Beim Startup Neovoltaic geht die Batterie aus

Beim Startup Neovoltaic geht die Batterie aus

Die letzte Kraftanstrengung via Conda hat Neovoltaic im Vorjahr nochmals Geld in die Kassen gespült. Ein Jahr danach ist Schluss mit großen Worten.

Einst hoch in den Himmel gejubelt, nun tief gefallen: Beim Startup Neovoltaic ist im siebenten Jahr seines Bestehens Schluss. Trotz prominenter Unterstützung und zuletzt Crowdfunding geht beim Photovoltaik-Spezialisten das Licht aus. Für die Gläubiger bleibt im Insolvenzverfahren so gut wie nichts übrig. Die Crowdfunder gehen leer aus.

Graz. Neovoltaic sollte einst Österreich und die Nachbarländer als Photovoltaik-Company erobern. Im Jahr 2010 gestartet, kam im Juli 2017 das aus. Überraschend. Hatte das Unternehmen doch mit mehreren Finanzierungsrunden aufhorchen lassen. Und Geld eingesammelt. Werner Posch, Gründer und CEO des Unternehmens, hatte zwar prominente Geldgeber und Fürsprecher gewonnen. Doch nun ist Schluss für Neovoltaic und seinem Energiespeichersystem.

Der Kick des Produkts: Photovoltaikanlagen für den Heimgebrauch, die mit einem leistungsstarken Stromspeicher versehen das traute Heim autark machen sollte. Die Theorie klingt vernünftig, das Produkt schien nicht ausgereift genug zu sein, um letztendlich den Kunden zu überzeugen. Die Photovoltaik-Komponenten hat Neovoltaic billig in China eingekauft, um diese im Billiglohnland Slowenien als höherwertige Energiesysteme mit Lithium-Eisen-Phosphat Batterien zusammen zu bauen. Der Kick des Produkts: Das Energiespeichersystem soll 100 Prozent des Energiebedarfs ausschließlich auf Basis der erneuerbaren Energieträger Sonne, Wind und Wasser abdecken. Und in Österreich und Deutschland auf den Markt zu bringen.

Sieben Jahre nach Gründung war im Juli der Gang zum Konkursgericht unvermeidlich. Selbst die im Vorjahr noch angestrengte "Schwarmfinanzierung" via Crowdinvesting-Platform, die unerwartet viel Geld in die nun leeren Kassen gespült hatte, brachte nichts.

Doch auch die großen Namen haben schlussendlich nichts genutzt.. Am Dienstag war die erste Gläubigerversammlung der insolventen Neovoltaic. Die Company hatte am 21. Juli 2017 Konkurs anmelden müssen. Die Passiva beliefen sich auf 3,07 Mio. Euro bei einem Vermögen (Aktiva) von 0,57 Millionen Euro. Unterm Strich stehen Schulden von 2,7 Millionen Euro. Insgesamt steht das Unternehmen bei 470 Gläubigern in der Kreide. Das Unternehmen hatte zum Zeitpunkt des Konkurses im Juli noch 27 Mitarbeiter.

Zu den Prominenten zählen etwa Ex-OMV-Generaldirektor und Telekom Austria-Aufsichtsratschef Wolfgang Ruttenstorfer, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Austrian Airlines Alfred Ötsch (auch Aufsichtsratschef und Aktionär), Unternehmer Gerold Pankl, Österreichs prominenter Starinvestor von Startups Hansi Hansmann (Aufsichtsrat und Aktionär), der in mehreren Startups investiert ist und erfolgreich etwa bei dem Verkauf von Runtastic an adidas den großen Schnitt gemacht hat, sowie Aleksandra Izdebska, einstige Firmenchefin des 2014 in die 24-Millionen-Pleite geschlitterten Elektronikhändlers Ditech, die als Marketingchefin angeheuert hatte.

Niedrige Quote

Und auch im Insolvenzverfahren dürfte sich wohl kein Investor finden, der das Unternehmen fortführen will. Mit rund 2,7 Millionen Euro ist das Unternehmen aus Hartberg in der Steiermark überschuldet. Bei der Gläubigersammlung war das Interesse von neuen Investoren sowie der 470 Gläubiger überschaubar. Der Großteil dürfte Neovoltaic schon abgehakt haben. Einige wenige Gläubigervertreter waren alleine mit dem Masseverwalter bei der Gläubigerversammlung.

Der Fortbetrieb des Unternehmens gilt seit gestern als unwahrscheinlich. "Rund 100.000 Euro Fixkosten pro Monat wären zunächst notwendig, um das Unternehmen überhaupt fortführen zu können", sagt Insolvenzexperte Georg Ebner vom Kreditschutzverband KSV1870.

Noch im Vorjahr hatte das einstige Vorzeige-Startup die damals inoffiziell dritte Finanzierungsrunde eingeläutet. Über die Crowdinvesting-Platform Conda hat Neovoltaic von 348 Crowdinvestoren insgesamt 761.200 Euro erhalten. Interesse und Euphorie der Anleger waren groß. Mit 1.452 Prozent war das ursprüngliche Fundingziel weit übertroffen worden. Gelockt wurde bei einem Eckzinssatz von fast Null Prozent mit einer Verzinsung von 4,5 Prozent auf die Einlage. Ab einer Beteiligung von 5000 Euro wurden sogar 5,5 Prozent Zinsen pro Jahr versprochen bei einer Mindestbindung von fünf Jahren.

Für die "Schwarminvestoren" ist der Traum vom großen Geld wie eine Seifenblase knapp ein Jahr nachdem sie das Geld überwiesen hatten geplatzt. CEO Posch hatte noch von 20 Prozent Rendite nach fünf Jahren gesprochen. Der Wert von Neovoltaic wurde noch vor der Crowdinvesting-Kampagne im Vorjahr auf 4,8 Millionen Euro geschätzt.

Ein Jahr danach gibt es aber nur noch wenig zu verteilen. Vor allem was die Crowdinvestoren anbetrifft, die in der Reihung der Gläubiger ganz hinten stehen. Crowdinvesting ist rechtlich ein nachrangiges Darlehen. "Eine reine Risikofinanzierung, wo man beim Konkurs mit dem Totalverlust zu rechnen hat", wie KSV-Experte Ebener meint.

Andere Gläubiger wie Lieferanten und Banken werden im Insolvenzverfahren hingegen bei der Verwertung der Konkursmasse zuerst zum Zug kommen. "Ich rechne aber nur mit einer Konkursquote im einstelligen Prozentbereich", sagt KSV-Insolvenzexperte Ebner. Die "Schwarmfinanzierer" können ihre Forderung zwar anmelden. Mit ihrem nachrangigen Darlehen stehen die Chancen schlecht überhaupt noch einen Cent zu sehen. "Die Crowdinvestoren werden wohl durch die Finger schauen", meint Ebner.

Die Schlussrechnung wird mit der Prüfungstagsatzung am 25. September 2017 präsentiert. Bis dahin werden dann auch noch mögliche Schadenersatzforderungen von Kunden berechnet. Und des letztgültige Schuldenstand festgestellt samt Konkursquote. Danach wird bei Neovoltic endgültig die Batterien ausgehen.

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