AUA auf Sichtflug aus der Coronakrise

Der Betriebsverlust der Austrian Airlines (AUA) bleibt hoch. Die Passagierzahl sinkt um 44 Prozent. Noch weitere 500 Jobs werden gestrichen. "Steigende Buchungszahlen" würden "Luft" und Liquidität verschaffen. Eine Reorganisation wird immer wahrscheinlicher. Die AUA-Mutter Lufthansa will den Kapitalmarkt anzapfen.

Austrian Airlines CEO Alexis von Hoensbroech

Für AUA-CEO Alexis von Hoensbroech wird der Spielraum immer enger. Die Lufthansa-Tochter fliegt auf Sicht von einem zum nächsten Quartal.

Wien/Schwechat. Die Corona-Pandemie macht der Austrian Airlines (AUA) sowie ihrer Konzernmutter Lufthansa weiterhin mehr zu schaffen als offenbar erwartet wurde. Die Hoffnungen, dass in diesem Sommer die Reisetätigkeit kräftig anziehen wird, hat sich bisher nicht erfüllt. Zurückhaltung ist das Credo bei den Menschen, was sowohl die Urlaubsflüge als auch die Geschäftsflüge anbetrifft.

Und das bleibt nicht ohne Konsequenz: Es wird weiter an der Personalschraube gedreht. Flugzeuge werden außer Betrieb gestellt, wenngleich neue Destinationen aufgemacht werden sollen. Nur: Die lukrativen Ziele in Nordamerika und Asien sind für die Austrian weiterhin verschlossen oder werden nicht gebucht.

"Wir sind bald seit eineinhalb Jahren in der wahrscheinlich epochalsten Krise, die diese Branche jemals gesehen hat", sagte AUA-Chef Alexis von Hoensbroech. Einen Schlussstrich unter die Coronakrise kann er noch nicht ziehen: "Im Augenblick deutet sich ja in den Infektionszahlen der Beginn einer vierten Welle an, die sich aus der Delta-Variante speist - und wie stark sich das auswirken wird, wissen wir nicht."

Der AUA geht es kaum schlechter als der Branche: Weltweit mussten die Airlines seit dem Ausbruch der Pandemie rund eine Million Mitarbeiter entlassen. Alle Airlines zusammen haben voriges Jahr weltweit 60 Prozent weniger Fluggäste verzeichnet. Unterm Strich hat die gebeutelte Flugbranche demnach 126 Mrd. Dollar Verlust geschrieben. Tausend Flugzeuge wurden ausgemustert oder stehen eingemottet auf diversen Parkplätzen - etwa in Spanien und den USA.

Für die AUA schlägt sich die verhaltende Nachfrage auch weiterhin auf das Ergebnis nieder: im zweiten Quartal 2020 (Ende Juni) schreibt die AUA einen Betriebsverlust (EBIT), der kaum geringer ist als im Vorjahresquartal: Unterm Strich schreibt die Lufthansa-Tochter ein Minus von 95 Mio. Euro, während des ersten Covid-19-Lockdowns in Q2 2020 waren es Minus 99 Mio. Euro. Zum Vergleich: Vor der Krise im Jahr 2019 war die AUA noch mit einem Gewinn von 46 Mio. Euro unterwegs.

Dunkelrot ist auch das Halbjahresergebnis: Der operative Verlust liegt heuer bei 201 Mio. Euro, 235 Millionen Verlust waren es noch im 1. Halbjahr 2020. Von Jänner bis Juni 2019 flog die Lufthansa-Tochter noch ins Minus mit 53 Mio. Euro.

Der Halbjahresumsatz der AUA sank wegen der Coronakrise um 42 Prozent auf 187 (332) Mio. Euro - im zweiten Quartal waren es mit 126 Mio. Euro um 260 Prozent mehr als im Vorjahresquartal, aber um 79 Prozent weniger als im zweiten Quartal 2019.

Die operativen Erträge verringerten sich von Jänner bis Juni um 45 Prozent auf 201 (363) Mio. Euro. Andererseits wurden auch die operativen Aufwendungen gedrückt, sie lagen im Halbjahr mit 402 Mio. um 33 Prozent unter Vorjahreshöhe (598 Mio. Euro). Vor allem sanken die Aufwendungen für Kerosin und Gebühren, zudem gab es reduzierte Personalaufwendungen. Das Hochfahren des Flugbetriebs zu Sommerbeginn ließ die Gesamtaufwendungen im zweiten Quartal aber um 46 Prozent auf 231 Mio. Euro steigen.

Die AUA wird neu erfunden

Während europäische Urlaubsdestinationen wie etwa in Griechenland, Spanien und Italien jetzt im Sommer durchaus gefragt sind, sind die Buchungen bei Geschäftsreisen und bei Fernreisen schlecht. Der AUA-Chef: "Ein Beispiel ist, dass die USA nach wie vor die Reisen von EU-Bürgern in die USA nicht zulassen, außer in Ausnahmen und das Geschäft Richtung Asien ist natürlich noch extrem gedämpft, weil die Asiaten wahrscheinlich noch lange brauchen werden, bis sie ein Impfstadium erreicht haben, das es ihnen dann auch erlaubt, von ihrer Null-Covid-Strategie durch Verhinderung von Grenzübertritten dann irgendwann wieder abzuweichen."

Für die AUA rechnet von Hoensbroech für das dritte Quartal mit "schwarzen Zahlen in einzelnen Monaten", Prognosen für einen möglichen Gewinn im Quartal seien aber schwierig. "Wichtig ist, dass wir den nächsten Sommer erreichen, das halten wir für überwiegend wahrscheinlich". Man habe einen guten Liquiditätspolster, der zuletzt sogar angewachsen sei.

"Steigende Buchungszahlen im Sommer verschaffen uns Luft, doch die Krise lässt uns noch lange nicht aufatmen", übt sich einmal mehr CEO von Hoensbroech in Optimismus. Steigende Buchungseingänge zu Halbjahresende, Kurzarbeit und "wirkungsvolle Modernisierungsmaßnahmen" hätten eine weiter stabile Liquiditätssituation ermöglicht, die das Unternehmen auf Kurs halte, so der AUA-Chef.

Doch macht der AUA-Chef auch keinen Hehl daraus, dass der Personalabbau weiterhin durchgezogen wird. Um wettbewerbsfähig aus der Krise herauszufliegen, wird der Job-Abbau weitergehen. Rund 500 Stellen sollen noch wegfallen. Betroffen davon sind in erster Linie Piloten der Fernflüge sowie Techniker. Die AUA, die derzeit 6.132 Mitarbeiter zählt wird weiterhin kräftig schrumpfen.

Um wettbewerbsfähig aus der Krise fliegen zu können, werde das restrukturierte Unternehmen etwa 20 Prozent kleiner sein, erklärte die Lufthansa-Tochter. Unter anderem deshalb müssten insgesamt - wie bereits im März angekündigt - 1.350 Vollzeitstellen gegenüber dem Vorkrisenniveau abgebaut werden. Rund 850 davon seien bereits durch natürliche Fluktuation erreicht. Verglichen mit dem ersten Halbjahr 2020 ist der Personalstand per 30.6. schon um 9 Prozent von 6.756 auf 6.132 gesunken, im ersten Halbjahr 2019 zählte man noch 6.999 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Die Passagierzahl der AUA ging im Halbjahr um 44 Prozent von 1,99 Mio. auf 1,11 Mio. zurück, verglichen mit 2019 (damals rund 6,7 Mio.) war das ein Rückgang um 83 Prozent. Die Zahl der AUA-Flüge sank um 31 Prozent auf 16.286 - zwei Jahre davor waren es noch 66.419 gewesen. Die angebotenen Sitzkilometer schrumpften binnen Jahresfrist um 37 Prozent auf 2,91 Mrd., die verkauften Sitzkilometer halbierten sich sogar auf 1,54 Mrd. (-51 Prozent). Der Sitzladefaktor ging auf 53,1 (68,1) Prozent zurück. Ende des zweiten Quartals haben die Austrian Airlines lediglich 55 Prozent ihrer Kapazität von vor der Krise angeboten.

Lukrative Destinationen fehlen

Um der erhöhten Nachfrage auf Kurz- und Mittelstrecken zu entsprechen, habe man die Destinationen im Sommerflugplan auf über 100 Ziele angehoben. Was aber nicht heißt, dass das Streckennetz der Airline auf dem Niveau von 2019 angelangt ist.

Noch immer werden von der AUA etliche Destinationen nicht oder mit weit geringerer Frequenz angeflogen. Lukrative Fernverbindungen nach Asien sowie nach Nordamerika sind noch immer nicht am Flugplan. Ebenso gestrichen sind viele der Zubringerdienste vom Drehkreuz Wien etwa nach Frankfurt. Und auch die lukrativen Business-Kunden, die von Wien aus innerhalb Europa unterwegs waren oder von der AUA nach Wien gebrachte werden, nutzen noch immer vorzugsweise Video-Konferenz-Systeme anstatt für Unternehmensmeetings oder Messen ins Flugzeug zu steigen.

Sollte sich die Situation bis Jahresende nicht spürbar ändern, dürfte bei der AUA bald wieder eine Reorganisation anstehen, da die AUA aufgrund ihrer Größe auch mit den Billigfliegern Schwierigkeiten bekommen würde. Zudem würden weitere Redimensionierungen das Geschäftsmodell der AUA grundsätzlich wieder einmal in Frage stellen, heißt es in der Flugbranche.

Die AUA-Flotte der rot-weiß-roten Airline verkleinerte sich im Halbjahresvergleich auf 73 Flugzeuge (1. Halbjahr 2020: 85). Einen großen Teil der ausgeflotteten Maschinen machte dabei die Verabschiedung der Dash-Flieger aus dem Flottenportfolio der Austrian Airlines aus.

"Im April verließ die zweite von drei Boeing 767-300ER die Flotte, die dritte soll im Laufe des Jahres folgen; Ende Mai erfolgte auch der letzte kommerzielle Flug der Dash 8-Q400", heißt es dazu im Lufthansa-Bericht; künftig bestehe die Austrian-Flotte ausschließlich aus Flugzeugen von Airbus, Boeing und Embraer.

Erfreulich sei für die AUA das am 14. Juni verkündete Urteil des Europäischen Gerichts. Mit diesem wurde die Klage von Ryanair und Laudamotion gegen die Staatshilfe für Austrian Airlines abgewiesen und die Beihilfe der Republik Österreich in Höhe von 150 Mio. Euro für unionsrechtskonform erklärt.

Laut Lufthansa-Halbjahresbericht hat die AUA am 15. Juli 30 Mio. Euro aus dem im Rahmen der staatlichen Stabilisierungsmaßnahmen aufgenommenen Konsortialkredit von insgesamt 300 Mio. Euro vorzeitig getilgt.


Lufthansa holt Milliarden an der Börse

Die AUA-Mutter will den Kapitalmarkt noch vor der deutschen Bundestagswahl anzapfen, um Staatshilfen zu begleichen.


Die von der deutschen AUA-Mutter Lufthansa geplante Kapitalerhöhung soll deutlich unter den in Medienberichten genannten 3 bis 4 Mrd. Euro liegen. Diese Zahlen seien deutlich zu hoch, erklärten Finanzchef Remco Steenbergen und Vorstandschef Carsten Spohr am Donnerstag. Der Finanzbedarf sei geringer, weil das Unternehmen die Pensionsverpflichtungen habe reduzieren können, ergänzte Sohr.

Reuters hatte im Mai von Insidern erfahren, es werde ein Volumen von 3 Mrd. Euro angepeilt. Der Kapitalmarkt solle möglichst noch vor der deutschen Bundestagswahl am 26. September angezapft werden, mit Betonung auf möglichst, ergänzte Spohr nun. Sicher sei das nicht, weil der Zeitpunkt von den Bedingungen am Aktienmarkt abhängig sei.

Teure Staatshilfen

Die Lufthansa wolle mit dem Geld so schnell wie möglich die in der Coronakrise erhaltenen Staatshilfen zurückzahlen, sagte Spohr weiter. Vom 9 Mrd. Euro hohen Finanzrahmen Deutschlands, Österreichs, Belgiens und der Schweiz hat die Lufthansa bisher 4 Mrd. Euro genutzt. "Es ist teuer, und es ist auch irgendwann nicht mehr notwendig, und dann müssen wir raus", ergänzte er.

Das Unternehmen plant außerdem, mit der Wartungstochter Lufthansa Technik Geld hereinzuholen über den Verkauf eines Anteils oder einen Teilbörsengang. Eine Investmentbank sei mittlerweile beauftragt, die strategischen Optionen zu prüfen, erklärte Steenbergen. Der Vorstand wolle dann vor Jahresende entscheiden.

Halbierter Milliardenverlust

Dank der schrittweise wieder anziehenden Nachfrage nach Flugreisen erholt sich die deutsche AUA-Mutter Lufthansa langsam vom Coronaschock. Im gesamten ersten Halbjahr halbierte sich der Verlust von 3,6 auf 1,8 Mrd. Euro, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Im zweiten Quartal begrenzte die Airline den Fehlbetrag auf 756 Mio. Euro - rund die Hälfte des Wertes aus dem Vorjahresquartal, das komplett unter dem Eindruck der Pandemie gestanden hatte.

Der MDAX-Konzern kommt nach eigenen Angaben vom Donnerstag aber beim Personalabbau ebenso voran wie bei der Sanierung der finanziellen Basis.

Dazu wurden im zweiten Quartal weitere 1,5 Milliarden Euro Staatshilfe aus der Stillen Beteiligung des deutschen Bundes in Anspruch genommen. Damit nutzt die Lufthansa nun 4 Mrd. Euro der von vier Staaten angebotenen 9 Mrd. Euro. Zum Quartalsende standen dem Unternehmen liquide Mittel in Höhe von 11,1 Mrd. Euro zur Verfügung.

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