Banken: "Es wird ernst mit Stellenabbau und Filialschließungen"

Banken: "Es wird ernst mit Stellenabbau und Filialschließungen"

Die Restrukturierungen der Banken ist laut Unternehmensberatern in Europa nicht ausreichend gewesen. Weitere Kündigungen drohen

Die Schwere zwischen den zehn größten Banken in den USA und Europa beim Gewinn gehen weiter auseinander. Was europäischen Instituten massiv zusetzt un, warum die nächste Zeit für Banken diesseits und jenseits des Atlantiks hart werden wird und mit welchen Konsequenzen die Unternehmensberater von EY rechnen.

Die europäischen Großbanken kommen einfach nicht in die Gänge. Der Unternehmensberater EY analysiert jedes Jahr wie sich die Banken in Europa und den USA entwickeln. Und jedes Jahr ist es, seit der Finanzkrise, die selbst betrübliche Diagnose: Die US-Banken verdienen hervorragend, in Europa kämpfen die Großbanken mit sinkenden und geringen Gewinnen. Analysiert wurden die zehn größten Banken in Europa und den USA.


USA: 70 Milliarden Euro Gewinn, bei leichtem Wachstum
In den USA boomt das Geschäft mit Privatkunden. Zwar ist der Gewinnanstieg mit 0,6 Prozent bei den zehn größten Banken nicht groß, aber dafür bleibt diesen unterm Strich ein Gewinn von 70 Milliarden Euro übrig.

Europa: 26 Milliarden Euro Gewinn, bei sinkendem Gewinn
In Europa befinden sich die zehn nach der Bilanzsumme größten Institute dagegen in einer misslichen Lage. Die Top-10-Banken verzeichneten insgesamt einen Gewinnrückgang: Ihr Konzernergebnis sank um knapp sechs Prozent auf gut 26 Milliarden Euro.
Einzige erfolgreiche Banken in Europa: HSBC und BNP Paribas


Während in den USA immerhin sieben Institute einen Gewinn von mehr als vier Milliarden Euro vorweisen können, gelang dies in Europa nur zwei Instituten, der britischen HSBC und der französischen BNP Paribas.

JP Morgan schlägt alle beim Gewinn
Das bestverdienende Institut unter den zwanzig analysierten Banken war die US-Großbank JPMorgan Chase, deren Konzernergebnis bei 16,6 Milliarden Euro lag.
Börsenwert in Europa schmilzt, der der US-Banken steigt kräftig

Börsenwert: In den USA hinauf, in Europa hinunter
Auch beim Börsenwert entwickeln sich die Banken dies- und jenseits des Atlantiks auseinander: Der Börsenwert der Top-10-Banken Europas ging zwischen Jahresbeginn und Anfang September 2019 um sieben Prozent zurück – auf 436 Milliarden Euro. Die Marktkapitalisierung der größten US-Banken stieg hingegen um zwölf Prozent auf umgerechnet rund 1,2 Billionen Euro. Sie waren damit zum Stichtag 1. September mehr als doppelt so viel wert wie Europas Top-Banken.


Der Abstand vergrößert sich

Niedrig- und Strafzinsen belasten erheblich
„Die großen US-Banken lassen ihre europäischen Wettbewerber beim Gewinn und der Profitabilität weit hinter sich, der Abstand vergrößert sich weiter. Die europäischen Banken leiden massiv unter dem historisch niedrigen Zinsniveau in Europa und den Strafzinsen für Einlagen, was die Zinserträge weiter schrumpfen lässt“, beobachtet Armin Schmitt, Leiter Beratung für Finanzdienstleister bei EY Österreich.

Eigenkapitalrentabilität bei US-Banken doppelt so hoch
So ging die Eigenkapitalrentabilität, der sogenannte Return on Equity (RoE), der US-Banken zwar leicht von 13,4 auf 13,0 Prozent zurück. Die europäischen Institute verzeichneten aber einen stärkeren Rückgang auf einem ohnehin deutlich niedrigeren Niveau: von 7,1 auf 6,4 Prozent.
Weit von Vorkrisenniveau entfernt

Weit von Vorkrisenniveau entfernt
Gewinne der europäischen Banken ist nach wie vor weit entfernt vom Vorkrisenniveau und nicht zufriedenstellend“, sagt Schmitt. „Abschreibungen, Restrukturierungs- und Rechtskosten belasten die Bilanzen immer noch. Die höheren Zinsen auf dem US-Markt und die ausgeprägte Konsumbereitschaft der dortigen Verbraucher ermöglichen den dort tätigen Banken deutlich höhere Zinserträge, etwa aus dem Kreditkartengeschäft. Unterm Strich können sie trotz Schwächen im Wertpapierhandel nach wie vor Rekordgewinne erwirtschaften.“


Trübe Aussichten auch für US- Banken
Feierlaune komme bei den US-Banken derzeit dennoch nicht auf, denn das zweite Halbjahr verspricht deutlich herausfordernder zu werden als das erste, erwartet Schmitt: „In den USA zeigt die Zinskurve nach unten, was auch die Erträge aus dem derzeit noch boomenden Retailbanking bremsen wird.

Schwäche im Investmentbanking bisher kompensiert
Bislang konnte das starke Verbrauchergeschäft die Schwächen im Investmentbanking kompensieren – das wird in den kommenden Monaten immer weniger möglich sein. Hinzu kommen Sorgen vor einer Eintrübung der Aussichten für die US-Konjunktur.“ Die erwartete weitere Lockerung der Geldpolitik in Europa dürfte allerdings auch den europäischen Banken das Leben schwerer machen: „Auf beiden Seiten des Atlantiks werden die Gewinne im Retailbanking unter Druck geraten, was den Handlungsbedarf gerade bei den weniger profitablen europäischen Banken weiter erhöht.“


Beschäftigte und Filialen werden weiter zurückgehen
Schmitt rechnet mit Konsequenzen für die Beschäftigung und die Zahl der Filialen: „Viele Banken haben bereits einen harten Kostensenkungskurs angekündigt. Tatsächlich sind die Kosten bei vielen europäischen Banken derzeit zu hoch – die angekündigten Kostensenkungen zeigen bislang zu wenig Wirkung oder werden vielfach durch hohe Investitionen im Bereich Digitalisierung, Technologie und Compliance wieder konterkariert.“ Inzwischen werde die Luft für viele Institute dünner, daher rechnet Schmitt nun mit weiteren Einschnitten: „Jetzt wird es zunehmend ernst mit dem Stellenabbau und den Filialschließungen – da die Institute angesichts der schwierigen geldpolitischen und konjunkturellen Rahmenbedingungen auf der Ertragsseite wenig Wachstumspotenzial haben, bleibt nur eine Reduzierung des Aufwands, um höhere Renditeziele zu erreichen.“ Zudem könnte die anhaltende Gewinnschwäche vieler europäischer Institute die Neuordnung der Branche beschleunigen, ergänzt Schmitt: „Der erwartete europaweite Konsolidierungsprozess rückt ein Stück näher.“


US-Banken: Gestärkt in den Abschwung
Die US-Banken gehen aus einer deutlich stärkeren Position heraus in den erwarteten Abschwung, sagt Schmitt: „Die US-Banken sind in der glücklichen Position, weniger unter Altlasten aus der Finanzkrise zu leiden als ihre europäischen Wettbewerber. Zudem ist der Markt in Europa deutlich stärker fragmentiert und der Wettbewerbsdruck traditionell höher als in den USA.“

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