Autobranche im Wandel: Bei Daimler bricht der Gewinn weiter ein

Der Wandel Richtung Elektromobilität, die Kosten für die Einführung neuer Technologien und die Folgen der Diesel-Affäre lasten auf dem Daimler-Konzern. Der Gewinn hat sich auf ein Drittel des Vorjahres reduziert.

Autobranche im Wandel: Bei Daimler bricht der Gewinn weiter ein

2,4 Milliarden Euro Gewinn - das wäre für viele Unternehmen ein Anlass zum Jubeln. Nicht aber für den Daimler-Konzern, der in seiner Geschichte weit höhere Jahresüberschüsse einfahren konnte. 2018 hatte der Stern der deutschen Automobil-Industrie noch noch dreimal so viel verdient, und selbst da war das auf die Aktionäre entfallende Ergebnis schon heftig eingebrochen.

Zwar konnte Daimler den Umsatz mit 172,7 Milliarden Euro noch leicht ausbauen - auch weil die Kernmarke Mercedes-Benz das Jahr erneut mit einem Absatzrekord abschloss. Den Verkaufszahlen standen aber außerordentlich hohe Kosten gegenüber, die einen Großteil des Verdienstes gleich wieder auffraßen.

So muss Daimler nicht nur die Investitionen in den Anlauf der Elektroauto-Produktion und in die Entwicklung teurer Zukunftstechnologien schultern. Auch die Rechnung für die Altlasten aus der Dieselaffäre ist im vergangenen Jahr immer länger geworden. Vorstandschef Ola Källenius wollte die Bilanz daher auch gar nicht schönreden. "Während unsere Ergebnisse im Jahr 2019 die weiterhin starke Nachfrage nach unseren attraktiven Produkten widerspiegeln, können wir mit dem Gewinn nicht zufrieden sein", sagte er.

Folgen für Mitarbeiter und Aktionäre

Für die Mitarbeiter und die Aktionäre des Unternehmens hat der drastische Gewinneinbruch ebenfalls spürbare Folgen: Für die rund 130.000 Mitarbeiter gibt es im Jahr 2020 nur noch 597 Euro Ergebnisbeteiligung und eine einmalige Anerkennungsprämie von bis zu 500 Euro. Im Vorjahr war die Prämie noch bei 4.965 Euro gelegen.

Für die Aktionäre kürzt Daimler Dividende deutlich. Sie werden für das abgelaufene Geschäftsjahr pro Aktie nur noch 90 Cent erhalten - nach 3,25 Euro im Vorjahr. Die Aktie des Unternehmens [ISIN DE0007100000], die seit Jahren eine Abwärtstendenz hat, gab als Folge der Konzernergebnisse weiter nach und notiert aktuell bei rund 43 Euro.

Daimler-Aktie; ISIN DE0007100000; 5-Jahres-Entwicklung. Für aktuelle Kursinformationen auf den Chart klicken.

Daimler-Aktie; ISIN DE0007100000; 5-Jahres-Entwicklung. Für aktuelle Kursinformationen auf den Chart klicken.

"Erhebliche Sonderbelastungen beeinträchtigten unsere Finanzergebnisse", betonte Källenius, der die Erwartungen seit seinem Amtsantritt im Mai 2019 die Erwartungen schon mehrfach nach unten korrigiert hatte. Im November hat er ein Sparpaket auf den Weg gebracht, das unter anderem die Streichung Tausender Arbeitsplätze vorsieht und 2020 erste Effekte zeigen soll. So erwartet Daimler zwar kaum Veränderungen beim Umsatz, dafür aber eine deutliche Steigerung des operativen Ergebnisses. Von seinen langfristigen Renditezielen bleibt der Konzern aber weit entfernt.

Dem Absatzrekord im Pkw-Geschäft bei Mercedes-Benz mit rund 2,34 Millionen verkauften Autos steht eine nachlassende Konjunktur im Lastwagengeschäft gegenüber. Der Konzern muss außerdem Milliarden investieren, um seine Elektroflotte auf die Straße zu bringen - vor allem, um die verschärften CO2-Grenzwerte zu erreichen und Strafzahlungen zu vermeiden. Gleich beim ersten Modell EQC sorgten Probleme mit einem Bauteil aber dafür, dass zum Start nicht so viele Fahrzeuge ausgeliefert werden konnten wie geplant.

Kostenfaktor autonomes Fahren

Auch die Entwicklung von Zukunftstechnologien wie dem automatisierten Fahren kostet trotz Partnerschaften mit anderen Branchenriesen wie BMW und Bosch Milliarden. Källenius hält an den Projekten fest. Besonders teure Visionen wie das "Robotaxi", die seiner Ansicht nach auf absehbare Zeit deutlich mehr Geld verschlingen werden, als sie einbringen können, hat der Schwede auf der Prioritätenliste aber weit nach hinten geschoben.

Und dann sind da noch die Altlasten aus der Dieselaffäre. Für Rückrufe und Verfahren weltweit hatte Daimler schon im vergangenen Sommer rund 1,6 Milliarden Euro auf die Seite gelegt. Erst vor knapp drei Wochen hatte der Konzern dann aber einräumen müssen, dass die Rechnung noch mal länger wird - um knapp 1,4 Milliarden Euro. Betroffen sind vor allem die Autosparte und die Van-Abteilung. Bei Mercedes-Benz Pkw brach das operative Ergebnis um die Hälfte ein, die Vans häuften gar 3 Milliarden Euro Verlust an.

Die Behörden werfen Daimler vor, in diversen Diesel-Modellen eine unzulässige Abschalteinrichtung in die Steuerung der Abgasreinigung eingebaut zu haben. Der Konzern bestreitet das, hält sich aber an die Rückrufe und hat schon bei hunderttausenden Fahrzeugen Software-Updates installiert.

Außer den Personalkosten will Källenius auch die Materialkosten deutlich senken und zudem die Investitionen deckeln, die teure Modellpalette ausdünnen und sich in den einzelnen Segmenten stärker auf die Fahrzeuge mit den höchsten Gewinnspannen konzentrieren. Das Aus der X-Klasse etwa, eines erst 2017 auf den Markt gebrachten, aber hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Pick-up-Modells, ist schon beschlossen.

UNIQA CEO Andreas Brandstetter und Ministerin Leonore Gewessler

"In dieser Lage sind Ausreden nicht mehr zulässig"

Umwelt- und Energieministerin LEONORE GEWESSLER und Uniqa-Boss ANDREAS …

Arbeitskräftemangel: EU-weite Mobilität forcieren

Arbeits- und Wirtschaftsminster Martin Kocher und Wifo-Chef Gabriel …

Keywan Riahi, Leiter des Energieprogramms am Internationalen Institut für angewandte Systemanalysen (IAASA) in Laxenburg.

Klimaforscher Keywan Riahi: "Wir werden nicht ärmer werden"

Der weltweit führende Klimaforscher Keywan Riahi im trend. Interview über …

Erste-Chef Spalt verlängert seinen Vertrag nicht

Erste-Chef Spalt verlängert seinen Vertrag nicht

Bernd Spalt, CEO der Erste Group, hat erklärt, dass er seinen bis Ende …