Aus für Hellö-Bus: ÖBB verkauft Fernbustochter an Flixbus

Hello, Goodbye! Ein kurzes Gastspiel im Fernreisebus-Geschäft gab die ÖBB. Nach nur zehn Monaten ist Schluss für den Billiganbieter Hellö. Die ÖBB-Tochter sagt Tschüss. Die deutsche Buchungsplattform Flixbus übernimmt die ÖBB-Sparte.

Aus für Hellö-Bus: ÖBB verkauft Fernbustochter an Flixbus

Ausgebremst: Fernbus-Marktführer Flixbus übernimmt die ÖBB-Tochter Hellö

Erst am 14. Juli 2016 sind die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) mit der Bustochter Hellö ins Fernreisebus-Geschäft eingestiegen. Kaum 10 Monate danach steigt die ÖBB auf die Bremse. Und wieder aus. Das "Fernbus-Start-up Hellö" werde an den deutschen Konkurrenten Flixbus verkauft, teilten die ÖBB am Montagvormittag mit. Per 1. Juni 2017 tritt der Deal in Kraft. Ende Juli soll die Transaktion abgeschlossen sein.

Zum Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Arbeitsplätze der "Hellö"-Lenker seien gesichert. Sie werden nicht zu Flixbus wechseln sondern künftig beim ÖBB-Postbus eingesetzt.

Ab dem 1. August 2017 werden bestehende "Hellö"-Linien in das europaweite Flixbus-Netz integriert. Der österreichische FlixBus-Partner Blaguss übernehme den operativen Betrieb der "Hellö"-Linien. Dadurch würden zusätzliche Kapazitäten auf beliebten Strecken zum Einsatz kommen, gleichzeitig werde das bestehende Flixbus-Fernbusnetz um neue Verbindungen und mehr Ziele im In- und Ausland erweitert. Flixbus-Gründer und Geschäftsführer Jochen Engert kommentiert die Übernahme in einer Aussendung: "Wir freuen uns auf viele neue Kunden und eine langfristige Zusammenarbeit mit den ÖBB. Gemeinsam bieten wir Österreichs Reisenden eine noch attraktivere Alternative zum eigenen Auto."

Ausgebremst

"Hellö" hatte im vorigen Sommer mit elf Fernbusverbindungen zu Kampfpreisen etwa nach Berlin, München, Zürich, Strasbourg und Venedig gestartet. Das Projekt wurde noch unter dem Ex-ÖBB-Chef und heutigen Kanzler Christian Kern entriert.

Doch das Geschäft erwies sich als alles andere als lukrativ. Hellö soll große Verluste eingefahren haben. ÖBB-Chef Andreas Matthä präsentierte im April zur Jahrespressekonferenz keine Zahlen. Im vorigen Jahr hieß es noch, dass die Fernbustochter binnen fünf Jahren profitabel sein soll.

Zuletzt waren 28 Busse im Einsatz. Hellö hatte mit WLAN, komfortable Sitze und vor allem Kampfpreisen geworben. Zum Auftakt im Sommer wurde eine Fahrt von Wien nach Straßburg um 15 Euro angeboten. Die Destination Wien-Straßburg wurde in der Zwischenzeit jedoch eingestellt. Insgesamt hatte Hellö zuletzt 29 Destinationen im Programm.

Das Aus kommt dennoch überraschend. Die ÖBB hatten sich mit Hellö einen weiteren Umsatzträger versprochen. Bis 2020 sollten eine Million Fahrgäste im Fernreisegeschäft zusätzlich transportiert werden. 'Im ersten Halbjahr waren es gerade einmal 100.000 Fahrgästen. Bei einer linearen Entwicklung hätte Hellö das Ziel um gut 200.000 Fahrgäste verfehlt.

Flixbus fährt Hellö davon

Übernehmer Flixbus ist im Jahr 2013 im Rahmen der Marktöffnung für Fernreisebusunternehmer zunächst in Deutschland gestartet. Im Sommer 2014 erweiterte Flixbus gemeinsam mit Blaguss erstmals sein Fernbusnetz Richtung Österreich und seit kurzem Richtung Osteuropa.

Flixbus ist eine Buchungsplatform mit Sitz in München. Das Unternehmen arbeitet mit verschiedenen Busunternehmen zusammen, die im Auftrag von Flixbus die über Internet angebotenen Fernreisen abwickeln. Der deutsche Fernreisebusunternehmer fährt der Konkurrenz auch in Österreich davon. Im Jahr 2016 hat Flixbus eigenen Angaben zufolge in Österreich 2,7 Millionen Reisende verzeichnet.

Flixbus hält in Deutschland nach der Übernahme der Konkurrenten Postbus und Megabus über 90 Prozent Marktanteil im Fernbusgeschäft. Dabei hat Flixbus keine eigenen Busse, sondern arbeitet mit Partnerunternehmen.

Der deutsche Flixbus hält nach eigenen Angaben im DACH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) einen Marktanteil von über 90 Prozent. "Hellö" habe laut Medienangaben einen Marktanteil von 0,7 Prozent im DACH-Raum. Flixbus gebe seinen Marktanteil nur im DACH-Raum und nicht getrennt nach einzelnen Ländern bekannt, so der Flixbus-Sprecher. Im DACH-Raum arbeite Flixbus seit dem Jahr 2016 profitabel, genauere Zahlen gebe man nicht bekannt.

Der Übernahmedeal dürfte trotz hohem Marktanteil bei den Wettbwerbsbehörden durchgehen, wie beide Unternehmen meinten. Dazu sei die Größe der Unternehmen zu gering, erklärte ein Flixbus-Sprecher auf APA-Anfrage. Die ÖBB-Fernbus GmbH habe die notwendigen Umsatzgrenzen weder in Österreich noch in Deutschland erreicht, die diese Transaktion anmeldepflichtig gemacht hätten, so ein ÖBB-Sprecher zur APA.

Laut der jüngsten im deutschen Bundesanzeiger veröffentlichten Bilanz hatte Flixbus (konkret die FlixMobility GmbH) im Geschäftsjahr 2015 Umsatzerlöse von 215,3 Mio. Euro und einen Konzernbilanzverlust von rund 39,4 Mio. Euro.

Christoph Weber, Head of Organization & Operations bei der Managementberatung Horváth in Österreich

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