Bayer lockt Monsanto mit kräftigem Aufschlag

Bayer lockt Monsanto mit kräftigem Aufschlag

Der deutsche Chemie- und Pharmamkonzern hat nun sein Übernahmeoffert an den US-Saatguthersteller Monsanto präzisiert. Und lockt die Monsanto-Aktionäre mit einer kräftigen Aufschlag.

Leverkusen/St. Louis. Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer will für insgesamt 62 Mrd. Dollar (umgerechnet rund 55 Milliarden Euro) den US-Saatgutriesen Monsanto übernehmen. Pro Monsanto-Aktie wolle man 122 US-Dollar zahlen, teilte das Leverkusener Unternehmen am Montag mit. Das sei eine erhebliche Prämie für die Monsanto-Aktionäre. Die Monsanto-Aktien hatten am Freitag bei 101,52 Dollar geschlossen.

"Wir befinden uns in konstruktiven Gesprächen mit Monsanto", sagte der neue Bayer-Chef Werner Baumann am Montagmorgen in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. "Wir sind vollkommen überzeugt von unserer Offerte." Die Monsanto-Übernahme biete für Bayer eine "überzeugende" Gelegenheit, "ein weltweit führendes Unternehmen für Saatgut, Pflanzeneigenschaften und Pflanzenschutz zu schaffen", teilte Bayer mit.

Vorige Woche hatte Bayer erstmals eine Übernahme avisiert als Monsanto an der Börse noch rund 42 Milliarden Dollar wert war. Unmittelbar nach dem Avis war der Aktienkurs von Monsanto um bis zu 17 Prozent gestiegen.

Mit der Übernahme von Monsanto - der auch das hoch umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat produziert - würde die Sparte Pflanzenschutz zur größten des Konzerns. Bayer machte mit rund 117.000 Beschäftigten im vergangenen Jahr einen Umsatz von 43,6 Mrd. Euro. Monsanto mit rund 21.000 Mitarbeitern wies im Geschäftsjahr 2014/2015 einen Umsatz von 15 Mrd. aus.

Für Bayer könnte der Deal auf jeden Fall noch teurer werden. Monsanto-Chef Hugh Grant hatte das Unternehmen in den vergangenen 13 Jahren von einem Höhepunkt zum nächsten geführt. In den 13 Jahren unter Letiung von Grant wurde der Börsenkurs um das Elffache gesteigert.
Und Monsanto hatte vorige Woche die Avancen des niederrheinischen Chemie- und Pharmakonzerns abgelehnt. Das Bayer-Angebot sei "unverbindlich und unerbeten".

Die Bayer-Aktien sind am Montag nach dem Übernahmeangebot im frühen Handel um bis zu 3,8 Prozent auf das Zwei-Jahrestief gefallen. Im Verlauf des Vormittags hat sich das Minus um 3,0 Prozent einpendelt. Die Aktionäre sind im Gegensatz zum Vorstand nicht überzeugt, weil der Preis für das Offert zu hoch sei. Dazu kommt, dass Monsanto wegen gentechnisch veränderten Produkten starke Imageprobleme bekommen hat. Das Unkrautbekämpfungsmittel Glyphosat soll angeblich krebserregend sein. Das Unternehmen hat auch wegen seiner Geschäftspraktiken nicht den besten Ruf.

"Das Angebot ist ziemlich hoch, wenn man bedenkt, dass das der erste Versuch ist", kommentierte ein Aktienhändler die Bayer-Offerte.

Bayer erwarte eine positive Antwort von Monsanto. Ob der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern gegebenenfalls auch eine feindliche Übernahme, gegen den Willen von Vorstand und Verwaltungsrat des Glyphosat-Herstellers, machen würde, kommentierte Bayer-Vorstandschef Baumann nicht. Die Übernahme sei komplett finanziert, Portfoliomaßnahmen wie etwa ein schnellerer Ausstieg bei der Kunststofftochter Covestro, seien dafür nicht nötig.

"Bayer will durch Übernahme von Monsanto ein weltweit führendes Unternehmen der Agrarwirtschaft werden", erklärte der Konzern. Die Akquisition solle durch eine Kombination aus Fremd- und Eigenkapital finanzieren werden. Der Eigenkapitalanteil soll voraussichtlich rund 25 Prozent des der Transaktion zugrundeliegenden Unternehmenswerts abdecken, vornehmlich durch eine Bezugsrechtskapitalerhöhung. D

Eine Handvoll Konkurrenten

Der weltweite Markt für Pflanzenschutzmittel und Saatgut wird mit Syngenta, Monsanto, Bayer, DuPont Pioneer, Dow Chemical und BASF nur von einer guten Handvoll Firmen kontrolliert. Monsanto und Bayer würden zusammen ein breites Angebot im Pflanzenschutz und Saatgut auf die Beine stellen. Der Zukauf könnte aber vor allem in den USA auf kartellrechtliche Hürden wegen Überlappungen im Saatgutgeschäft, insbesondere bei Sojabohnen, Baumwolle und Raps, stoßen.

Bei einer Übernahme der US-Amerikaner muss sich der neue Bayer-Chef Werner Baumann aber noch auf ganz andere Kritik einstellen: Kein anderer Konzern der Branche hat ein derart schlechtes Image wie Monsanto. Der Saatgutriese steht immer wieder wegen seiner aggressiven Geschäftspraktiken und seiner gentechnisch veränderten Produkte in der Kritik. Die US-Amerikaner sind zudem der Entwickler des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein.

Wirtschaft

Weltweiter Tourismusboom hält auch 2020 an

VW erhöht Milliarden-Budget
für E-Autos und Digitalisierung

Wirtschaft

VW erhöht Milliarden-Budget
für E-Autos und Digitalisierung

EU-Handelsüberschuss mit USA
wächst weiter

Wirtschaft

EU-Handelsüberschuss mit USA
wächst weiter

Politik

Gutachten: "Casinos Finanzchef Sidlo sofort abberufen"