Aus für Diesel? VW-Chef schwenkt Richtung Tesla

War der Abgas-Skandal in der Volkswagen-Gruppe der Anfang vom Ende der Dieselmotoren? Der Mythos der sauberen Verbrennungsmotoren ist jedenfalls zu Grabe getragen. Nach der Präsentation des neuen Strategiekonzepts 2025 stellt VW-Chef Matthias Müller nun die Zukunft der Diesel-Motoren infrage.

Aus für Diesel? VW-Chef schwenkt Richtung Tesla Aus für Diesel? VW-Chef schwenkt Richtung Tesla

Es waren nur ein paar Zeilen Code, verpackt in der einer Motoren-Steuersoftware. Doch diese Zeichen hatten es in sich und mehr Schaden angerichtet, als jedes Computervirus davor. Die Rede ist von dem Steuercode, den VW-Ingenieure entwickelt hatten, um die in einigen Modellen eingesetzten Dieselmotoren so zu beeinflussen, dass sie bei den strengen Abgastests die vorgeschriebenen Werte erfüllen.

Als die Manipulationen im letzten September ans Tageslicht kamen, war von einem Tag auf den andern nichts mehr so wie zuvor. VW musste zugeben, bei Dieselabgastests in den USA und in Europa getrickst zu haben. Martin Winterkorn musste als VW-Chef zurücktreten und die Aktie (ISIN DE0007664005) erlebte den größten Kurssturz seit 21 Jahren.

Volkswagen-Aktie: Der Dieselgate-Affäre folgte im September 2015 ein Kursgemetzel.

Volkswagen leitete die größte Rückruf-Aktion seiner Geschichte ein. Millionen Autos verschiedener Marken des VW-Konzerns (VW, Seat, Audi, Skoda) müssen in die Werkstatt zurückgerufen werden, um sie "nachzurüsten". Damit ist die Sache aber noch lange nicht ausgestanden. Dem Konzern drohen immer noch Strafen in Milliardenhöhe. Vor allem in den USA, aber nicht nur dort. Erst vor kurzem hat ein Gericht in Österreich entschieden, dass einem getäuschten Kunden der Kaufpreis für sein Auto zum Großteil rückerstattet werden muss. Die Gesamtkosten des Desasters wurden bereits mit 47 Milliarden Euro beziffert, doch auch das ist nur eine vage Schätzung.

Zukunft ohne Diesel

In einem Gespräch mit dem deutschen Handelsblatt hat nun Matthias Müller, der Nachfolger des zurückgetretenen Konzernchefs Martin Winterkorn, die bei den Kunden beliebten Dieselmotor und sehr weit verbreiteten Dieselmotoren generell infrage gestellt. "Es wird sich die Frage stellen, ob wir ab einem gewissen Zeitpunkt noch viel Geld für die Weiterentwicklung des Diesels in die Hand nehmen sollen", sagte er und hielt fest, dass es unklar sei, ob VW jemals wieder Dieselmotoren in den USA anbieten werde. Einerseits durch den als "Dieselgate" bekannt gewordenen Skandal das mühsam aufgebaute Image der umweltschonenden, sauberen Motoren mit einem Schlag vernichtet wurde. Andererseits aber, weil es schlicht ums Geld geht. Die vorgeschriebenen, immer strengeren Abgaswerte sind ohne extrem aufwändige und sehr kostspielige Abgasreinigungsprozesse nicht mehr zu erreichen. Gleichzeitig gibt es mit den Elektromotoren eine tatsächlich saubere Alternative, die immer günstiger wird.

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Sind Elektroautos schon reif für den Massenmarkt?

Und es gibt einen weiteren Grund, der gegen den Diesel spricht. Der Aufstieg der Dieselmotoren ist eng verbunden mit steuerlichen Begünstigungen, die den Treibstoff gegenüber Benzin in der Vergangenheit günstiger gemacht haben. Ursprünglich war dieser steuerliche Vorteil als Zuckerl für die Frächter und Spediteure gedacht. VW-Chef Müller weiß jedoch, dass die Steuervorteile nicht auf Dauer gesichert sind und sucht daher den Dialog mit der Politik. Die Cruxan der Sache: In wichtigen Märkten wie Österreich oder Deutschland liegt der Anteil der Dieselfahrzeuge an den Neuzulassungen bei rund 50 Prozent.

Mit der jüngst vorgestellten neuen Konzernstrategie (Download: Die Volkswagen-Konzernstrategie 2025) hat Müller bereits die Weichen Richtung Umbau des Volkswagen-Konzerns gestellt. VW soll zu einem Vorreiter der nachhaltigen Mobilität werden heiß es darin. Statt in Diesel zu investieren soll die Elektromobilität soll massiv ausgebaut und Milliarden in neue Mobilitätsdienstleistungen investiert werden. Es sind Zeichen der Wende, die für den Automobilhersteller ähnlich einschneidend ist wie es für die großen Energiekonzerne der Atom-Ausstieg Deutschlands ist.

Das Tesla-Prinzip

Dass Autofahrer Elektroautos kaufen werden, zeigt der Erfolg von Tesla. Das Unternehmen hat es geschafft, Elektroautos ohne Abstriche hinsichtlich Qualität und Reichweite zu entwickeln. Neue Technologien sollen bei moderater Fahrweise bald auch eine Reichweite von 1000 Kilometern möglich machen. Der Dank der Kunden: Für das neue Mittelklasse-Modell, den Tesla Model 3, gibt es bereits rund eine halbe Million Vorbestellungen, obwohl Produktion erst 2017 anläuft.

Der Tesla Model 3 soll dem Elektroauto-Pionier den Weg in den Massenmarkt ebnen.400.000 Stück sind bereits vorbestellt.

Tesla Model 3: Das Mittelklasse-Modell geht 2017 in Produktion. Startpreis: 35.000 $

Für die Kunden haben Elektroautos nämlich auch einige entscheidende Vorteile. Da sie mechanisch um Größenordnungen einfacher aufgebaut werden müssen, entfallen viele Komponenten, die Autobesitzer vor allem als Kostenpunkt auf der Servicerechnung kennen: Kupplung, Getriebe, Starter und Lichtmaschine - all das hat ein Elektroauto gar nicht. Und kann daher auch nicht kaputtgehen. Bleibt der Akku als Problemstelle, doch Tesla räumt Bedenken Achtjahresgarantien ohne Kilometerlimit aus dem Weg. Und Treibstoffkosten sollen künftig auch kein Thema mehr sein: Tesla-Fahrer können ihre Autos an den herstellereigenen Schnellladestationen ihr Fahrzeug kostenlos aufladen.

Tesla-Aktie: Die Ankündigung des Model 3 ließ die Phantasie erblühen.

Doch Tesla (ISIN US88160R1014) alleine schafft noch keine Mobilitätswende. Und das Unternehmen strebt auch nicht die Weltherrschaft unter den Elektroautoherstellern an. Firmenchef Elon Musk hat schon mehrmals erklärt, dass es ihm darum geht, die gesamt Autobranche zu verändern. Wenn nun mit der Volkswagen-Gruppe der je nach Zählung größte oder zweitgrößte Automobilhersteller der Welt auf den Tesla-Pfad einschwenkt, dann wäre Musk seinem großen Ziel einen bedeutenden Schritt näher gekommen.

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