Austro-deutsche Smartphone-Bank N26 startet in den USA

Austro-deutsche Smartphone-Bank N26 startet in den USA

Das von den beiden Österreichern Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal (re.) gegründete FinTech N26 startet nun in den USA durch.

Die App-Bank N26 hat nun die ersten Konten in den USA freigeschalten. Zuletzt hagelte es allerdings Negativ-Schlagzeilen über die Smartphone-Bank. So ist die Zahl der Kundenbeschwerden über die Newcomer der sogenannten FinTechs zuletzt massiv angestiegen.

Berlin. Die von Österreichern in Deutschland gegründete Smartphone-Bank N26 hat ihr Geschäft auf die USA ausgedehnt. Am Donnerstag wurden die ersten Kunden von einer Warteliste von rund 100.000 Interessanten freigeschaltet. "Nun geht es wirklich los", sagte N26-Mitbegründer Valentin Stalf in Berlin. Bereits im exklusiven trend-Interview [Podcast] Ende Jänner 2019 hatten die beiden österreichischen Gründer angekündigt, rasch den amerikanischen Markt ins Visier zu nehmen.

In den USA will N26 vor allem damit punkten, dass die Grundvariante des Kontos kostenlos ist und die Anwender über ihr Smartphone in Echtzeit einen Überblick über ihre Finanzen haben. Zudem verlange man im Gegensatz zu den meisten US-Banken keine Mindestumsätze. "Hier kommt eine Innovation aus Europa in die USA, während das sonst ja eher in die andere Richtung läuft", sagte Stalf.

Nach der kurzen Startphase würden wöchentlich bis zu 10.000 neue Konten aktiviert, kündigte der N26-Chef an. Mit Ende des Sommers könnten dann auch Kunden ein N26-Konto in den USA eröffnen, die sich nicht auf die Warteliste eingetragen haben. "Für uns ist ganz wichtig, von den ersten Kunden noch zu lernen und Feedback zu bekommen", sagte Stalf.

N26-Kunden in den USA bekommen kein Scheck-Buch ausgehändigt, das bei traditionellen Banken noch immer zur Grundausstattung gehört. "Wenn ein Kunde einen Scheck einlösen möchte, können wir das zusammen mit einem externen Dienstleister tun", sagte Stalf.

Im Huckepack

N26 ist in den USA nicht mit einer eigenen Banklizenz unterwegs, sondern arbeitet mit der kalifornischen Direktbank Axos zusammen. Sie sei für alle regulatorischen Fragen verantwortlich. "Dort liegt auch das Geld, das damit auch über den amerikanischen Einlagensicherungsfonds FDIC abgesichert ist." Während N26 in Europa mit Mastercard zusammenarbeitet, ist in den USA Visa der Kooperationspartner. Die App sehe sonst in den USA quasi genauso aus wie in Deutschland oder Europa. Wegen der regulatorischen Bedingungen gebe es im Hintergrund aber Unterschiede. "So werden die Daten der US-Kunden auf Servern in den USA gespeichert, während die Daten der Kunden aus Europa in europäischen Rechenzentren liegen."

N26 wurde 2013 von Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal gegründet und befindet sich auf Wachstumskurs. Im Juni hat das Unternehmen die Marke von 3,5 Millionen Kunden überschritten, das monatliche Transaktionsvolumen hat nach Angaben des Unternehmens die Schwelle von zwei Milliarden Euro erreicht.

Die Mängelliste

Das Wachstum zeigt aber auch eine negative Seite auf. Das Kundenservice bei N26 war immer wieder auch Thema kritischer Medienberichte. Im Mai hatte die deutsche Finanzaufsicht BaFin N26 ferner verpflichtet, Mängel bei Maßnahmen gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung zu beheben. Die App-Bank wurde beispielsweise angehalten, einige Bestandskunden neu zu identifizieren und Rückstände bei der Kontrolle verdächtiger Transaktionen aufzuarbeiten. Stalf sagte, man habe inzwischen den Kundenservice spürbar verbessert und sei den Forderungen der BaFin nachgekommen.

N26 verdient sein Geld vor allem mit Zusatzleistungen wie einer Premium-Mitgliedschaft, die bestimmte Versicherungsleistungen beinhalten. Zwischen 20 und 30 Prozent der N26-Kunden hätten sich für ein solches Premium-Konto entschieden, sagte Stalf. Im Vergleich zu etablierten Banken stehe N26 aber nicht unter einem so hohen Erlösdruck, da die Kosten viel niedriger seien.


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