Austro-Wirtschaft: „Ausgeprägte Abwärtsrisiken“

Austro-Wirtschaft: „Ausgeprägte Abwärtsrisiken“

Österreichs Wirtschaft wuchs zuletzt sieben Quartale in Folge. Doch nun droht ein Einbruch.

Österreichs Wirtschaftswachstum hat sich in den vergangenen Quartalen erholt, doch es könnte schon bald wieder anders kommen. Wovor Ökonomen warnen, was sie prophezeien und wie Österreich bei Investitionen, Konsum, Export und Arbeitslosenrate im langfristigen Vergleich da steht. Der große Austro-Wirtschaftsreport.

Noch vor wenigen Jahren war Österreich im ökonomischen Wettstreit mit Deutschland klar überlegen. Doch die Fortune währte nur kurz. Nun sitzen die Nachbarn wieder wesentlich fester im Sattel als die Österreicher. Seit 2013 hängt Deutschland Österreich bei der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts, bis auf ein Quartal, stets ab. Im zweiten Quartal 2016 war der Abstand wieder einmal besonders markant. Österreich schaffte mit Müh und Not etwas mehr als null Prozent Wachstum gegenüber dem Quartal des Vorjahres, Deutschland dagegen rund 0,4 Prozent (siehe Grafik).

Österreichs BIP-Wachstum ist im vergangenen Quartal deutlich zurückgegangen.

Die konjunkturelle Erholung der österreichischen Volkswirtschaft hat sich in den vergangenen Monaten gefestigt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im Quartalsvergleich sieben Quartalen in Folge zu. Die Ökonomen der DZ-Bank erwarten deshalb auch, dass das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in Österreich in diesem Jahr wieder die Marke von einem Prozent überschreiten wird. Zuletzt war das im Jahr 2011 der Fall. Auch im langfristigen Vergleich bleibt die wirtschaftliche Erholung aber nicht mehr als moderat. Und im Vergleich zum direkten Nachbarn und mit Abstand wichtigsten Handelspartner Deutschland fällt Wirtschaftswachstum ebenso gering aus.

Vergleicht man das Austro-BIP mit jenem vor der Finanzkrise, ist das Wachstum ebenso ernüchternd. Die Quartalszuwachsrate fällt gerade einmal halb so hoch aus wie vor der Finanzkrise, genauso wie der private Konsum. Daran dürfte sich auch in nächster Zeit wenig ändern. „Wir gehen nicht davon aus, dass die Konjunktur in Österreich im Vergleich zu den Vorquartalen merklich stärker expandieren wird“, so die DZ Bank in einer Analyse. Gemessen an vorliegenden Stimmungsindikatoren zeigt die konjunkturelle Entwicklung zwar nach oben, eine Beschleunigung der Wachstumsdynamik signalisieren sie aber nicht. So hat das von der EU-Kommission erhobene Wirtschaftsvertrauen für Österreich nach einer längeren Schwächephase gerade erst wieder den langfristigen Durchschnitt von 100 Indexpunkten knapp überschritten. Und die Stimmung der Verbraucher hat sich in den vergangenen Monaten sogar wieder leicht abgekühlt (siehe Grafik).

Das Vertrauen in die Wirtschaft wächst, das Konsumverhalten geht auch nach oben, unterliegt aber deutlicheren Schwankungen.

Grund zur Hoffnung, dass das Wachstum zumindest anhält, bieten die seit Anfang 2016 gestiegenen staatlichen Investitionen. Sie waren in den vergangenen Jahren entweder rückläufig oder nur marginal. Vor allem Investitionen in Bauten und Ausrüstungen haben in den letzten beiden Quartalen wieder zugelegt. Die privaten Konsumausgaben nehmen zumindest seit dem zweiten Quartal 2015 wieder konstant zu, wenn auch in bescheidenem Ausmaß.

Positive Nachrichten: Investitionen und privater Konsum ziehen an

Heftig schwankt nach wie vor die Entwicklung der Exporte. Lag das Exportwachstum noch im dritten Quartal 2015 bei über zwei Prozent, ist das Wachstum im zweiten Quartal auf knapp 0,5 Prozent geschrumpft. Das bedeutet: Die Dynamik der Exporte beträgt gerade einmal ein Drittel aus der Zeit vor der Finanzkrise. Importe wachsen dagegen deutlich stärker. Die wirtschaftlichen Impulse von außen dürften laut DZ Bank aufgrund einer nur moderaten Expansion der Weltwirtschaft verhalten bleiben.

Staatliche Investitionen ziehen kräftig an

Das kleine Pflänzchen Wachstum verdankt die österreichische Wirtschaft auch den leicht gestiegenen privaten Konsumausgaben. Die staatlichen Ausgaben in Bauvorhaben und Infrastruktur sind erst in den vergangenen beiden Quartalen wieder in Schwung gekommen, dafür aber kräftig. Nachdem die Exporte zuletzt wieder angezogen sind, steigen auch die Investitionen der Unternehmen, die sich lange zurückgehalten haben – wenn die Importe auch die Exporte überstiegen.

Doch auf Österreich kommen unsichere Monate zu. „Die Abwärtsrisiken sind stark ausgeprägt“, so das Ergebnis der DZ-Analyse. Zu den Gründen dafür zählen die Folgen der Austrittsverhandlungen des Vereinigten Königreichs aus der EU, genauso wie der erneute Wahlgang zum österreichischen Bundespräsidenten. Die außenwirtschaftlichen Impulse dürften aufgrund einer nur moderaten Expansion der Weltwirtschaft ebenfalls verhalten bleiben und das ihre zur Abschwächung beitragen.

Vor diesem Hintergrund geht DZ für 2016 von einem BIP-Wachstum von +1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus. Aufgrund der schwächeren Gangart in der Eurozone könnte sich die Wachstumsdynamik im kommenden Jahr allerdings auch auf rund 0,9 Prozent abschwächen. Dahinter steht vor allem eine Wachstumsdelle zur Jahreswende, die auf die Unsicherheiten zurückzuführen sind, so die Schätzungen der Bank. Im weiteren Jahresverlauf dürfte sich der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts jedoch wieder festigen und Quartalsraten von rund 0,3 Prozent erreichen.

Massiv gestiegene Arbeitslosigkeit

Bei der Entwicklung des Arbeitsmarktes scheint jedoch auch 2017 keine Erholung in Sicht. Seit 2014 steigt die Arbeitslosenquote kontinuierlich von 5,6 Prozent auf voraussichtlich 6,1 Prozent im diesem Jahr und wird es laut Prognosen auch 2017 weiter tun und zwar auf 6,3 Prozent. „Die positive Entwicklung der privaten Konsumausgaben könnte durch die Entwicklung am Arbeitsmarkt gebremst werden“, so die DZ Bank. Im Gegensatz zur Entwicklung anderer Länder in der EWU verbessert sich die Situation am Arbeitsmarkt der Alpenrepublik nicht.

In Österreich ist die Arbeitslosenquote deutlich höher als in Deutschland. Erst seit Anfang 2016 zieht die Zahl der Beschäftigten wieder deutlich an.

Ein Blick auf die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Beschäftigung und der Arbeitslosen verdeutlichen das Problem. Die Beschäftigung ist in den vergangenen sechseinhalb Jahren trendbereinigt um rund sieben Prozent gestiegen. Die Zahl der Arbeitslosen legte dagegen fast explosionsartig zu und stieg bis Ende 2015 um fast 35 Prozent. Die DZ Bank: „Die wirtschaftliche Dynamik der Alpenrepublik hat in den vergangenen Jahren nicht ausgereicht, um trotz einer steigenden Beschäftigungsentwicklung einen Anstieg der Arbeitslosigkeit aufzuhalten.“ Dazu trüge auch der jüngste Migrationsschub bei, von dem Österreich im Verhältnis zur Bevölkerung zuletzt überdurchschnittlich stark betroffen war. Zuwanderer waren auch am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffen. Unter den Personen ohne österreichischen Pass stieg die Quote von 10,1 auf 12,0 Prozent.

Inflation: Service-Sektor treibt Preise

Die Inflationsrate, die im laufenden Jahr bei rund +0,7 Prozent und damit deutlich über dem Durchschnitt des Euroraums von Plus 0,2 Prozent liegen dürfte, wird im Jahr 2017 wieder auf Plus 1,5 Prozent anziehen. Dass die Inflationsrate im europäischen Vergleich relativ hoch ausfällt hat mehrere Gründe. Zum einen macht der Anteil von Energie im österreichischen Warenkorb nur rund 8,5 Prozent aus, in der gesamten EWU liegt der Anteil bei 10,5 Prozent. Daher hatten die niedrigeren Energiepreise einen schwächeren Effekt in Österreich. Dagegen spielen Dienstleistungen mit fast 47 Prozent eine um rund vier Prozentpunkte wichtigere Rolle. Ein weiterer wichtiger Punkt laut DZ Bank: Aufgrund des in vielen Bereichen stark regulierten Service-Sektors war in den vergangenen Jahren der Preisanstieg bei Dienstleistungen stärker als im Rest der EWU.

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