Bezahl-Datingportale: Das Geschäft mit der Liebe bröckelt

Bezahl-Datingportale: Das Geschäft mit der Liebe bröckelt

Unseriöse Geschäftspraktiken haben manchem Datinge-Portal viel Geld in die Kassen gespielt. Damit ist seit dem Vorjahr Schluss.

Das Geschäft mit der Online-Partnersuche hat einen Riss bekommen. Schuld sind nicht die Liebessuchenden sondern Gerichtsurteile. Das Geschäft mit den Abofallen ist seither tot. Doch auch sonst geht es bei den Anbietern von Dating-Portalen hart zur Sache. Der große Branchenüberblick.

Das Geschäft mit Singles war jahrelang eine Goldgrube. Von 2007 bis 2011 verdoppelte sich Umsatz bei Dating-Portalen. Viele witterten das große Geschäft. Mehr und mehr Anbieter versuchen ihr Glück mit den Liebessuchenden. Alleine im deutschsprachigen Raum sind mittlerweile 25.000 Domains, auf denen Singles verkuppelt werden, registriert. Bis 2017 hat das Marktwachstum zwar merklich nachgelassen, aber bis 2017 wuchsen die Singlebörsen stetig. Doch die Suche nach dem Glück, und sei es nur nach dem schnellen Geld, kann schnell zur Enttäuschung werden.

Denn, obwohl in Österreich mehr Singles als je zuvor beim Online-Dating erfolgreich sind, bleibt für die Portalbetreiber am Ende des Tages immer weniger Umsatz und Gewinn. Das ergab die aktuelle Marktstudie des Verbraucherportals Singleboersen-Vergleich.at.

1,5 Millionen User suchen aktiv einen fixen Partner oder Sex
Monatlich sind rund 720.000 Singles aus Österreich auf der Suche nach einer festen Partnerschaft via Online-Dating. Rund 390.000 Singles suchen einen Sexpartner online. Und circa 40.000 Nutzer sind auf Gay-Dating-Seiten unterwegs. Insgesamt loggen sich also pro Monat 1,15 Millionen aktive User aus Österreich auf Internetportalen
für die Suche nach einem fixen Partner oder Sex ein.


Umsatz durch grenzwertige Vertragsklauseln vergoldet


2018 verzeichnete die Branche jedoch es einen kräftigen Umsatz-Knick. Nach 19,6 Millionen Umsatz im Jahr 2017, erzielte die Branche im Vorjahr einen Rückgang um rund sechs Prozent hinnehmen. Unseriöses Werben um Liebende hat nun zu Konsequenzen geführt. Der Umsatzeinbruch ist nämlich nicht auf einen Preiskampf zurückzuführen, sondern "auf die gestärkten Verbraucherrechte“, so Daniel Baltzer, Geschäftsführer des Verbraucherportals Singleboersen-Vergleich.at und erklärt weiter: „In der Vergangenheit haben sich Bezahlportale den Umsatz durch grenzwertige Vertragsklauseln vergolden lassen."

Der Umsatz der Dating-Börsen ist im Vorjahr deutlich zurückgegangen

Abofalle automatische Vertragsverlängerung
Besonders die automatische Vertragsverlängerung hat viele Kunden in hohe Kosten gestürzt. Denn wer ein Jahr eine Mitgliedschaft abschließt, bekam lange Zeit ohne leicht ersichtliche Vorwarnung ein weiteres Jahr aufgebrummt, wenn die Kündigung nicht Wochen vor Ablauf der Frist rechtzeitig gekündigt wurde. Die automatische Vertragsverlängerung ist zwar jetzt noch Usus, aber jetzt besteht die gesetzliche Verpflichtung vor Ablauf der Kündigungsfrist das dem Kunden auch klar verständlich mitzuteilen.

Da die Abofalle nun nicht mehr so leicht zuschnappen kann, kam es laut Studie zum Umsatzeinbruch. Nach Auseinandersetzungen zwischen Konsumentenschützern und großen Online-Dating-Anbietern, wie Parship, gelang es Konsumentenschützer die Rechte der Verbraucher zu stärken. Unklar angekündigte Abo-Verlängerungen und Wertersatzforderungen sind nun verboten. So hatte zum einen der Verein für Konsumentenschützer (VKI) die PE Digital GmbH, zu dem Parship gehört, erfolgreich verklagt, weil das Unternehmen seiner Kundschaft keinen klar formulierten Hinweis zukommen ließ, dass sich der Parship-Vertrag automatisch verlängere.

Wer innerhalb der Rücktrittsfrist online flirtete, musste bis zu 75 Prozent der Jahresgebühr zahlen
Die Arbeiterkammer wiederum ging erfolgreich gegen den Wertersatz der Parship-Mutter PE Digital GmbH vor. Das Oberlandesgericht bestätigte, dass „eine allfällige
Wertsatzforderung bei Dauerschuldverhältnissen nur abhängig von der Laufzeit berechnet werden darf“. Wertersatzforderungen während der 14-tägigen Rücktrittsfrist mit einem Rücktrittsgeld von bis zu 75 Prozent zu vergüten ist damit nicht mehr rechtens.


Konsumentenschützer erwarten nach den wegweisenden Urteilen, die Kundenzufriedenheit deutlich steigen wird“, glaubt Baltzer.

Gratisportale steigen in der Gunst der Liebeshungrigen
Derzeit sind Bezahlportale wie Parship & Co. aber nach wie vor für circa die Hälfte des Branchenumsatzes von aktuell 18,4 Millionen Euro im Jahr verantwortlich. Vor wenigen Jahren war deren Anteil am Umsatz laut Experten jedoch noch wesentlich höher. Online-Dating-Landschaft Gratis-Anbieter wie Tinder gewinnen immer mehr Marktanteile.


Kaum jemand ist mehr bereit, für Mittelklasse-Anbieter viel Geld auszugeben


Denn Gratis-Dating-Plattformen sind salonfähig geworden. Längst ist das nicht mehr nur eine Möglichkeit für arme Schlucker oder für solche die nur schnellen Sex im Sinn haben, sondern auch für die seriöse Partnersuche. User, die flirten wollen, greifen deshalb immer öfter auf kostenlose Dating-Apps zurück. Gratis-Kupplerportale wie die Wisch-und-Weg-Anbieter Tinder verderben den Zahlportalen jedoch kräftig das Geschäft. „Kaum jemand ist mehr bereit, für Mittelklasse-Anbieter wie LoveScout24 40 Euro im Monat auszugeben“, erklärt Daniel Baltzer, Geschäftsführer des Verbraucherportals Singleboersen-Vergleich.at.

Fünf Anbieter mit mehr als fünf Millionen Mitglieder
Im Kampf um die Liebe geht es hart zur Sache. Zumindest bei den Anbietern von Onlineportalen. Es gibt zwar im deutschsprachigem Raum 25.000 Betreiber solcher Seiten, aber nur fünf von ihnen verzeichnen jeweils über mehr als eine Million Mitglieder. Die Konkurrenz ist trotzdem hoch. Die anderen Anbieter sind zwar kleiner, nagen jedoch kräftig am Umsatz der großen. Badoo, c.date, LoveScout24, Lovoo und haben jeweils über 250.000 Euro AdultFriendFinder, Elitepartner, Joyclub und Tinder kommen auf über 250.000 Mitglieder. Über 100.000 Mitglieder verbuchen eDarling gayParship, zoosk und fünf weitere Anbieter.

Die größten Dating-Portale im Überblick

Millionen "Karteileichen"
Viele Nutzer registrieren sich jedoch parallel auf mehreren Portalen und melden sich nicht wieder ab. Was dazu führt, dass sich knapp 21 Millionen nicht mehr genutzte Profile in Singlebörsen angehäuft haben.


Nur zwei große Anbieter mit hohen Jahresumsätzen
Doch was zählt sind nicht Mitglieder, sondern Umsätze. Denn viele haben zwar ein Profil auf den Datingseiten sind aber nicht oder nicht mehr aktiv.
So gibt es nur wenige umsatzstarke Anbieter. Jahresumsätze über 2,5 Millionen Euro erzielen laut single-boersen-vergleich.at lediglich LoveScout24 und Zoosk.

Parship und Elitepartner :500 Euro Gewinn pro Kunde
Wenn diese Portale jedoch einmal einen zahlenden Kunden an der Angel haben, verdienen sie meist sehr gut daran. Um auf Elitepartner oder Parship die Chance zu bekommen, einen potentiellen Partner zu daten, muss man sich wie bei Parship mindestens sechs Monate zu einer Mitgliedschaft verpflichten und zahlt dafür bis zu 59,90 Euro im Monat. Wer sich zwölf Monate binden will, zahlt zwar mit 34,90 Euro monatlich deutlich weniger. „Pro Kunde werden bei Parhsip und Elitepartner im Schnitt über 500 Euro verdient, was auch das aggressive Marketing ermöglicht“, so Branchenkenner Baltzer.


Hochpreisige Partnervermittlungen wie Parship und ElitePartner haben einen Dämpfer erhalten

Mit den vielen Gratisportalen schrumpft nicht nur Umsatz und Gewinn von Bezahlportalen. „Beim Kampf um die Vormachtstellung in der Online-Dating-Branche haben hochpreisige Partnervermittlungen wie Parship und ElitePartner einen Dämpfer erhalten“, erklärt Online-Vergleichsprofi Baltzer. Letztlich sinkt damit auch das Angebot an potentiellen Partnern.

Social Dating: Das nutzerstärkste Segment
Mit über 500.000 Unique Usern werden Dating-Apps aber nach wie vor am häufigsten genutzt. Diese sogenannten Social-Dating-Anbieter wie Badoo, Lovoo und Tinder dominieren die App-Stores und das Umfeld von Facebook. Die meisten Anbieter sind ohne großes Werbebudget gewachsen und setzen auf sogenannte Freemium-Preismodelle. Das nutzen dieser Apps wie Tinder ist teils kostenlos. Nur Zusatzfunktionen, um mehr Aufmerksamkeit zu erhalten, fallen geringe Kosten an. Der einzelne Dating-Kandidat fällt durch seinen Umsatz kaum ins Gewicht, den Ausschlag gibt die Masse.

Etablierte Sex-Dating-Plattformen
Ein weiteres großes Marktsegement ist Adult-Dating. Das zeigt sich beim Umsatz laut Studie unverändert stabil. Unter den Online-Dating-Portalen, bei denen es um erotische Kontakte geht, haben sich nach einer frühen „Schmuddelphase“ seit 2008 einige professionell geführte Angebote wie C-Date oder JOYclub etabliert, die in der Szene mit unterschiedlichen Schwerpunkten den Ton angeben. Marktführer C-Date hat sich neben seiner TV-Präsenz werbetechnisch auch erfolgreich im SportSponsoring erprobt. JOYclub punktet mit starker Offline-Präsenz etwa bei Swinger-Veranstaltungen.


Nischen-Dating - Partnersuche im Osten steht hoch im Kurs
Das Spektrum reicht von Börsen für religiöse Singles über Spezialisten für die internationale Partnersuche bis hin zu Communities für spezielle erotische Vorlieben. Laut Studie wird der höchste Umsatz beim Gay-Dating und bei der Osteuropa-Partnersuche erzielt.

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