Bank Austria Bilanz: Gewinne mit Wehmut

Robert Zadrazil, Vorstandschef Bank Austria

Robert Zadrazil, Vorstandschef Bank Austria

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge präsentierte Bank Austria Vorstandschef Robert Zadrazil die Halbjahresbilanz der Bank Austria. Die Bank konnte ihren Gewinn um 27 Prozent steigern, ohne ihre Ost-Töchter, die demnächst zur UniCredit wandern, wäre das Ergebnis allerdings negativ.

Die Bank Austria hat ihre Halbjahreszahlen vorgelegt, und die lesen sich ermutigend: Das Kreditvolumen und die Kundeneinlagen sind gestiegen, die Betriebsaufwendungensind dank des rigiden Kostenmanagements zurückgegangen, der Kreditrisikoaufwand ist um 26 Prozent gesunken und der Gewinn des Instituts konnte um 27,7 Prozent auf 626 Millionen Euro gesteigert werden.

Man kann Vorstandschef Robert Zadrazil zustimmen, dass das Ergebnis sehr respektabel ist. Besonders angesichts der Tatsache, dass die Bank rund 227 Millionen Euro an zusätzlichen Belastungen durch Bankenabgaben und Systemsicherungsbeiträge zu verkraften hatte. Obendrein müssen Bank Austria-Pensionen als Folge der vom Nationalrat beschlossenen ASVG-Änderung ins staatliche ASVG-System übertragen werden, was sich netto mit weiteren 204 Millionen Euro auf das Betriebsergebnis niederschlug.

Dennoch kann bei Zadrazil keine allzu große Freude aufkommen, denn bei der zur UniCredit Gruppe gehörenden Bank steht ein entscheidender Einschnitt an. Demnächst wird das Osteuropa-Geschäft aus der Bank herausgelöst und direkt der italienischen Mutter zugeschlagen. Und eben ohne die in den vergangenen Jahrzehnten gut etablierten und profitablen Töchter im Osten sieht die Bilanz leider anders aus.

Abschied vom Ostgeschäft

Im ersten Halbjahr 2016 konnte die Division Zentral- und Osteuropa ein starkes Betriebsergebnis von 1,31 Milliarden Euro erzielen. Das lag zu aktuellen Wechselkursen um 12 Prozent und wechselkursbereinigt um 19 Prozent über dem Betrag der Vorjahresperiode. Vor Steuern erreichte die CEE Division in den ersten sechs Monaten des Jahres ein Ergebis von 877 Millionen Euro was einem Plus von 28,9 Prozent zu aktuellen Wechselkursen und 38,2 Prozent wechselkursbereinigt entspricht. Rechnet man das Ergebnis dieser Gesellschaften aus der Halbjahresbilanz der Bank Austria heraus, dann bleibt für diese vor Steuern ein Verlust von 36 Millionen Euro stehen.

Die CEE Division steuert inklusive dem türkischen Joint Venture heute noch ein Netzwerk von rund 2.300 Filialen und zirka 47.700 Mitarbeitern in 13 Ländern. Zum Jahresende wird die Division schon zur Gänze der UniCredit gehören. „Der Transfer der CEE-Division direkt unter das Dach der UniCredit liegt voll im Plan und soll, wie kommuniziert, zum Jahresende 2016 abgeschlossen werden", sagt Carlo Vivaldi, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Chef der CEE Division dazu. Die kommende neue Struktur ziele darauf ab, die bestehende Expertise des CEE-Teams für die Kunden zu bewahren und vor allem die Kontinuität des Geschäfts in der Region sicherzustellen. Im zweiten Halbjahr soll sich die CEE-Division noch stärker auf die Kundenakquisition, Ausbau des Kredit- und Provisionsgeschäftes sowie die digitale Transformation konzentrieren.

Die heutige CEE Division der Bank Austria ist für die UniCredit eine wichtige Basis, um die Marktposition in Zentral- und Osteuropa in den nächsten Jahren weiter auszubauen. Die Gruppe will langfristig in der Region vertreten bleiben.

Ein Unsicherheitsfaktor für das weitere Geschäft, vor allem im CEE-Raum, ist Großbritanniens Votum für einen EU-Austritt. Die kurzfristigen Auswirkungen sieht die Bank Austria zwar durch die Zinspolitik der Fed und das Anleihenankaufprogramm der EZB abgemildert, mittelfristig rechnet man aber mit deutlich belastenden Effekten. Allerdings weniger wegen des Brexits selbst als viel mehr wegen des Rückschlages für das Wachstum und das Vertrauen in die verbleibende EU.


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