Kräftiger Anstieg der Flugausfälle bei Lufthansa & Co

Kräftiger Anstieg der Flugausfälle bei Lufthansa & Co

Die Lufthansa und ihre Billigflugtochter Eurowings haben massive Verspätungen und einen kräftigen Anstieg bei Flugausfällen eingeräumt. Auch bei der Tochter AUA sowie beim Billigkonkurrenten Ryanair drohen nun zur Hauptreisezeit Flugausfälle. Die Reiseveranstalter steigen auf die Barrikaden. Die Fluggastrechte-Agenturen haben Hochkonjunktur.

Wien/Düsseldorf. Wer einen Flug mit Lufthansa, ihrer Billigtochter Eurowings oder AUA bucht, muss derzeit damit rechnen, dass er später an seine Ziel kommt oder gar der Flug gestrichen wird. Vor allem bei Eurowings, der Billigflugtochter der Lufthansa, ist derzeit ein kräftiger Anstieg von Ausfällen und Verspätungen zu verschiedenen Destinationen an der Tagesordnung. Aber auch die Konkurrenz Ryanair hat einmal mehr Schwierigkeiten.

Alleine im Juni seien täglich rund 25 Flüge ausgefallen, hieß es am Dienstag im Ö1-"Mittagsjournal" des ORF-Radios. Und auch die Mutter Lufthansa hat ihre Probleme. Im ersten Halbjahr hat die AUA-Mutter schon mehr Flüge streichen müssen als im gesamten vergangenen Jahr. Und beim Thema Pünktlichkeit hat der deutsche Luftfahrtkonzern kräftig nachgelassen. Die Lufthansa hat das heute selbsteingeräumt, dass die Pünktlichkeit auf "ein für sie selbst unakzeptables Niveau gesunken" sei. Die Airline hatte sich offiziell in einem Entschuldigungsschreiben an Kunden erklärt.

2800 Flugausfälle hat die Lufthansa bestätigt. Hauptgrund seien Fluglotsenstreiks, Engpässe bei der Flugsicherung und bei der Infrastruktur sowie Wetterkapriolen durch die vielen Gewitter. Die Lufthansa-Tochter Eurowings hat sich ebenso bei seinen Statuskunden entschuldigt. Eurowings wird bereits seit Monaten für Flugausfälle und -verspätungen kritisiert. Und geklagt.

Die Flugverspätungen alleine auf Streiks und Witterungsbedingungen abzuschieben, ist jedoch die verkürzte Darstellung der Realität.

Eurowings hat große Teile der insolventen Air Berlin übernommen und ist so zum drittgrößten Billigflieger Europas geworden. Die Integration der Flugzeuge und Besatzungen dürfte weiter für Probleme sorgen. Dazu kommt noch, dass bei der Lufthansa-Tochter Eurowings schon ab Herbst 2017 darauf spekuliert wurde, bei den freiwerdenden Air Berlin-Slots zum Zuge zu kommen. Lufthansa hatte bei den Verkaufsverhandlungen den Kürzeren gezogen. Und Eurowings hatte somit weniger Slots erwerben können, als kalkulierte wurde.

"Wir haben einen Anstieg von Beschwerden und Anfragen von rund 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahr", berichtete die Geschäftsführerin der Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte, Maria-Theresia Röhsler. Und dies sei hauptsächlich auf die AirBerlin-Pleite und Niki zurückzuführen.

"Hier hatten wir schon sehr viele Beschwerden und Anfragen", so Röhsler. Und das dürfte auch im Jahr 2018 so weitergehen. Die Agentur sei eigentlich nicht davon ausgegangen, dass sich das dieses Jahr wieder steigern würde. "Aber es ist tatsächlich zu beobachten."

Die Eurowings hatte 70 der einst 140 Flugzeuge der Pleite-Gesellschaft Air Berlin übernommen. Deren Transfer zu Eurowings werde aber noch bis Ende Juli dauern. Danach soll laut Auskunft von Eurowings der Flugbetrieb wieder zuverlässiger werden.

Der Skandal

Doch damit wollen sich die Reiseveranstalter nicht besänftigen lassen. Sie sind derzeit auf den Lufthansa-Konzern nicht gut zu sprechen, reichen die Flugverspätungen bis in die Urlaubssaison hinein. Zahlreiche Reiseveranstalter aus Österreich und Deutschland hätten sich bereits bei der Geschäftsführung von Lufthansa und Eurowings beschwert.

"Wir waren es über viele Jahre gewöhnt, dass Fluglinien ordentliche Flugzeiten hatten und diese auch eingehalten haben und jetzt sehen wir bei verschiedenen Airlines, dass sie wohl Flugverbindungen in den Markt gestellt haben, aber offensichtlich gewusst haben, dass sie nicht alle fliegen können und das halten wir, auch im Fachverband, für skandalös", sagte der Obmann des Fachverbandes der österreichischen Reisebüros in der Wirtschaftskammer, Felix König, im ORF-Radio.

Die Rechte der Passagiere

Für die Lufthansa und ihre Tochter könnte das noch ein teures Nachspiel werden. Wenn ein Flug annulliert wird oder sich um mehr als drei Stunden verspätet, steht Passagieren nach EU-Recht eine Entschädigung von bis zu 600 Euro zu - je nach Entfernung der Destination.

Der Fachverband der Reiseveranstalter habe auch bereits das Verkehrsministerium informiert und bereite einen formalen Protestakt vor. "Wir wollen nicht akzeptieren, dass Dinge, die absehbar waren, letztendlich am Markt durchgedrückt werden - wissend, dass es einige Flugausfälle gibt", betonte König.

Der Österreichische ReiseVerband (ÖRV) habe in seinem Brief an Eurowings auch darauf hingewiesen, dass den Reisebüros "massive Kosten" entstanden seien. "Und Eurowings ist das ziemlich egal, darf ich Ihnen sagen", so König.

Weitere Flugausfälle

Doch nicht nur bei der Lufthansa-Tochter Eurowings sind weitere Verspätungen, Ausfälle und Flugstreichungen zu befürchten. Auch bei Austrian Airlines könnte es demnächst wieder einmal zu Flugausfällen kommen.

Der Abschluss des neuen Kollektivvertrag (KV) für das AUA-Bordpersonal ist vorerst geplatzt. Nach der Einigung auf ein Eckpunktepapier am 1. Mai hätte der fertig ausformulierte Vertragstext am 18. Juni unterschrieben werden sollen. Stattdessen sei er vom Unternehmen wieder aufgeschnürt worden, kritisierte der Betriebsrat am Dienstag. Für Ende Juli sind Betriebsversammlungen geplant.

Dem trat AUA-Sprecher Peter Thier entgegen: "Für uns ist der Abbruch der Nachverhandlungen völlig unverständlich und nicht nachvollziehbar. Wir sind jederzeit unterschriftsbereit und stehen zur Vereinbarung." Es sei bei der Ausformulierung des Kollektivvertrags zuletzt nur noch ein Detailpunkt offen gewesen, nämlich die Mehrleistungsfaktorisierung bei Teilzeit-Piloten, sagte der Unternehmenssprecher zur APA

"Sollte nicht umgehend eine Lösung auf dem Tisch liegen, dann werden wir das Personal im Sommer im Rahmen von Betriebsversammlungen umfassend informieren", drohen die Betriebsräte. Die Versammlungen sind für Ende Juli geplant, wie es zur APA hieß.

Und auch beim Billigflieger und Lufthansa-Konkurrenten Ryanair, der bis zu drei Viertel von Niki Laudas aus der Insolvenzmasse zurückgekauften Air Berlin-Anteil übernehmen will und von Österreich aus durchstarten will, wird es wohl zu Streiks und Flugausfällen kommen.

Nach der irischen Gewerkschaft IALPA hat nun auch die deutsche Vereinigung Cockpit (VC) die Tarifverhandlungen mit der europaweit agierenden Fluggesellschaft abgebrochen.

Wer mit Ryanair aus Portugal, Belgien, Italien und Spanien fliegt, droht Ende Juli ein bis zu zweitägiger Streik. Sollte die irische Fluggesellschaft keine Zugeständnisse bei den Arbeitsbedingungen des Kabinenpersonals machen, werde es darüber hinaus weitere Arbeitsniederlegungen geben, teilten fünf Gewerkschaften vorige Woche mit.

Demnach wird das Kabinenpersonal in Italien am 25. Juli für 24 Stunden streiken und die Besatzung in Spanien, Portugal und Belgien am 25. und 26. Juli für 48 Stunden lang. Die Erklärung wurde von der belgischen CNE/LBC, der spanischen SITCPLA und USO, der portugiesischen SNPVAC und der italienischen Gewerkschaft Ultrasporti unterzeichnet.

Der Ryanair-Streik in weiterer Folge auch Auswirkungen auf Flüge nach und von Österreich haben.

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