Neuer Glanz im Osten: Steigende Gewinne im CEE-Raum

Die Moldau-Metropole Prag: Shoppingcenter mit Luxuswaren wie das Palladium boomen hier wie in allen großen Städten Osteuropas.

Die Moldau-Metropole Prag: Shoppingcenter mit Luxuswaren wie das Palladium boomen hier wie in allen großen Städten Osteuropas.

Die Wirtschaft in Ungarn, Tschechien, Polen, der Slowakei oder Rumänien wächst deutlich stärker als in anderen Ländern Europas. Österreichische Unternehmen profitieren vom Boom in der CEE-Region wieder mit steigenden Gewinnen.

Das Einkaufszentrum Palladium am Platz der Republik im Herzen von Prag ist ein deutliches Symbol für den neuen Aufschwung in Osteuropa. Außen wurde die verfallene historische Fassade der ehemaligen Kaserne detailgetreu renoviert. Im Inneren des Konsumtempels kann man jetzt in 200 Shops und 20 Restaurants alles kaufen, was das Herz begehrt. Und Einkaufscenter mit Luxuswaren boomen auch in Budapest, Warschau oder Bratislava.

Die Wirtschaft Osteuropas ist die wachstumsstärkste des gesamten Kontinents. Im Durchschnitt erwartet die Osteuropa-Förderbank EBRD einen Aufschwung von 3,3 Prozent, nach 1,6 Prozent im Vorjahr. Höhere Mindestlöhne und niedrigere Sozialversicherungsbeiträge stärken den privaten Konsum, die Basis für den Aufschwung Osteuropas. Niedrige Zinsen helfen Investoren.

Zahlen & Fakten zum Osteuropa-Boom

  • 3,6 % soll das Wirtschaftswachstum 2018 in der Slowakei betragen. Damit setzt sich der Boom noch stärker als 2017 fort.
  • 2,9 % betrug die Arbeitslosenquote in Tschechien im September 2017. Das ist die niedrigste Arbeitslosigkeit aller EU-Länder.
  • 20,1 % machte die Steigerung bei den Neuzulassungen von Pkw in Osteuropa im Oktober aus.
  • 1,5 Mrd. Euro investiert der Automobilkonzern Jaguar Land Rover in den Bau eines neuen Werkes in Nitra.
  • 62,6 Mrd. Euro betrugen die gesamten Investitionen heimischer Unternehmen im Jahr 2016 in der CEE-Region.

Denn das gute Klima lockt wieder verstärkt ausländisches Kapital an. Österreichische Unternehmen zählen zu den drittwichtigsten Investoren in Zentralund Osteuropa. Vor allem Österreichs Banken sind in der Region wiederum sehr aktiv. Laut Oesterreichischer Nationalbank haben die Auslandstöchter heimischer Institute im CEE-Raum zuletzt Kredite im Gesamtvolumen von 203,7 Milliarden Euro vergeben. Das sind immerhin 68 Prozent der gesamten aushaftenden Kredite in der Höhe von 298,5 Milliarden Euro. Aber auch heimische Versicherungen profitieren von dem wiedererstarkten Osten. Die Vienna Insurance Group (VIG) beispielsweise gilt in der Branche als der Pionier in Osteuropa. Heute kommen rund die Hälfte der Prämieneinnahmen und der Gewinne von Tochtergesellschaften im CEE-Raum. Und das Verhältnis wird sich noch stärker dorthin verlagern. Elisabeth Stadler, Vorstandssprecherin der VIG: "Im Vergleich zu Österreich gibt es in Sachen Versicherungsdichte in Zentral-und Osteuropa noch sehr viel Luft nach oben."

In fast allen Ländern Osteuropas ist die Wirtschaft heuer stark gewachsen. Spitzenreiter ist Rumänien mit einem Plus von 8,7 Prozent im letzten Quartal.

In fast allen Ländern Osteuropas ist die Wirtschaft heuer stark gewachsen. Spitzenreiter ist Rumänien mit einem Plus von 8,7 Prozent im letzten Quartal.

Wie stark sich Osteuropa in den vergangenen Jahren entwickelt hat und welches Potenzial es nach oben noch gibt, zeigt sich an der größten Volkswirtschaft der Region: Als Polen vor 13 Jahren der EU beitrat, betrug die Wirtschaftsleistung des Landes gerade 50 Prozent des EU-Durchschnitts. Heute liegt der Wert bereits bei 70 Prozent. Und nach einer Prognose des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche werden es 2025 sowohl in Polen als auch in Tschechien zwischen 80 und 90 Prozent sein. Dass die wirtschaftliche Entwicklung keine Einbahnstraße ist, zeigt die Kampfansage des privaten tschechischen Bahnbetreibers RegioJet: Von Brünn und Prag aus will er den ÖBB Konkurrenz machen.

Unsichere Politik

Der große wirtschaftliche Aufschwung ist jedoch mit zum Teil recht schwankenden politischen Verhältnissen verbunden. Gegen Russland wurden wegen des Vorgehens von Präsident Wladimir Putin Wirtschaftssanktionen verhängt. Polen erlebt seit knapp zwei Jahren einen Rechtsruck der Regierung, der die Unabhängigkeit sowohl der Gerichte als auch der Medien bedroht. Die Regierung Kroatiens lässt wenig Bereitschaft für eine gerichtliche Aufarbeitung der Geschehnisse während des Bosnienkrieges erkennen. Und Ungarns Regierungschef Viktor Orbán zeigt mit der geheimdienstlichen Verfolgung des ungarnstämmigen Milliardärs und Philanthropen George Soros, dass sein Land zumindest politisch noch nicht in der EU angekommen ist.

Die Trends in Osteuropa

  1. NIEDRIGE ZINSEN beflügeln die Wirtschaft. Die Regierungen können ihre Staatsschulden leichter abbauen und aus-und inländische Unternehmen günstig investieren.
  2. PRIVATER KONSUM ist die Basis des Aufschwungs. Der Mangel an Arbeitskräften treibt die Gehälter nach oben. Die Sozialabgaben sind vergleichsweise niedrig.
  3. BANKEN zählen zu den größten Profiteuren des Osteuropa- Booms. Sie werden auch von Regierungen nicht mehr bekämpft.
  4. POLITIK bleibt unberechenbar. Die jüngste Wahl in Tschechien bringt unstabile Verhältnisse. Die Wiederwahl Viktor Orbáns im Frühjahr gilt als sicher, wird aber auch zu Konflikten führen.
  5. EU-FÖRDERUNGEN aus dem Kohäsionsfonds bilden noch immer die größte Unterstützung der Ost-Wirtschaft. 2020 werden die Bindungen aber neu verhandelt.

Gegen ausländische Banken und Versicherungen, die in Ungarn aktiv sind, hat Orbán 2010 eine eigene Steuer eingeführt. Eine schmerzhafte Aktion für alle dort tätigen europäischen Finanzinstitute. Doch Erste-Bank-Chef Andreas Treichl hat Ungarn eingeladen, sich mit 15 Prozent an der Erste Bank Hungary zu beteiligen und somit auch einen Anteil der Gewinne zu erhalten. Durch diesen Schachzug hat die ungarische Regierung die Bankensteuer 2017 deutlich gesenkt.

Aber auch Chinas Ministerpräsident Li Keqiang umgarnt den Osten. Bei einem Wirtschaftsgipfel in Budapest Ende November hat er Investitionen in der Höhe von drei Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Ein vergleichsweise geringer Betrag im Verhältnis zu den Ausgleichszahlungen, die die Länder Osteuropas aus den EU-Fördertöpfen erhalten. Im Schnitt betragen die Zahlungen, die die CEE-Länder aus dem Kohäsionsfonds der europäischen Gemeinschaft erhalten, rund drei Prozent des BIP. VIG-Chefin Stadler meint: "Dennoch ist die EU angehalten, dem aufstrebenden und zukunftsträchtigen Wirtschaftsmarkt Zentral-und Osteuropa mit der gebührenden Aufmerksamkeit unter die Arme zu greifen."


Der Artikel ist der trend-Ausgabe 50-52/2017 vom 15. Dezember 2017 entnommen.

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