AUA-Betriebsversammlung abgesagt - Flüge bleiben gestrichen

AUA-Betriebsversammlung abgesagt - Flüge bleiben gestrichen

Zwei Tage waren für die Betriebsversammlung eingeplant. Im letzten Moment erfolgte die Absage. Viele AUA-Flugzeuge bleiben dennoch am Boden.

Zwei Tage lang sollte die Betriebsversammlung bei der AUA dauern. Im letzten Moment wurden am Dienstag die Versammlungen abgesagt und aufgeschoben. Dennoch fielen viele Flüge aus.

Zwei Tage hatte das fliegende Personal der AUA für die Betriebsversammlungen angesetzt. doch im letzten Moment wurde das Meeting der Belegschaft nun gestrichen. Der Betriebsratsvorsitzende Rainer Stratberger ist krank geworden. Ohne ihn fehlt die rechtliche Legitimierung, teilte Johannes Schwarcz, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt in der Gewerkschaft vida.

Laut Paragraph 46 des Arbeitsverfassungsgesetzes müsse aber eine Betriebsversammlung vom Betriebsratsvorsitzenden geleitet werden, da sonst das Unternehmen vor Gericht geltend machen könnte, dass die Betriebsversammlung nicht rechtskonform abgehalten wurde. Deshalb "sehen wir uns gezwungen, die geplanten Versammlungen kurzfristig abzusagen".

Doch abgesagt heißt in dem Fall nicht aufgehoben. "Wir bemühen uns, die Betriebsversammlungen in nächster Zeit nachzuholen. Noch heute beginnen wir mit den Beratungen darüber", kündigte Schwarcz an.

Unter Druck der Chefs

Zwischen Belegschaft und der Geschäftsführung herrscht indes ein etwas mehr als angespanntes Verhältnis. Die AUA-Geschäftsführung wird beschuldigt Mitarbeiter unter Druck gesetzt zu haben, damit diese nicht an der Betriebsversammlung teilnehmen würden.

"Im Hinblick darauf, dass es seitens der Austrian in den vergangenen Tagen massiven Druck gegenüber dem Personal gegeben hat, nicht an der Betriebsversammlung teilzunehmen" sie die Absage gemäß der rechtlichen Vorgaben erfolgt, so die Betriebsratsaussendung. "Um die Belegschaft zu schützen und die Betriebsversammlungen rechtskonform umzusetzen, werden wir nach der Gesundung unseres Vorsitzenden einen neuen Termin suchen", heißt es in der Aussendung des Betriebsrates.

AUA-Sprecher Peter Thier bestreitet die Behauptungen entschieden, dass auf die Belegschaft Druck ausgeübt worden sei. "Das Gegenteil ist der Fall. Auch über diese Aussage sind wir verwundert. Wir haben ja das Flugprogramm ausgedünnt, um die Betriebsversammlungen zu ermöglichen."

Alle Beschäftigten sollten ihren Dienst laut Dienstplan antreten. "Zudem ersuchen wir die Passagiere erneut um Verständnis für die Situation und die für sie daraus resultierenden Unannehmlichkeiten."

Trotz abgesagter Betriebsversammlung wird es wie angekündigt zu den Flugausfällen am Dienstag sowie Mittwoch (6. und 7. März 2018) kommen. In Summe werden über 140 von 570 ursprünglich geplanten Flügen gestrichen, also ein Viertel der Verbindungen, sagte AUA-Sprecher Peter Thier. Die Gewerkschaft bittet die Fluggäste um Verständnis. Es gehe um die Zukunft der AUA-Mitarbeiter.

Die betroffenen 10.000 Passagiere seien großteils schon umgebucht, "die Auswirkungen sind nicht mehr zurückzunehmen". Zugleich sagte Thier mit Blick auf die kurzfristige Absage: "Über die Vorgehensweise von Gewerkschaft und Betriebsrat Bord sind wir verwundert." "Wir können uns bei unseren Kunden nur für die Unannehmlichkeiten entschuldigen", so Thier. Es gebe für die AUA sicher einen wirtschaftlichen Schaden, genaue Zahlen über die Höhe lägen aber noch nicht vor.

Der Grund für die langen Betriebsversammlung: Das Bordpersonal - es geht dabei um rund 3.900 Mitarbeiter - hält das Angebot der Geschäftsleitung in den Kollektivvertragsverhandlungen für viel zu niedrig. Das Unternehmen bietet eine Inflationsabgeltung von 2,1 Prozent und eine Einmalzahlung in Höhe von 1,4 Prozent. Die vorgelegten Angebote der Austrian seien unannehmbar und "der Geduldsfaden der Belegschaft sollte nicht weiter strapaziert werden", sagte Johannes Schwarcz, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt in der Gewerkschaft vida, am Montag laut einer Aussendung. Angesichts dessen, dass es seit 2012 so gut wie keine Erhöhungen gegeben habe, sei das "schlicht und einfach ein Witz", so Schwarcz.

"Unverhältnismäßiger Arbeitskampf"

Die AUA-Unternehmensleitung hielt die zweitägige Betriebsversammlung im Vorfeld für "völlig unverhältnismäßig". "Die Verantwortung für die ausgefallenen Flüge und die vergraulten Passagiere träge damit alleine der Betriebsrat Bord und die Gewerkschaft", so die AUA in einer der APA übermittelten Stellungnahme. Ein Arbeitskampf während laufender Verhandlungen sei die falsche Antwort auf mehr Jobs, mehr Karriere und mehr Geld.

Der Startschuss für die Betriebsversammlung war für Dienstag, um 17 Uhr angesetzt. Am Mittwoch sollte die Sitzung ab 6 Uhr in der Früh forgesetzt werden. Die AUA hatte deshalb das Flugprogramm für diesen Zeitraum "vorsorglich" um durchschnittlich 25 Prozent ausgedünnt. "Ziel dieser Maßnahme ist, dass wir Passagiere zeitgerecht umbuchen können. Darüber hinaus haben wir für einzelne Flüge die Flugzeiten angepasst, um eine Durchführung sicherstellen zu können."


Service: Aktuelle Fluginformationen via AUA-Hompage


Gestörte Europa-Verbindungen

Betroffen sind unter anderem Flüge zwischen Wien und Amsterdam, Basel, Brüssel, Budapest, Bukarest, Düsseldorf, Eriwan, Frankfurt, Genf, Hamburg, Köln/Bonn, Kopenhagen, Leipzig, Lyon, Mailand, München, Prag, Salzburg, Sofia, Stockholm, Stuttgart, Venedig, Zagreb und Zürich. In Summe seien derzeit rund 10.000 Passagiere von Streichungen betroffen. "Wir entschuldigen uns aufrichtig für diese Unannehmlichkeiten."

Kunden, die während der Buchung Telefonnummer oder E-Mail Adresse angegeben haben, sowie Mitglieder des Vielfliegerprogrammes Miles & More werden per SMS oder E-Mail automatisch über Änderungen im Flugprogramm informiert. Alle anderen Passagiere werden gebeten, den aktuellen Status ihres Fluges zu überprüfen, bevor sie zum Flughafen aufbrechen. Im Falle einer Stornierung werden Passagiere gebeten, sich auf der Austrian Homepage unter "Meine Buchung" über ihre neue Reiseroute zu informieren.

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