Bernd Pischetsrieder wird Daimler-Aufsichtsratschef

Der frühere BMW- und Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder wird neuer Aufsichtsratschef bei Daimler. Investoren sind angesichts der Bestellung überrascht und werten sie als Notlösung.

Bernd Pischetsrieder wird Daimler-Aufsichtsratschef

Der Generationenwechsel bleibt aus: Der ehemalige BMW- und Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder soll Ende März an die Spitze des Aufsichtsrats beim Stuttgarter Autobauer Daimler rücken. Das Gremium nominierte den 72-jährigen Bayern zum Nachfolger des 78 Jahre alten Manfred Bischoff, der mit der Hauptversammlung 2021 aus dem Aufsichtsrat ausscheidet.

Nach der Daimler-Hauptversammlung am 31. März 2021 sollen drei neue Mitglieder in den Aufsichtsrat einziehen: Die frühere Nestle-Managerin Petraea Heynike und BASF-Aufsichtsratschef Jürgen Hambrecht scheiden gemeinsam mit Bischoff aus. Gewählt werden sollen dann die Cisco-Managerin Elizabeth Centoni, Shell-Chef Ben van Beurden und BASF-Vorstandschef Martin Brudermüller.

Investoren werten Pischetsrieders Bestellung als Verlegenheitslösung. Eigentlich war der frühere Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche für den Posten vorgesehen. Er hatte aber im September nach wachsender Kritik von Investoren an seiner Bilanz in Diensten des Autoherstellers verzichtet.

Not- und Übergangslösung

Für Fondsmanager Michael Muders von Union Investment kommt die Nominierung überraschend. "Seine fachliche Kompetenz ist unbestritten, aber er kann das Amt aufgrund seines Alters nur bis 2024 ausüben", gibt Muders zu bedenken. Pischetsrieder gehört dem Aufsichtsgremium von Daimler seit 2014 an. 2024. ist er für eine Wiederwahl für eine weitere Amtszeit zu alt. Die Geschäftsordnung des Aufsichtsrats sieht "in der Regel" eine Altersgrenze von 72 Jahren vor; Pischetsrieder wäre dann schon 76.

Ein Daimler-Sprecher betonte alledings, die Regel sei eine "Kann-Bestimmung", auch Bischoff sei bei seiner letzten Wahl schon älter gewesen. Marc Tüngler von der deutschen Aktionärsvereinigung DSW nannte Pischetsrieder eine "Not- und maximal Übergangslösung".

Nachfolgekandidaten werden bereits gehandelt

Bischoffs Abschied stand schon länger fest. Der ehemalige Dasa-Chef und EADS-Aufsichtsratschef steht seit 2007 an der Spitze des Gremiums. Für seine Nachfolge war der scheidende Siemens-Chef Joe Kaeser als aussichtsreicher Kandidat gehandelt worden. Der Zeitung "Handelsblatt" zufolge könnte Telekom-Chef Tim Höttges Pischetsrieder in zwei oder vier Jahren ablösen. Er genieße Akzeptanz bei Betriebsräten und Politik. Höttges sitzt seit dem Sommer im Daimler-Aufsichtsrat. Der Vertrag des 58-Jährigen bei der Telekom läuft 2024 aus.

Bischoff erklärte, er schätze Pischetsrieder menschlich und fachlich sehr: "Er hat die Entscheidungen, den Konzern zu digitalisieren und das Produktportfolio zu elektrifizieren und damit neu auszurichten, intensiv begleitet." Zetsche waren nach dem Führungswechsel auf Ola Källenius unter anderem Versäumnisse bei der Elektroautostrategie vorgeworfen worden. Sowohl bei BMW als auch bei VW hatte Pischetsrieder vorzeitig gehen müssen. In München wurde ihm 1999 die unglückliche Übernahme von Rover zum Verhängnis, in Wolfsburg hatte er sich 2006 mit Großaktionär und Aufsichtsratschef Ferdinand Piech überworfen. Pischetsrieder war bis 2019 Aufsichtsratschef des weltgrößten Rückversicherers Münchener Rück, wo er für den ehemaligen Vorstandschef Nikolaus von Bomhard Platz machte.

Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher

Arbeits- und Wirtschaftsminister Kocher: "Kein Grund für Panik"

Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher über die Energiekrise und …

Hohe Energiekosten: Gratisstrom für alle scheint eine gangbare Lösung zur Eindämmung zu sein.

Gratis-Strom: eine "überlegene Handlungsoption"

Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) hat seinen Vorschlag für ein …

Erste Group CEO Willibald Cernko

Erste Group CEO Willibald Cernko: "Wir sollten uns nicht so fürchten"

Der neue Erste-Group-Chef Willibald Cernko im trend. INTERVIEW über …

Martin Selmayr, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich.

Martin Selmayr: „Der Rubel ist auf der Intensivstation“

Martin Selmayr, Leiter der EU-Kommissions-Niederlassung in Österreich, im …