Angestellten - darunter 112.000 in Japan - systematisch unter Druck gesetzt.

Toshiba stellt Halbleiter, Waschmaschinen, Computer, Fahrstühle und Atomreaktoren her. Die 600 Unternehmenstöchter wurden aufgefordert, ihre Bilanzen noch einmal ganz genau zu prüfen. Die Ratingagentur Standard&Poor's drohte am Dienstag mit einer Abstufung der Kreditwürdigkeit.

Bis ein Nachfolger für Tanaka gefunden wird, wird Chairman Masashi Muromachi das 140 Jahre alte Unternehmen führen. Er spielt in dieser Position traditionell keine Rolle in den täglichen Geschäften des Unternehmens. Muromachi war Vize-Chef des Unternehmens, seit Anfang 2000 sitzt er im Verwaltungsrat.

Der Widerspuch

Die Gutachter sehen in einer Führungskultur, die keinen Widerspruch duldet, den Grund für den Bilanzskandal. Um die Gewinnziele zu erreichen, die das Spitzenmanagement vorgegeben habe, hätten die Toshiba-Mitarbeiter die Bilanzen frisiert. Der Skandal wirft ein Schlaglicht auf die von der Regierung unterstützten Bemühungen, das Management japanischer Unternehmen zu verbessern.

Die Affäre hatte im April ihren Lauf genommen, als Toshiba erklärte, Kosten für einige Projekte könnten zu niedrig angesetzt gewesen sein. Dem Unternehmen drohen möglicherweise hohe Strafzahlungen wegen der falsch ausgewiesenen Zahlen.

Die Börse jubelt wieder

Die Anleger reagierten auf die Aufklärung und die personelle Konsequenzen positiv: Toshiba-Papiere legten am Dienstag satte 6,13 Prozent zu und erholten sich damit wieder etwas von der Talfahrt der letzten Wochen. Auch im Zuge der anhaltenden Berichte um den Bilanzskandal haben die Toshiba-Papiere in den letzten drei Monaten über zwanzig Prozent des Wertes eingebüßt.

Der Skandal ist der größte in Japan seit 2011. Damals hatte der Kamera-Hersteller Olympus seine Bilanzen aufgebläht.

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