Axel Dreher legte Chef-Posten bei Wäschekonzern Wolford zurück

Nach dem Rückzug von Finanzchefin Brigitte Kurz ist nun auch der CEO Axel Dreher zurückgetreten. In "bestem Einvernehmen" erfolgte die Trennung. Gebrodelt hatte es beim Vorarlberger Wäschekonzern schon länger. Drehers CEO-Posten wird vorläufig nicht nachbesetzt. Das Schicksal von Wolford steht auf der Kippe.

Axel Dreher legte Chef-Posten bei Wäschekonzern Wolford zurück

Zu wenig Kapital, kaum Informationen - bei Wolford fühlt man sich vom Eigentümer Fosun im Stich gelassen.

Bregenz/Wien. Trotz milliardenschwerem Eigentümer aus China im Rücken steht das Schicksal des Vorarlberger Wäschekonzerns Wolford wieder einmal auf der Kippe. Auch die Produktion in Österreich wackelt.

Und im Vorstand kommt es zum zweiten Mal binnen eines Monats zum Sesselrücken: Dieses Mal trifft es Axel Dreher. Er ist nicht mehr länger Vorstandschef des Vorarlberger Strumpf- und Wäschekonzerns Wolford. Dreher habe sein Vorstandsmandat am Dienstag im "besten Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat" niedergelegt, teilte das börsennotierte Unternehmen mit. Er scheidet per 31. Oktober 2019 aus.

Was nicht so überraschend ist. Wie der trend bereits Anfang Oktober berichtet hat, gibt es bereits seit Monaten gröbere Auffassungsunterschiede zwischen dem Management und dem neuen Geldgeber und Hauptaktionär Fosun aus China.

Erst Anfang Oktober war die äußerst erfolgreich agierende Finanzchefin Brigitte Kurz gegangen. Und nun verlässt auch ihr Vorstandskollege und CEO Dreher den Wäsche- und Strumpfkonzern.

Über einen direkten Nachfolger Drehers gibt es derzeit noch Unklarheiten. Wolford teilte mit, dass der Vorstand bis auf Weiteres aus zwei Personen bestehe.

Zu einem dieser beiden Mitglieder bestellte der Aufsichtsrat nun die 48-jährige Silvia Azzali, Global Sales & Merchandising Director der Wolford AG. Sie wird schon ab 1. November neben Sales & Merchandising auch die Bereiche Marketing und Design verantworten. Andrew Thorndike (COO), der dem Vorstand erst seit 1. Oktober angehört, ist der zweite Vorstand, der nun Leitungsfunktion hat. Er trägt weiterhin die Verantwortung für die Ressorts Product Development, Supply Chain Management, Finanz- und Rechnungswesen, Controlling, Legal, Investor Relations und IT. Er wurde erst kürzlich von den chinesischen Haupteigentümern als COO geholt.

In der Branche hat sich der neue COO Thorndike allerdings keinen allzu guten Namen gemacht. Bei der deutschen Adler Moden AG ist er nach nur wenigen Monaten im Amt im Unfrieden aus dem Unternehmen ausgeschieden. Was außerdem von Anbeginn seines Engagements aufgefallen ist: Thorndike war von Beginn an für Supply Chain Management zuständig, eine Aufgabe, die eigentlich Dreher zukam. Für Dreher, der bislang gute Arbeit geleistet hat, sei das ein Schlag ins Gesicht gewesen, berichten Insider.

Der Abgang der Finanzchefin Brigitte Kurz Anfang Oktober und der Verkauf eines stattlichen Wolford-Aktienpakets durch den im Konzern sehr beliebten CEO Dreher hatten zuletzt auch nichts Gutes verheißen. Gut möglich, dass der Firmenchef deshalb auch seine Aktien verkauft hat. Ein baldiger Abschied des Wolford CEO stand schon die vergangenen Wochen im Raum.

Neo-Eigentümer steigt auf die Bremse

Die Stimmung ist bei Wolford binnen eineinhalb Jahren gekippt. Als der chinesische Mischkonzern Fosun die Mehrheit bei Wolford übernahm, herrschte am Stammsitz des Vorarlberger Wäscheunternehmens Aufbruchstimmung. "Wir freuen uns über den Einstieg eines finanzstarken Ankeraktionärs", begrüßte damals Axel Dreher als CEO von Wolford die neuen Eigentümer aus Fernost. Nach Jahren des finanziellen Aushungerns durch die Alteigentümer, die Familien Palmers und Wilhelm, rechnete man in Vorarlberg mit der Wende. Geld für Marketing und die Marke, Geld für Innovationen und neue Filialen - all das erhoffte man sich von dem Mega-Konzern.

Heute lässt sich sagen: Die Erwartungen wurden weitgehend enttäuscht. Um die Finanzkraft des Traditionshauses ist es nach wie vor schlecht bestellt, eine Strategie der chinesischen Eigentümer (sie besitzen rund 58 Prozent an Wolford) ist schwer erkennbar, und nun wird sogar darüber gemunkelt, dass die Produktion am Vorarlberger Standort wackelt.

Die Mini-Finanzspritze

30 bis 40 Millionen Euro seien nötig, um das Unternehmen wieder flott zu kriegen, war zuletzt aus dem Haus zu hören. Die Chinesen waren bislang aber lediglich bereit, nicht einmal die Hälfte zuzuschießen. Von 22 Millionen Euro, die beim Einstieg durch eine Kapitalerhöhung generiert wurden, flossen zehn Millionen Euro zu den kreditgebenden Banken, der Rest in das Unternehmen. Mitte dieses Jahres wurde nach enttäuschendem Umsatz eine neuerliche Finanzspritze nötig, die von Fosun allerdings nur in sehr geringem Ausmaß erfolgte.

Statt vom Management gewünschtes Eigenkapital gab es nur ein Darlehen im Ausmaß von zehn Millionen Euro, und das zu nicht besonders guten Konditionen: mit einer jährlichen Verzinsung von zwölf Prozent, rückzahlbar bis 2021. "Für ein Unternehmen wie Wolford hören sich zwölf Prozent sehr hoch an", sagt Fondsmanager Wolfgang Matejka. "So kann man nicht erfolgreich sein. Das reicht nicht, um sich von den Banken freizuspielen", glaubte noch vor dem Demission Drehers ein Unternehmensinsider. Die Banken hatten sich im Juni bereit erklärt, die Kreditlinien bis Juni 2021 zu verlängern und Tilgungsleistungen zu stunden.

Dass die Eigentümer nicht bereit waren, wie ursprünglich zugesagt mehr Geld zuzuschießen, sei letztlich auch der Grund gewesen, wieso die Finanzchefin die Reißleine zog, ist aus dem Unternehmen zu hören. Kurz habe das Sparpotenzial, so gut es ging, ausgeschöpft, weitere Einsparungen im Unternehmen würden an die Substanz von Wolford gehen. Diese Einschnitte soll COO Thorndike durchführen.

Die Fragezeichen hinter der Produktion

Auf das Thema "Produktion" scheinen die chinesischen Eigentümer besonderes Augenmerk zu legen. Aktuell haben sie gerade jemanden aus China nach Vorarlberg entsandt, der dort einen Monat lang nichts anderes tun soll, als die Produktion zu überwachen. Unternehmenskenner werten das als Signal, dass sich dort schon bald etwas ändern könnte. "Hinter der Produktion in Österreich steht ein großes Fragezeichen", vermutet ein Insider. Zwar haben die neuen Eigentümer den Abzug der Produktion aus Vorarlberg stets dementiert, angesichts der dünnen Finanzdecke scheint dies nun aber nicht mehr ausgeschlossen.

Eine Verlegung eines Teils der Produktion ins günstigere Slowenien, wo Wolford bereits ein Werk besitzt, wird von Unternehmenskennern als die wahrscheinlichste Variante genannt. Eine Komplettverlagerung nach China gilt hingegen als unwahrscheinlich, muss China doch mit US-Strafzöllen kämpfen, die für Werke in der EU nicht gelten. "Die Produktion aus Österreich abzuziehen, wäre sehr kurzsichtig, weil Wolford hierzulande immerhin zehn Prozent Umsatz macht", erläutert ein Manager, der nicht genannt werden will.

Auch Finanzexperte Matejka hielte eine Abwanderung wegen des großen Know-hows der Mitarbeiter für problematisch, ortet aber anderswo Sparpotenzial: "Die Immobilie, auf der sich die Produktion befindet, ist eine Prachtimmobilie." Das Grundstück nahe des Bodensees ist mit rund 80 Millionen Euro in den Büchern von Wolford bewertet. Würde man innerhalb des Landes die Produktion verlagern, so Matejka, könnte man also auch noch einiges versilbern.

Fosun auf der Bremse

Warum aber steht ein Milliardenkonzern wie Fosun bei Investments in niedriger Millionenhöhe derart auf der Bremse? 2018 setzte das Unternehmen, das offiziell dem chinesischen Geschäftsmann Guo Guangchang gehört, mit seinen drei Sparten "Wohlstand, Gesundheit und Glück" umgerechnet 14 Milliarden Euro um. Der Gewinn konnte sich mit 1,8 Milliarden Euro auch sehen lassen.

In den letzten zehn Jahren hat Fosun im Ausland 45 Deals mit einem Gesamtvolumen von neun Milliarden Euro abgewickelt. Im Bereich Mode zählen neben Wolford auch die deutsche Kette Tom Tailor und die französische Luxusmarke Lanvin zum Fosun-Reich.

Die Bewacher aus Fernost

Allerdings sieht die chinesische Regierung Investments auf Pump im Ausland seit einigen Monaten mit wachsender Unruhe. Mehr als zehn Milliarden Euro betrug der Schuldenstand von Fosun zuletzt, und die Pleite von Reiseveranstalter Thomas Cook, bei der Fosun mehr als eine Milliarde Euro in den Sand setzte, ist wahrscheinlich auch nicht unbedingt dazu angetan, nun bei Wolford die Spendierhosen auszupacken.

Auch bei der angeschlagenen Kette Tom Tailor kann man ein Lied davon singen. Dort wird seit Monaten mit den Chinesen um ein Finanzpaket gerungen. Im Sommer dieses Jahres war in Finanzkreisen zu hören, dass Fosun seine Fashion Unit inklusive Wolford an die Börse bringen wolle. Angesichts der finanziellen Probleme bei vielen Beteiligungen dürfte man diesen Plan aber auf die lange Bank geschoben haben.

Guo Guangchang hat mit Fosun in China Millionen gescheffelt. Bei Beteiligungen wie Wolford ist der Multimillionär nicht sehr spendabel.

GUO GUANGCHANG hat mit Fosun in China Millionen gescheffelt. Bei Beteiligungen wie Wolford ist der chinesische Multimillionär aktuell nicht sehr spendabel.

Managementwechsel, Bewacher aus China, ein enges Finanzkorsett - all das führt zu erheblicher Verunsicherung in der Wolford-Belegschaft. Sie fühlt sich von den Eigentümern im Regen stehen gelassen, weil intern nur wenig bis gar nicht kommuniziert wird. Die Aufsichtsratsvorsitzende Junyang Shao und ihre Kollegin Joann Cheng würden alle Anfragen freundlich weglächeln, ist zu hören. Antworten bekäme man aber keine.

Auch eine Gesprächsanfrage des trend wurde freundlich, aber bestimmt abgelehnt. Dass es mit der Transparenz bei den chinesischen Eigentümern nicht weit her ist, zeigt auch das Faktum, dass das börsennotierte Unternehmen kürzlich bekannt gegeben hat, die Quartalsberichterstattung einzustellen. Anlegervertreter Wilhelm Rasinger zeigt sich darüber wenig verwundert und meint: "Aktuell kann man niemandem nahelegen, in die Wolford-Aktie [ISIN AT0000834007] (siehe unten) zu investieren."

Den mehr als 1.300 Mitarbeitern und den deutlich weniger Aktionären ist allerdings zu wünschen, dass Wolford doch noch einmal die Kurve kratzt.

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