Austria Wien hat neuen Geldgeber mit Schönheitsfehlern

Der Fußballclub AUSTRIA WIEN hat mit der Payment-Gesellschaft Insignia einen neuen Hauptsponsor gefunden. Doch dieser hat an vielen Fronten zu kämpfen.

Austria Wien hat neuen Geldgeber mit Schönheitsfehlern

JUBEL AM VERTEILERKREIS. Die Führung der Wiener Austria (l. CEO Markus Kraetschmer und 2. v. r. Präsident Frank Hensel) präsentieren den neuen Sponsor Insignia.

Mit Großsponsoren ist es beim Traditionsclub Austria Wien so eine Sache. Zwar überschüttete Frank Stronach den Club Anfang der 2.000er Jahre mit Millionen, verschliss aber etliche Trainer - das alles mit bescheidenen sportlichen Erfolgen. Vor ein paar Jahren hatten die Violetten einen saudischen Großinvestor an der Angel, der aber schließlich doch nicht anbiss. Und nun also die Insignia Group, die vergangene Woche von den Vereinsverantwortlichen als neuer Partner präsentiert wurde.

Ein Jahresverlust von mehr als 18 Millionen Euro und Verbindlichkeiten von mehr als 70 Millionen Euro machten die Suche nach einem Geldgeber dringend notwendig. Laut Auskunft von Markus Kraetschmer, CEO des FK Austria Wien, zeigte "eine Vielzahl" von potenziellen Partnern Interesse an der Zusammenarbeit. Allerdings hätten sie von der Austria auch mehr verlangt als die Insignia, die sich mit einem Aufsichtsratssitz für zumindest sieben Millionen Euro Sponsorengeld zufrieden gibt. So soll ein US-Interessent zwar bereit gewesen sein, zwölf Millionen Euro zu bezahlen, hätte dafür aber 49 Prozent am Verein und den halben Aufsichtsrat haben wollen.

"Ich gehe davon aus, dass wir vom internationalen Netzwerk unseres neuen Partners profitieren werden", ist Kraetschmer überzeugt. Denn die Insignia Group, die im Eigentum des georgischen Geschäftsmannes Michael Surguladze steht, ist in zahlreichen Ländern der Welt tätig: USA, Großbritannien, Hongkong, Russland, Luxemburg und Malta, um nur einige zu nennen. Dieses Netzwerk soll helfen, internationale Sponsoren für die Austria zu finden.

Kreditkarten und Lifestyle-Beratung

Hierzulande ist die Insignia Group, die Kreditkarten für Superreiche anbietet und Lifestyle-Beratung macht, nicht allzu bekannt. Laut Geschäftsbericht setzte das Unternehmen 2019 54,4 Millionen US-Dollar um. Dies mit rund 1.500 Kunden. Kunde bei Insignia kann man nur über persönliche Einladung werden. Letztes Jahr brachte die Insignia die erste bakterienfreie "Wellness Clean Card" auf den Markt. Damit man auch in Zeiten von Corona problemlos seine Millionen loswird.

Doch ganz reibungslos laufen die Geschäfte des neuen Austria-Partners nicht. Wie aus etlichen maltesischen Zeitungen zu entnehmen ist, hat Insignia Ende letzten Jahres eine Strafe von 373.000 US-Dollar für die Verletzung von Anti- Geldwäsche-Bestimmungen ausgefasst.

Die Malta Financial Services Authority zählt im Bescheid eine ganze Liste an Verstößen gegen die Gesellschaft auf. So hätte Insignia der Fall eines Kunden auffallen müssen, der angab, 150.000 britische Pfund Jahreseinkommen zu haben, mit seiner Karte aber in wenigen Monaten 1,2 Millionen Euro verprasste, inklusive Luxus-Auto-Kauf in Monaco. Die Insignia hat die Ermittlungen der Finanzbehörden medial als "Hexenjagd" verurteilt und bekämpft die Entscheidung vor einem maltesischen Gericht.

AUCH DIE EHEMALIGE FPÖ-ABGEORDNETE Barbara Kappel ist für den neuen Geldgeber der Veilchen tätig.

Aber auch manche Namen in den Gremien der Payment-Firma machen einen stutzig. So sitzt die ehemalige FPÖ-Abgeordnete Barbara Kappel, gegen die hierzulande wegen schweren Betrugs ermittelt wird, laut Firmenwebsite nicht nur im Aufsichtsrat der Gruppe, sondern auch im Kontrollgremium der maltesischen Tochterfirma Insignia Card Limited.

Auf dieser Website befindet sich aber noch ein weiterer klingender Name, nämlich jener des maltesischen Ex-Politikers Chris Cardona. Cardona war lange Jahre Wirtschaftsminister in Malta, ehe er im Zuge der Mordermittlungen gegen die Journalistin Daphne Caruana Galizia zurücktrat. Ihm wird vorgeworfen, den Mörder der Journalistin bezahlt zu haben. Das wird von Cardona jedoch vehement bestritten. Die Seite mit den Namen der umstrittenen Aufsichtsräte wurde inzwischen jedenfalls von der Insignia-Website entfernt.

"Seriöser Partner"

Markus Kraetschmer hält an seinem neuen Partner fest: "Wir haben natürlich im Vorfeld ordentlich recherchiert. All das ist uns bekannt. Wir haben aber keinen Grund, an der Seriosität der Insignia zu zweifeln." Bei der Recherche sei man auch von Berater EY und einem Rechtsanwalt unterstützt worden und habe nichts dem Zufall überlassen. Auch in Österreich, so Kraetschmer, hätten bereits systemrelevante Banken Probleme mit den Anti-Geldwäsche-Vorschriften gehabt. Die Insignia-Leute hätten glaubhaft versichert, dass da nichts dran sei und es sich um ein laufendes Verfahren handle. Mit Kappel und Cardona hätte die Austria in der operativen Umsetzung der Partnerschaft ohnehin nichts zu tun, die maltesische Gesellschaft Insignias wäre nicht Vertragspartner der Austria.

Jetzt muss zur finanziellen Hoffnung nur noch der sportliche Erfolg dazukommen. Dann klappt es vielleicht irgendwann wirklich mit der angestrebten Champions-League-Teilnahme. Der sportliche Bundesliga-Alltag ist derzeit wenig glamourös: Die Austria befindet sich nur auf Tabellenplatz acht.



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Zur Person. Georg Schwondra, 51, ist Partner bei Deloitte und für den Ausbau und die Leitung des Bereiches Cyber Risk/Cyber Security bei Deloitte Risk Advisory verantwortlich. Er verfügt über umfangreiche Erfahrungen sowohl im Bereich von Security Strategy, der Beratung und Implementierung von Cybersecurity-Lösungen, dem Outsourcing von Security-Funktionen auf Auftraggeberseite und Dienstleisterseite als auch in der Begleitung und dem Management von Transformationsprojekten bei Unternehmen aller Größen, insbesondere auch im Bereich von Familien- und Privatunternehmen.

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