Bayer hat ein 12-Billionen-Euro-Risiko wegen Monsanto

Bayer hat ein 12-Billionen-Euro-Risiko wegen Monsanto

Bayer im Billionen-Risiko: Der einstige US-Agrarkonzern Monsanto mit dem glyphosathaltige Roundup ist das totale Desaster des deutschen Bayer-Konzerns.

Der größte Unternehmenskauf in der Firmengeschichte wird für Bayer zum Albtraum. Im dritten Prozess binnen weniger Monate wurde Bayer wegen seiner Tochterfirma Monsanto zu einer Geldstrafe von rund 2 Milliarden Dollar verdonnert. 13.400 Klagen wegen glyphosathaltigen Unkrautvernichter von Monsanto sind noch offen. Die Aktie rasselt weiter in den Keller.

Oakland/Leverkusen/St. Louis. Beim deutschen Pharmakonzern Bayer geht es an das Eingemachte. Im dritten Prozess wegen des Unkrautvernichters Glyphosat der Tochter Monsanto wurde der Konzern von einem US-Gericht in Oakland zu einer weiteren Schadenersatzzahlung verdonnert. Aber dieses Mal geht es um eine satte Strafzahlung Summe von mehr als zwei Milliarden Dollar (rd. 1,78 Mrd. Euro), die Bayer an die beiden Kläger zahlen muss.

In den beiden vorigen Klagen kam Bayer fast noch glimpflich davon. Die US-Gerichte verdonnerten Bayer zu Schadenersatzzahlungen von insgesamt rund 160 Millionen Dollar. Aber auch hier hatte es sich schon abgezeichnet, das Bayers Argumente vor Gericht nicht halten. Der deutsche Chemiekonzern hatte bei den ersten beiden Urteilen der Gerichte in den USA Berufung eingelegt oder angekündigt.

Bayer hatte die Übernahme von Monsanto im Jahr 2016 um rund 60 Milliarden Euro angekündigt. Im Vorjahr kam dann das OK der Kartellwächter. Der deutsche Chemieriese hatte somit auch sämtliche Klagen wegen mutmaßlich gesundheitsgefährdenden glyphosathaltigen Unkrautvernichtungsmittel übernommen, was bei etlichen Aktionären auf massive Kritik gestoßen ist.

Bei einem Urteil wie zugunsten des Ehepaars aus den USA, könnte es für Bayer sehr teuer werden. 13.400 Klägern sind eingereicht und noch offen. Gehen die Gerichte vom aktuellen Spruch aus, dann müsste Bayer pro Kläger 900 Millionen Euro zahlen. Das wäre eine Gesamtstrafe in Höhe der unvorstellbaren Summe von über 12 Billionen Euro Strafe zahlen - also über 12.000.000.000.000 Euro.

Viele Bobachter glauben, dass Bayer so rasch wie möglich außergerichtliche Lösungen finden will, um sich mit den 13.400 Personen so rasch wie möglich zu vergleichen.

Der Aktienkurs von Bayer [ISIN DE000BAY0017] ist bis Dienstagmittag einmal mehr kräftig gesunden. Um mehr als zwei Prozent auf etwas über 55 Euro. Seit der offiziellen Übernahme von Monsanto im März 2018 ist der Börsenwert des Leverkusener Chemiekonzerns damit um fast 45 Prozent auf heute rund 51 Mrd. Euro geschrumpft.

Das Kuriose: Nachdem Bayer im Jahr 2016 nichts unversucht ließ, um sich den Pestizidkonzern Monsanto einzuverleiben, könnte nun Bayer selbst ein Übernahmekandidat werden, vor allem wenn die Monsanto-Risiken abgewickelt sind.

Die Dualität der Ereignisse im Börsenchart: Im Mai 2016 wird Werner Baumann Bayer-Vorstandschef, der massiv die Monsanto-Übernahme betrieben hatte. Der Börsenkurs der Bayer-Aktie ist seither abgestürzt. Und der Bayer-Konzern steht nun vor einem Scherbenhaufen.

Die Aktionäre hatten ihrem Grant zuletzt massiv Luft verschafft. Konzernchef Werner Baumann war bei der Hauptversammlung Ende April daher die Entlastung verweigert worden. Ein Novum: Erstmals in der Geschichte eines Dax-Unternehmens ist die Boss nicht entlastet worden, was rechtlich keine Konsequenz nach sich zieht.

Etliche Aktionäre waren Ende April zur Hauptversammlung nach Bonn gezogen, und waren aufgebracht, warum Bayer "eine solche Giftfirma kaufen konnte", wie mehrere Aktionäre in TV-Kameras sagten. Der Aufsichtsrat hat jedoch Vorstandschef Baumann, der erst seit Mai 2016 an die Spitze steht, das Vertrauen ausgesprochen. Es war auch Baumann, der kurz nachdem er in die Chefposition gehievt wurde, mit dem Monsanto-Deal mit aller Vehemenz und gegen die Bedenken der Kritiker den Deal stemmen wollte, um kurz nach Amtsantritt gleich seine Macherqualitäten zu demonstrieren. Ein Milliarden schwerr Irrtum.

Bayer-CEO Werner Baumann braucht künftig bessere Argumente als zur Hauptversammlung Ende April 2019, um den deutschen Konzern wegen der Monsanto-Klagen vor dem totalen Desaster zu bewahren.

Der Fehler von Bayer

Im nun dritten Prozess rund um das Pestizid Roundup wurde nach Angaben der Anwälte der Kläger ein "historisches Strafmaß" erreicht. Das Ehepaar Alva und Alberta Pilliod aus den USA, beide über 70 Jahre alt und an Lymphdrüsenkrebs (Non-Hodgkin-Lymphom) erkrankt, hatten das Verfahren angestrebt. Bei Alberta Pilliod wurde das Krebsleiden 2015 erkannt, bei ihrem Mann schon 2011. Sie machen die jahrzehntelange Verwendung des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup von Monsanto für ihre Erkrankung verantwortlich.

Einer der Anwälte des Paares, Michael Miller, kritisierte: "Sie haben die Werbung im Fernsehen geschaut und gedacht, sie könnten dem Unternehmen vertrauen. Da haben sie sich getäuscht." Das Urteil sei "sonnenklar: Monsanto muss sein Verhalten ändern", sagte ein weiterer Anwalt, Brent Wisner. "Bayer hat einen Fehler gemacht."

Während des Ende März begonnenen Prozesses hatte die Anklage immer wieder versucht, die Geschworenen nicht nur davon zu überzeugen, dass Monsantos Produkte Krebs verursachen, sondern auch dass etwa mit manipulierten Studien Risiken verschleiert wurden.

Bayer behauptet, die Krebserkrankungen der beiden Kläger seien Folge von umfangreichen Vorerkrankungen. Es gebe keine wissenschaftlichen Beweise, dass es ohne den Einsatz von Glyphosat nicht zu der Krebserkrankung gekommen wäre. Der Konzern sei von der Entscheidung der Jury "enttäuscht". Es stehe in direktem Widerspruch zu der Einschätzung der US-Umweltschutzbehörde EPA, die erst vergangenen Monat im Rahmen der vorläufigen Zulassungsüberprüfung veröffentlicht wurde.

"Nach Auffassung der EPA sowie weiterer führender Regulierungsbehörden sind glyphosatbasierte Produkte bei sachgerechter Anwendung sicher und Glyphosat ist nicht krebserregend", betonte das Unternehmen. Diese Einschätzungen basierten auf Erkenntnissen aus 40 Jahren umfangreicher wissenschaftlicher Forschung.

Die Story, Glyphosat sei bei sachgemäßer Anwendung sicher, wird von Bayer und Monsanto seit Jahren auch in Europa getrommelt. In einigen Ländern der EU dürfen noch immer glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt werden. in mehreren Ländern gibt es bereits Verbote, das bereits 1960 eingesetztet Pestizid weiter zu verwendne. Erst im März hat die deutsche Landwirtschaftministerin Julia Klöckner (CDU) die Zulassung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat bis zum Jahresende verlängert. Die Bundesregierung allen voran Ministerin Klöckner hatte zuvor noch angekündigt, künftig auf das umstrittene Herbizid verzichten zu wollen.

Das Medien-Desaster

Ein totales Desaster ist auch die Medienarbeit von Monsanto, das sich einmal mehr die Kritiker vornehmen und mit recht eigenwilligen Methoden sogar attackieren wollte. Das Urteil in Oakland fiel kurz nach Bekanntwerden von Listen mit Kritikern von Monsanto, die eine PR-Agentur für das Unternehmen in europäischen Ländern angelegt hatte.

Kritische Politiker, Wissenschafter und Journalisten wollte der Saatgutkonzern laut Bericht des französischen Senders France 2 "erziehen". Besonders hartnäckige Gegner wollte der Pestizidkonzern sogar "überwachen" lassen. Bayer entschuldigte sich bei den Betroffenen und betonte, keine Kenntnis davon gehabt zu haben.


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