Aufsichtsrat der Telekom Austria gibt CEO Plater Rückendeckung

Aufsichtsrat der Telekom Austria gibt CEO Plater Rückendeckung

Der zuletzt stark attackierte CEO der Telekom Austria, Alejandro Plater, bekommt das Vertrauen der Chef-Aufseher der Telekom Austria - zumindest für die kommenden sechs Monate.

Bei der Telekom Austria ist nun auch der Aufsichtsrat bemüht, die Wogen zu glätten. Aufsichtsrats-Vize-Chef García Moreno Elizondo vom Hauptaktionär América Móvil macht CEO Plater die Mauer. Von Zerwürfnissen ist bei den Aufsehern nicht die Rede. Man spricht sogar von einem Turnaround. Die Aktionäre werden mit einer kräftig erhöhten Dividende milde gestimmt.

Wien. Die Wogen sind bei der Telekom Austria (TA) zuletzt so hoch gegangen, dass nun die Chefaufseher der Telekom Austria den Weg zu den Medien gesucht haben. TA-Aufsichtsratschef Wolfgang Ruttenstorfer (früher OMV-Chef) und Carlos García Moreno Elizondo, Finanzchef des Haupteigentümers América Móvil und stellvertretender Aufsichtsratschef, haben dem Management das Vertrauen ausgesprochen.

Die massive Kritik am Telekom-CEO Alejandro Plater hat offenbar die Aufsichtsräte zur Flucht nach vorne bewogen. "Pressekonferenzen sollen eigentlich die Vorstände des Unternehmens machen", meinte TA-Aufsichtsratschef Ruttenstorfer.

TA-Vorstandschef Plater ist zuletzt wie so oft seit Weihnachten 2015 in die Schusslinie der Kritiker gekommen. Es soll innerhalb der Telekom schwere Unstimmigkeiten zwischen Führung, dem Management bis hin zu den Mitarbeitern geben. "Ich kenne das nur aus den Medien", sagt Aufsichtsrats-Vize Moreno. Auf "Unverständnis" stoßen beim Aufsichtsrat demnach Medienberichte wonach Plater bei bei einer internen Managerbefragung die schlechteste Bewertung konzernweit erhalten haben soll. Der überraschende Rücktritt der Konzernsprecherin Ingrid Spörk war dann der Tropfen auf den heißen Stein. Und vorige Woche wurde der Termin für die Bekanntgabe der Ergebnisse verschoben.

Der Turnaround

In dem kurzfristig anberaumten Pressegespräch am Freitagnachmittag hat das Aufsichtsrats-Chefduo ihrem Telekom-CEO Plater die Mauer gemacht. Mit der Performance von CEO Plater und seinem Team sind sie demnach zufrieden sind. TA-Chefaufseher Ruttenstorfer: "Das Management macht die Sache gut, die Richtung der Strategie stimmt." Unter Plater sei die Kostenposition des Unternehmens verbessert worden. "Ich habe das schon vorher gefordert", sagt Ruttentorfer.

Aufsichtsrat-Vize Moreno streut Plater ebenso Rosen, weil dieser die Zahlen geliefert habe, die letztendlich für den Hauptaktionäre América Móvil entscheidend sind. "Seit wir im November 2014 eingestiegen hat sich die Performance verbessert und den Turnaround geschafft", sagt Moreno. Die Abwärtsbewegung über die vergangenen Jahre konnte laut Moreno gestoppt werden. "Man braucht erst einmal finanzielle Stabilität", sagt Moreno. Und die sei nun gegeben.

Trotz finanzieller Stabilität scheint die TA noch nicht so weit, um auf den "Akquisition-Mode" umschalten zu können, um etwa größere Unternehmen in der Region Zentral- und Südosteuropa zu übernehmen. Was aber auch nicht heißt, dass die Telekom Austria sich von Firmenaufkäufen verabschiedet hat. Dazu müsste erst noch die Effizienz im Konzern gesteigert werden, so Moreno. Dabei geht es unter anderem auch um eine noch intensivere Aufrüstung des Konzerns mit neuer Infrastruktur, um Festnetz und Mobilfunktelefonie sowie TV-Services oder internetbasierte Cloud-Dienste über ein Netzwerk günstig anbieten zu können.

Immerhin dürfen sich zunächst einmal wieder die Aktionäre freuen. Aufsichtsratschef Ruttenstorfer hat angekündigt, dass die Telekom Austria die Dividende von 5 auf 20 Cent pro Aktie erhöhen wird. Im Mai 2017 sollen die die erhöhte Dividende für das Geschäftsjahr 2016 ausbezahlt werden.

Für das laufende Quartal sehen hingegen die Analysten die Situation eher schlechter als im Vorjahresquartal. Der Umsatz soll zwar um rund drei Prozent auf knapp über 1,0 Milliarden Euro ansteigen. Der Nettogewinn soll im Vergleich zum Vorjahresquartal um rund 32 Prozent auf 54,4 Millionen Euro zurückgehen. Beim Ebit wird mit einem Rückgang um 17 Prozent auf 100 Millionen Euro kalkuliert.

Plater wird von mehreren Seiten angelastet, dass seit seinem Antritt als Telekom-Generaldirektor der Aktienkurs nicht anspringen will. Am 1. August 2015 hatte er Hannes Ametsreiter als CEO abgelöst und ist seither CEO und COO in Doppelfunktion. Die Telekom-Aktie hat seit Platers Antritt zum 1. August 2016 rund 18 Prozent an Wert verloren. Seit dem Börsengang und Privatisierung der Telekom Austria unter der ÖVP/FPÖ-Regierung von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und Finanzminister Karl Heinz Grasser (FPÖ) im Jahr 2000 ist der Aktienkurs vom Ausgabekurs von 9 Euro je Aktie auf 5,15 Euro heute abgeschmiert.

Die relative Sicherheit für den Chef

Die Aufsichtsräte der Telekom Austria hatte sich am Freitag versammelt, dass dann doch bis in den frühen Nachmittag hineingereicht hat. so die offizielle Sprachregelung. Ein "Routinetreffen", so die offizielle Sprachregelung bei der TA. Doch dürften die Aufseher mehr als nur die Zahlen des 2. Quartals analysiert haben. Angesichts des derzeitigen Rummels und der zu erwartenden Ergebnissee dürfte CEO Plater weiterhin Erklärungsbedarf haben. Ursprünglich hätte CEO Plater am Freitag im Pressegespräch, das mit einer fast halbstündigen Verspätung gestartet hatte, mit den beiden Aufsichtsratschefs am Tisch sitzen sollen. Nach Beendigung der Aufsichtsratssitzung ist er vom Sitzungssaal des Aufsichtsrats dann aber direkt weitergezogen.

Eine Job-Garantie für CEO Plater, dass dieser auch nach den kommenden sechs Monaten noch im Amt sein wird, wollte Aufsichtsrats-Vizechef Moreno trotz überzeugender Performance seinem CEO Plater dann doch nicht abgeben. Personelle Fragen seien Sache der Gremien, gab sich Moreno zugeknöpft.

Die Aktie konnte heute Nachmittag dann doch noch zulegen. Nachdem die TA-Aktie bis zum frühen Freitagnachmittag bei 5,10 Euro um 0,64 Prozent verloren hatte, drehte der Kurs nach Bekanntgabe der Dividendenerhöhung ins Plus: Gegen 16:40 Uhr hatte das Papier mit 0,37 Prozent plus bei 5,16 Euro notiert.

Alles Gute bringt der Sommer

América Móvil-Finanzchef Moreno erklärt indes, dass sein Unternehmen als Hauptaktionär wie im Syndikatsvertrag vereinbart seinen Anteil zugunsten des Streubesitzes reduzieren wird. Dabei geht es um die Aufstockung des Streubesitzes von derzeit 11,9 Prozent auf 25 Prozent. "Im Juli oder August werden wir das tun", sagte Moreno kurz und knapp. Über die weiteren Modalitäten wollte sich Moreno nicht äußern.

Über die Staatsholding ÖBIB hält die Republik Österreich 24,42 Prozent der Telekom Austria-Aktien. Haupteigentümer América Móvil hat direkt und indirekt 59,7 Prozent der TA-Aktien. Nur noch 11,93 Prozent der TA-Aktien sind derzeit im Streubesitz, was sich auch auf den schwachen Handel des Papiers auswirkt. Mit dem Einstieg des mexikanischen Mehrheitseigentümers ist auch der Handel der TA-Aktien spürbar zurückgegangen.

Seit Alejandro Plater im August 2015 als CEO bestellt wurde hat die TA-Aktie 18 Prozent an Wert verloren.

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