Benkos Signa setzt bei der Fusion Karstadt/Kaufhof den Rotstift an

Benkos Signa setzt bei der Fusion Karstadt/Kaufhof den Rotstift an

Bis zu 5000 Stellen werden im Zuge der Fusion von Karstadt und Kaufhof gestrichen. Das neue Headquarter der fusionierten Warenhausketten soll die Karstadt-Zentrale in Essen werden. Die Beschäftigten sollen in Betriebsversammlungen informiert werden.

Wien/Köln/Essen. Rene Benkos Signa-Holding setzt bei der Fusion von Karstadt mit Kaufhof den Rotstift nun in die Konzernzentralen der beiden Kaufhäusern an. Insgesamt 5000 Jobs inklusive Teilzeitstellen sollen gestrichen werden. Alleine in den Zentralen von Karstadt und Kaufhof sollen 1000 Stellen gestrichen werden. Etwa jede fünfte Stelle soll somit gestrichen werden.

Das Sorgenkind Nummer eins ist die Galeria Kaufhof. Bei einem Treffen der Führungskräfte der neuen Warenhausholding von Karstadt und Galeria Kaufhof am Freitag in Essen sagte der Chef des Gemeinschaftsunternehmens, Stephan Fanderl, laut "Süddeutscher Zeitung" (SZ): "In seinem derzeitigen Zustand ist Galerie Kaufhof langfristig nicht überlebensfähig."

Galeria Kaufhof benötigt laut Fanderl ein "umfassendes Sanierungskonzept". Kurzfristig brauche die Warenhauskette Investitionen in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags. Im November 2018 wurde Kaufhof Galeria mit Karstadt zu einem Gemeinschaftsunternehmen fusioniert.

Bereits im November aber habe Karstadt-Eigner Signa eine Finanzspritze in "signifikanter Millionenhöhe" leisten müssen, um die Kette zu stabilisieren.

Essen statt Köln

Die Headquarter-Frage dürfte ebenso beantwortet sein. Der neue deutsche Warenhausriese aus Karstadt und Kaufhof federführend aus der Essener Karstadt-Zentrale heraus gelenkt werden. Alleine in den beiden Konzernzentralen sollen Hunderte Jobs gestrichen werden. In der bisherigen Karstadt-Zentrale in Essen soll demnach die künftige Konzernleitung sitzen. Alle wesentlichen Führungs- und Verwaltungsfunktionen von Kaufhof werden laut "SZ" von Köln nach Essen verlagert.

In der ehemaligen Kaufhof-Zentrale in Köln werde den Plänen zufolge lediglich ein Kompetenz-Center für Digitalisierung, Onlinehandel und das Geschäft mit reduzierter Marken-Bekleidung geschaffen.

Sanierungsbedingte Filialschließungen seien hingegen nicht geplant. An Standorten, an denen Mietverträge auslaufen, seien Schließungen hingegen möglich.

Der Ausstieg aus dem Kollektivvertrag sei "gegenwärtig alternativlos", erklärte Fanderl. Dies sei "keine grundsätzliche Ablehnung von Tarifverträgen", versicherte er. Er strebe in einem nächsten Schritt eine auf die Notlage von Kaufhof zugeschnittene Tariflösung an, also einen sogenannten Haustarifvertrag.

Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger erklärte: "Ein Sanierungsplan ohne Einbeziehung des Betriebsrats und die Ankündigung des Ausstiegs aus der Tarifbindung - das lehnen wir ab und werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen."

Nutzenberger kritisierte, es sei nicht hinnehmbar, dass der Konzern sich "allein auf dem Rücken der Beschäftigten gesundstoßen" wolle. Was völlig fehle, sei ein tragfähiges Zukunftskonzept. "Wo sind die Vorschläge, wie es in Zukunft weitergeht? Wo soll investiert werden? Welche Opfer sollen die Manageretagen aufbringen? Nichts davon wird angepackt."

Kaufhof ist seit Ende November Teil eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem Konkurrenten Karstadt. Der frühere Kaufhof-Eigner HBC hatte der Fusion im vergangenen Jahr nach langem Zögern zugestimmt. Die Nordamerikaner sind mit 49,99 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen mit Karstadt beteiligt, das über rund 240 Filialen mit einem Umsatz von gut fünf Mrd. Euro und rund 32.000 Mitarbeiter verfügt. Mehrheitseigner ist die Signa Holding des österreichischen Investors Rene Benko. Karstadt hat im operativen Geschäft das Sagen. Der langjährige Karstadt-Chef Stephan Fanderl führt den neuen Warenhaus-Riesen. Der Konzern muss im erbitterten Wettbewerb mit den Online-Händlern von Amazon bis Zalando bestehen.

Rote Weihnachten bei Kaufhof

Im wichtigen Weihnachtsgeschäft hatte Kaufhof laut Fanderl ein Minus von fast vier Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielt und war somit "deutlich unter den Erwartungen" gelegen. Eine "entschlossene Sanierung" sei nun notwendig.

Die Arbeitnehmervertreter hatten erklärt, beide Warenhäuser hätten ihren Platz in Deutschland. Die Tarifkommissionen hatten eine Standort- und Beschäftigungssicherung sowie eine volle Tarifbindung der beiden Häuser an die Flächentarifverträge für den Handel gefordert.

Der vom trend als "Mann des Jahres 2018" gewählte Signa-Chef und Eigentümer René Benko hat seine Ziele klar abgesteckt, wie der trend einmal mehr im Dezember 2018 berichtet hat. Die Übernahme der maroden Möbelkette kika/Leiner, der Einstieg in die Tageszeitungen "Krone" und "Kurier" und auch der Griff nach Kaufhof im Jahr 2018 und zuvor Karstadt erstaunt und lässt erfahrende Topmanager ratlos zurück

Benko hatte lange Zeit auf Immobilien gesetzt und ist erst relativ spät in den Handel eingestiegen. Signa wird heuer 20 Jahre alt. Und weitere Projekte sind in Vorbereitung.

Die Bilanzsumme der Immobiliendivision wird für 2018 mit 14 Milliarden Euro angegeben, die Pipeline für weitere Projekte mit acht Milliarden. "Wir sind einer der größten und jedenfalls der profitabelste Immobilienentwickler Europas", sagt Benko dem trend. Der Umsatz im Einzelhandel beträgt aktuell rund 7,5 Milliarden. Zehn Milliarden sind das nächste Ziel.

Das kartellrechtliche Okay für die Fusion von Karstadt und Kaufhof hatte er im Herbst 2018 bekommen. Kaufhof/Karstadt wird mit der Fusion der zweitgrößte Kaufhausbetreiber Europas hinter El Corte Inglés aus Spanien.


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