"Wechsel zu E-Autos geht schneller als vorausgesehen"

Motoren-Koryphäe Helmut List erwartet einen früheren Durchbruch des E-Autos als noch vor wenigen Jahren gedacht. Politisch gesetzte Ablaufdaten für den Verbrennungsmotor hält er jedoch für nicht sinnvoll.

Helmut List, Chef von AVL List

Helmut List, Chef von AVL List

Wie viele andere Größen der bisherigen Auto- und Autozulieferindustrie hat sich auch Helmut List, seit 1979 Chef des Antriebssystem-Spezialisten AVL List mit Sitz in Graz, beim Tempo des E-Auto-Vormarschs verschätzt. Rechnete er vor zehn Jahren in Interviews noch mit einem Marktanteil des rein batterieelektrischen Autos von 15 bis 20 Prozent für 2030, so revidiert er seine Prognose nun drastisch: „Heute würde ich einschätzen: 2030 hat das batterieelektrische Auto im Schnitt 30 bis 50 Prozent weltweiten Marktanteil“, so List im trend-Interview: „Es geht jetzt schneller als damals vorausgesehen.“

Als wichtigen Grund für den früheren Durchbruch nennt der AVL-CEO die Klimaschutzpolitik und damit verbundenen Förderungen: „Das reine E-Auto ist eindeutig der wichtigste Weg in die Zukunft der CO2-Reduktion. Daher werden die neuen Technologien stärker gefördert, um in diesen Bereichen die Führung zu sichern.“

Langfristige Ziele

Obwohl AVL List bereits rund die Hälfte des Umsatzes mit Aufträgen aus der neuen Antriebswelt - Brennstoffzelle, Batterie, Autonomes Fahren etc. - erzielt und zwei Drittel der neuen Investitionen des Unternehmens diese Sektoren betreffen, hält der Motoren-Experte jedoch ein politisch gesetztes Ablaufdatum für den Verbrennungsmotor für kontraproduktiv. „Besser ist es, gesetzlich langfristige Ziele für die CO2- Reduktion zu definieren, die im Wettbewerb der Technologien, also Batterieantrieb, Brennstoffzelle und Hybrid mit Verbrennungsmotor erreicht werden sollen“, so der Professor: „Diese Ziele müssen für alle Antriebsarten gelten.“

Ein Bremsfaktor für die Elektrifizierung sei zudem der Engpass an grünem Strom: „Letztlich müssen auch die Energieträger schrittweise CO2-frei werden, und in diesem Bereich kann niemand zaubern.“

AVL List beschäftigt weltweit über 11.000 Mitarbeiter, in Österreich sind es über 4.000. Vor dem Corona-Jahr kratzte das Unternehmen an der Zwei-Milliarden-Euro-Umsatzmarke, 2020 gab es einen Rückgang um 13 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Für 2021 erwartet List ein „kleines Wachstum“ im einstelligen Bereich.


Lesen Sie mehr im Artikel "Meister der Verwandlung" im trend.PREMIUM vom 28. Mai 2021.


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