Baustellen laufen mit verschärften Schutzmaßnahmen weiter

Der Betrieb auf den Baustellen kann weitergehen - aber mit verschärften Schutzmaßnahmen wegen der Ansteckungsgefahr durch Corona. Die Sozialpartner haben sich dazu auf einen 8-Punkte-Katalog geeinigt. Die Bau-Gewerkschaft hatte wegen fehlendem Schutz der Arbeiter auf einen generellen Baustellen-Stopp gedrängt.

Baustellen laufen mit verschärften Schutzmaßnahmen weiter

Ein Meter Abstand und häufiges Desinfizieren, so will man Arbeiter am Bau unter anderem besser schützen.

In Abstimmung mit Gewerkschaftsbund (ÖGB) und Wirtschaftskammer (WKÖ) haben sich die Bau-Sozialpartner auf acht konkrete Punkte geeinigt, die zu den bisherigen, allgemein am Bau geltenden Schutzvorschriften hinzukommen. "Wir setzen gewissermaßen oben einen Covid-19-Stock drauf", sagte Bau-Gewerkschaftschef Josef Muchitsch. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) prüfe zu diesen Punkten auch einen Erlass.

Kämmerer erleichtert
Wirtschaftskammer-Generalsekretär Karlheinz Kopf zeigte sich erfreut über die Einigung und auch darüber, dass damit dieser Bereich der Wirtschaft trotz der Krise und der Gesundheitsvorkehrungen am Laufen bleiben könne. Der Schutz der Beschäftigten sei auch für die Bauherren und die Baufirmen "oberstes Prinzip". Es sei aber gut, dass es nun Klarheit für alle in der Branche gebe. Die bisherigen Regelungen seien nicht eindeutig gewesen bzw. hätten sich einander zum Teil sogar widersprochen. Nun könne zumindest ein guter Teil der Tätigkeit im Bausektor aufrechterhalten werden. Das sei auch für die Zeit nach der Krise wichtig, so Kopf. Auch er würde einen Erlass von Anschober begrüßen, weil das Rechtssicherheit gewährleiste. Von den rund 95.000 Bauarbeitern, die vor der Corona-Krise eine Beschäftigung hatten, waren zuletzt nach Angaben von Donnerstag rund 55.000 zu Hause.

Die "Handlungsanleitung der Sozialpartner für den Umgang mit Baustellen aufgrund von Covid-19" sieht beispielsweise zusätzliche Vorgaben für die Arbeitshygiene und organisatorische Maßnahmen vorgesehen.

Werkzeuge, Autos und Maschinen regelmäßig desinfizieren
Zur Arbeitshygiene müssen dem Papier zufolge Desinfektionsmittel bereitgestellt werden und die sanitären und sozialen Einrichtungen (Waschgelegenheiten, Aufenthaltscontainer etc.) regelmäßig gereinigt werden; bei Werkzeugen, Fahrzeugen und Maschinen sind vor allem alle Griffe und Armaturen laufend zu desinfizieren. Das Umkleiden und Pausen sind zeitlich und örtlich zu trennen. Bei Arbeiten im Freien, bei denen der Ein-Meter-Abstand nicht einzuhalten ist, sind spezielle Maßnahmen von Mund-Nasen-Maske bis hin zu Vollvisier vorzunehmen, in geschlossenen Räumen sollen Atemschutzmaßnehmen bis zur Klasse FFP-1 verwendet werden, bei beengten Verhältnissen in geschlossenen Räumen sind zwingend hocheffiziente FFP-2-Masken vorgeschrieben.

Im Auto ein Meter Abstand, nur eine Person pro Zimmer
Arbeitgeber, die bekanntermaßen einer Covid-19-Risikogruppe angehören (etwa mit Immunsuppression oder Vorerkrankungen wie Diabetes) dürfen Bereiche mit erhöhtem Ansteckungsrisiko nicht betreten. Bei der An- und Abreise von Beschäftigten ist in den Fahrzeugen die Zahl der Personen so zu beschränken, dass mindestens ein Meter Abstand gewährleistet ist. "Schlafräume dürfen nicht mit mehr als einer Person belegt sein", lautet der Punkt 7. Und mit Punkt 8 werden den Baustellenkoordinatoren, üblicherweise ein Ziviltechniker oder Zivilingenieur, besondere Aufsichts- und Kontrollaufgaben auferlegt in Bezug auf eine größtmögliche zeitliche oder örtliche Entflechtung gleichzeitig durchzuführender Tätigkeiten. Zudem sind die Koordinatoren auch für die Einhaltung verschiedener spezieller Covid-19-Schutzmaßnahmen verantwortlich.

Zulieferer, Subfirma: Alle müssen neue Maßnahmen einhalten
Diese Regeln gelten auf den Baustellen "für alle", so Baugewerkschafter Muchitsch, "egal ob Zulieferer, Subfirma oder ausführende Firma". Ein Baustellenkoordinator ist seinen Angaben zufolge dann einzusetzen, wenn zwei oder mehr verschiedene Firmen zum Einsatz kommen bzw. bei lediglich einer Firma, sofern die Baustelle für länger als 30 Tage geplant ist oder mehr als 500 Manntage anfallen.

Holzbranche und Bauherrn stemmten sich gegen Baustopp
Wegen der Ansteckungsgefahr für die Beschäftigten hatte die Baugewerkschaft seit Mitte März von der Regierung per Verordnung ein Schließen der Baustellen im ganzen Land gefordert, weil das Vermeiden des direkten Kontaktes und die Einhaltung eines Mindestabstands in der Praxis nicht möglich sei. Baunahe Branchen wie der Holzsektor hatten sich gegen eine drohende "Stilllegung der heimischen Bauwirtschaft" gewehrt. Auch Auftraggeber von Bauvorhaben pochten darauf, dass weiter gearbeitet wird - was die Baufirmen in eine Zwickmühle brachte. "Ein paar Auftraggeber sind stur und beharren auf Fertigstellungsterminen. Um Pönalen zu vermeiden, arbeiten die Firmen weiter", war aus der Gewerkschaft Bau-Holz kritisiert worden.

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