Banken-Lobby: Frankfurt als Gewinner des Brexits

Die deutsche Finanzmetropole Frankfurt sieht sich als Krisengewinner des britischen Ausstiegs aus der Europäischen Union (EU). Der Standort-Lobbyverband "Frankfurt Main Finance" erwartet binnen fünf Jahren 10.000 zusätzliche Arbeitsplätze in der 700.000-Einwohner-Stadt am Main, sagt Geschäftsführer Hubertus Väth.

Banken-Lobby: Frankfurt als Gewinner des Brexits

"Man muss das erst einmal mit einem weinenden Auge sehen. Das ist weder gut für Großbritannien noch für Deutschland oder Europa. Wenn man aber den Blick auf Frankfurt verengt, kann man das auch mit einem lachenden Auge sehen," sagt Väth. Frankfurt Main Finance wird von Banken, Anwaltskanzleien, Wirtschaftsprüfern, dem Land Hessen und der Stadt Frankfurt getragen.

Frankfurt könne auf vier Feldern von einem Bedeutungsschwund von Europas Finanz-Hauptstadt London profitieren, sagte Väth, im Hauptberuf Chef einer PR-Agentur. Den größten Effekt werde es im Derivate-Geschäft geben. Bisher wird ein großer Teil der in Euro gehandelten Papiere in London abgewickelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde nun wieder darauf pochen, dass sie in der EU stattfinde. "Wir reden hier von einem billionenschweren Markt", sagte Väth. Die Deutsche-Börse -Tochter Eurex Clearing ist bereits der größte Derivate-Abwickler in Europa. "Die meisten zusätzlichen Arbeitsplätze fallen aber nicht bei der Börse an, sondern bei den Banken, weil die zuständigen Einheiten hierher verlagert werden."

Auch der "EU-Passport", mit dem Banken ihre in einem Land genehmigten Produkte in der gesamten EU vertreiben dürfen, werde zu einer "massiven Verlagerung der Entwicklung und Zulassung von Finanzprodukten nach Frankfurt führen", sagte Väth voraus. Die in London angesiedelte EU-Regulierungsbehörde für die Branche, EBA, hat bereits angekündigt, nach einem Austritt wegzuziehen. "Der natürliche und logische Standort für die EBA wäre nun Frankfurt", sagte der Lobby-Vertreter. Väth erwartet auch einen Zustrom ausländischer Banken. 40 Prozent der bisher in London vertretenen Institute seien nach einer Umfrage nur wegen des Zugangs zum europäischen Finanzmarkt dort. "Viele davon werden nach Frankfurt umziehen."

Alles in allem verliere London damit 1,5 bis zwei Prozent des Volumens seines Finanzmarktes. "Weil London zehnmal größer ist als Frankfurt, bedeutet das für Frankfurt einen Schub von 15 bis 20 Prozent", sagte Väth. "Das übersetzt sich in 10.000 Arbeitsplätze, die über einen Zeitraum von fünf Jahren entstehen werden." Zurzeit arbeiten 62.000 Menschen im Großraum Frankfurt allein für Banken. Leerstehende Büros und Gewerbsflächen gibt es Väths Einschätzung nach in Frankfurt genug.

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