AUA setzt den Rotstift an: Bis zu 800 Jobs werden gestrichen

AUA setzt den Rotstift an: Bis zu 800 Jobs werden gestrichen

Bei den Austrian Airlines herrscht wieder einmal Krisenstimmung.

Die AUA muss ein Zehntel ihres Personals einsparen. Schuld daran sind die Billigflieger, die mit Billiglöhnen die Preise drücken. Die Airline könnte deswegen heuer sogar einen Verlust einfliegen.

Als langjähriger Beobachter der Austrian Airlines ist einem das Wort „Sparpaket“ mittlerweile durchaus geläufig. Gut vier waren es in den letzten 13 Jahren, drei davon unter der Eigentümerschaft der deutschen Lufthansa. Und nun ist es also fix: Das nächste Sparpaket für die rot-weiß-rote Airline lässt sich nicht mehr vermeiden. Einsparungen im Ausmaß von 90 Millionen Euro jährlich, die 700 bis 800 AUA-Mitarbeiter – ein Zehntel der Belegschaft – ihren Job kosten werden.

„Wir müssen uns neu aufstellen, um im brutalen Wettbewerb gegen die Billigflieger zu bestehen. Die Maßnahmen sind zum Teil schmerzhaft, weil sie uns Substanz nehmen, aber sie sind gleichzeitig notwendig, um die Zukunft der AUA als führende Fluggesellschaft in Österreich zu sichern“, erläutert AUA-Chef Alexis von Hoensbroech. Und sein Finanzchef Wolfgang Jani ergänzt: „Es müssen bei uns hochqualifizierte Arbeitsplätze wegfallen, weil über die Billigflieger deutlich schlechtere Lohn- und Sozialstandards geboten werden.“ Ein Großteil der abgebauten Stellen soll aber über Fluktuation abgefedert werden.

Billige Konkurrenten

Der Angriff der Billigflieger zeigt sich auch im Ergbnis der AUA: Nach drei Quartalen rutscht dieses von 116 auf gerade einmal 14 Millionen Euro. Und für das Gesamtjahr schließt das AUA-Management – nach einem Gewinn von 83 Millionen Euro im Vorjahr – einen Verlust nicht mehr aus. Die Rückkehr in die Gewinnzone will die Lufthansa-Tochter durch ein 90 Millionen Euro schweres Sparpaket schaffen.

Als weitere Sparmaßnahmen bestätigt das Unternehmen die Schließung der Bundesländer-Basen, eine verstärkte Zusammenarbeit mit Eurowings, die Streichung der Langstreckenflüge nach Miami sowie eine Ausdünnung des Flugplans nach Los Angeles an.

"Die Billigflieger-Schwemme und die gestiegenen Kerosinkosten drücken auf die Ticketpreise und somit auf unser Ergebnis", erklärte Finanzchef Wolfgang Jani. Der AUA-Vorstand verschärft deshalb seinen Sparkurs. Anstatt 30 Millionen Euro sollen nun die Personal- und Sachkosten bis Ende 2021 jährlich um 90 Millionen Euro gesenkt werden. Über Details will die AUA zu Mittag in einer Pressekonferenz in Schwechat informieren. Es wird erwartet, dass die AUA Mitarbeiter abbaut. Aktuell hat das Unternehmen 7.038 Mitarbeiter, vor einem Jahr waren es noch 7.104. trend-Informationen zufolge sollen bis zu 800 Jobs gestrichen werden. In einem ersten Schritt sollen 500 Stellen abgebaut werden. Der Personalabbau soll Großteils durch natürliche Fluktuation erfolgen.

Optimistischer CEO

Trotz dieser betrüblichen Nachrichten bleibt von Hoensbroech optimistisch: „Unsere langfristige Strategie bleibt gültig: Wir wollen Austrian Airlines modernisieren, profitabel und investitionsfähig machen“, sagt er. Von früheren Managern immer wieder in Aussicht gestellte Investitionen in neue Langstreckenflieger sollten von der AUA künftig selbst gestemmt werden, und nicht von der Mutter Lufthansa, deutet der AUA-Chef an. Das könnte bei einem Jahresverlust schwierig werden.

Austrian Airlines CEO Alexis von Hoensbroech

Austrian Airlines CEO Alexis von Hoensbroech

Die AUA will in Wien die Kräfte bündeln, Bundesländervertretungen sollen teilweise aufgelöst oder werden. Und trotz beinhartem Wettbewerb richtet die AUA einmal mehr eine Kampfansage an Ryanair mit Tochter Laudamotion sowie Wizzar: "Wir weichen hier keinen Millimeter weichen."

Nach den ersten neun Monaten im Jahr 2019 ist der bereinigte operative Gewinn (Ebit) um 85 Prozent auf 17 Millionen Euro eingebrochen. Im Vorjahr hatte die AUA noch , von 110 Millionen Euro nach neun Monaten bilanziert. In den Sommermonaten, dem dritten Quartal 2019, lag das Ergebnis bei 70 Millionen Euro, um 33 Prozent unter dem des Vorjahreszeitraums. Während die Erlöse in den ersten drei Quartal um zwei Prozent auf 1,696 Milliarden Euro sanken, stiegen die Kosten um vier Prozent auf 1,679 Milliarden Euro. Die Kerosinrechnung alleine ist den Angaben zufolge heuer bisher um 47 Millionen Euro höher ausgefallen, das ist ein Anstieg um 14 Prozent.

Lufthansa gibt den Takt vor

Konzernmutter Lufthansa legt wegen des anhaltenden Gewinnschwunds bei ihren Töchtern Austrian Airlines und Brussels Airlines sowie im Frachtgeschäft ein Sparprogramm auf. Da das Marktumfeld immer schwieriger werde, müssten die Gesellschaften mit geringem Gewinn oder Verlust ihre Leistung verbessern, erklärte Lufthansa-Finanzchef Ulrik Svensson.

Konzernweit sank das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) trotz eines leichten Umsatzanstiegs von Juli bis September gegenüber dem Vorjahreszeitraum um acht Prozent auf knapp 1,3 Milliarden Euro. Höhere Kosten für Treibstoff und der Preiskampf in Europa hätten belastet, erklärte die Lufthansa.

Für das Gesamtjahr erwartet der DAX-Konzern eine Ebit-Marge von 5,5 bis 6,5 Prozent, was einem bereinigten Ergebnis zwischen 2,0 und 2,4 Milliarden Euro entspricht - gegenüber dem Vorjahr wäre das ein Rückgang um 14 bis 28,5 Prozent. Die Gewinnerwartung für die Frachttochter Lufthansa Cargo schraubte die Lufthansa zurück auf eine Rendite von null bis zwei Prozent von vier bis sechs Prozent.

Insgesamt will die Lufthansa trotz des Flugbegleiter-Streiks und des Preiskampfes im Europaverkehr aber keine weiteren Abstriche bei ihrem Gewinnziel machen, nachdem Vorstandschef Carsten Spohr sein Gewinnziel bereits Ende Juni gekappt hatte.

Die Lufthansa-Aktie [DE0008232125] hat am Donnerstag im frühen Handel sofort ein kräftiges Kursplus verzeichnet und um über 7,2 Prozent auf 17,32 € zugelegt.


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