Bertelsmann übernimmt Gruner + Jahr vollständig

"Stern", "Geo", "Capital" oder "National Geographic Deutschland" sind die Flaggschiffe des Zeitschriftenverlags Gruner + Jahr, den nun Europas größter Medienkonzern Bertelsmann vollständig übernimmt. Wie viel Bertelsmann für die 25,1 Prozent Beteiligung der Familie Jahr bezahlt, wurde nicht bekannt gegeben. In Österreich hält Gruner + Jahr die Mehrheit an der Verlagsgruppe News.

Bertelsmann übernimmt Gruner + Jahr vollständig

Europas größter Medienkonzern Bertelsmann zieht den Umbau des gebeutelten Zeitschriftenverlags Gruner + Jahr künftig alleine durch. Mitten in der Printmedienkrise kauft Bertelsmann der Gründerfamilie Jahr ihre Sperrminorität ab, wie die Partner am Montag mitteilten. Wenige Wochen nach dem Start einer weiteren kostenträchtigen Restrukturierungsrunde gab die Familie ihren jahrelangen Widerstand gegen einen Ausstieg auf. Sie akzeptierte Branchenkreisen zufolge einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag von ihrem Partner, der dafür nun auch Pensionslasten und Investitionen alleine schultert.

"Den Wert einer solchen eindeutigen Aktionärsstruktur kann man gar nicht hoch genug einschätzen", sagte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe in einer Telefonkonferenz. Zum Kaufpreis wollte er sich nicht äußern. "In solchen Zeiten des Wandels sind klare Abstimmungsprozesse enorm wichtig." Der Verlag mit Flaggschiffen wie "Geo", "Stern" und "Brigitte" hatte lange nur zögerlich auf die Abwanderung von Lesern und Anzeigenkunden ins Internet reagiert. Vorstandschefin Julia Jäkel, die vor zwei Jahren in die Chefetage aufrückte, schloss die defizitäre Wirtschaftszeitung "Financial Times Deutschland", leitete einen Konzernumbau ein und forcierte die Expansion im Digitalgeschäft.

Rabe kündigte weitere Investitionen in den Hamburger Verlag an. Er unterstütze die vom Gruner + Jahr-Vorstand auf den Weg gebrachten Schritte uneingeschränkt, erklärte der Bertelsmann-Chef. Dabei sei der zuletzt genannte Betrag von 500 Millionen Euro lediglich eine Richtgröße. "Wir werden das investieren, was nötig ist", sagte Rabe. Anlass zur Hoffnung gebe eine Stabilisierung der Vertriebs- und Anzeigenerlöse im zweiten Halbjahr. Dennoch werde der Umsatz von zuletzt 2,1 Milliarden Euro etwa 1,7 bis 1,8 Milliarden Euro im laufenden Jahr schrumpfen - auch durch den Verkauf des US-Druckereigeschäfts. Der Betriebsgewinn war 2013 um knapp zehn Prozent auf 193 Millionen Euro gesunken.

Bekenntnis zum Journalismus

Während Verlage wie Axel Springer und Hubert Burda die Umstellung auf das Digitalgschäft weit vorangetrieben haben, zählt Gruner + Jahr zu den Schlusslichtern. Springer und Burda erwirtschaften bereits mehr als die Hälfte ihrer Erlöse im Internet, Gruner + Jahr lediglich ein Zehntel. Anders als die Konkurrenz, die auch journalismusfremde Angebote wie Online-Shops und Rubrikenanzeigen betreibt, will Gruner + Jahr vor allem mit journalistischen Inhalten im Netz punkten.

Zu Bertelsmann gehören auch der Fernsehkonzern RTL Group, der weltgrößte Buchverlag Penguin Random House und das Musikrechte-Unternehmen BMG. "Diesen klaren Bekenntnissen zu den Bereichen Fernsehen, Buch und Musik folgt nun ein weiteres klares Bekenntnis zum Journalismus", sagte Rabe. Spekulationen über einen Verkauf des Verlags im Ganzen oder in Teilen wies Rabe zurück. Auch an der Sperrminorität der Hamburger Tochter am Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" werde er festhalten. Bei Gruner + Jahr hatten sich die übrigen Mitbegründer bereits vor Jahrzehnten zurückgezogen.

Angesichts unerwartet deutlich schrumpfender Zeitschriftengeschäfte hatte Gruner + Jahr Ende August im deutschen Kerngeschäft seinen größten Stellenabbau seit Jahren angekündigt. Bis zu 400 der 2400 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden, Entlassungen wurden nicht ausgeschlossen. Damit will das Unternehmen seine Kosten um 75 Millionen Euro senken. Nicht betroffen sind die Tochterunternehmen Motor Presse Stuttgart ("auto motor und sport", "Men's Health") und Dresdner Druck- und Verlagshaus ("Sächsische Zeitung"). Weltweit beschäftigt Gruner + Jahr knapp 8600 Mitarbeiter.

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Zur Person. Georg Schwondra, 51, ist Partner bei Deloitte und für den Ausbau und die Leitung des Bereiches Cyber Risk/Cyber Security bei Deloitte Risk Advisory verantwortlich. Er verfügt über umfangreiche Erfahrungen sowohl im Bereich von Security Strategy, der Beratung und Implementierung von Cybersecurity-Lösungen, dem Outsourcing von Security-Funktionen auf Auftraggeberseite und Dienstleisterseite als auch in der Begleitung und dem Management von Transformationsprojekten bei Unternehmen aller Größen, insbesondere auch im Bereich von Familien- und Privatunternehmen.

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